Ungeduldig wendete sich Maja Lisa von ihm ab; und während ihr Vater noch weitersprach, richteten sich ihre Augen auf die Großmutter.

Großmutters Blick begegnete den ihrigen mit tiefem Ernst und hatte beinahe denselben Ausdruck wie Liljecronas.

Offenbar dachte Großmutter ganz wie er: Hab’ keine Angst, sondern fasse dich! Und auch Großmutter sah gleich darauf nach einer andern Seite, nach derselben wie Liljecrona.

Da schaute auch Maja Lisa dorthin, und da sah sie, wen die beiden anderen betrachteten – die Stiefmutter.

Diese schien merkwürdig erregt zu sein. Sie war totenblaß, und ihre Augen schauten ganz irr und wirr, ungefähr wie an jenem Morgen, wo Maja Lisa ihr zum ersten

mal begegnet war. Man sah deutlich, Mutter war von einem großen Schrecken erfüllt.

Einen Augenblick überlegte Maja Lisa, ob am Ende die Stiefmutter das Briefchen geschrieben habe; aber sie verwarf den Gedanken wieder, da die Mutter ja in der Schreibkunst nicht bewandert war. Überdies war es kein Wunder, wenn Mutter Angst hatte, denn der Vater war jetzt unnatürlich aufgeregt. Sie hatte alle Ursache, unruhig zu sein, wie das enden werde.

Was für ein Glück, daß Maja Lisa Mutter angesehen hatte! Dadurch war ihr wieder eingefallen, daß sie sich hüten mußte, ihren Vater zu erzürnen. Sie hörte ihm also ganz still bis zum Schlusse zu, und als er ausrief, daß er sie nicht mehr seine Tochter nennen wolle, sagte sie ganz demütig: »So tue der Herr Vater mit mir, wie er will. Wenn ich nicht mehr unter seinem Dach leben darf, muß ich wohl ...«

Hier wurde sie von Pfarrer Liljecronas Frau unterbrochen, die jetzt rasch auf sie zutrat.

Jetzt müsse es aber genug sein, rief sie, indem sie angstvoll nach Maja Lisas Hand griff. Es habe weder in ihrer, noch in des Verwalters Absicht gelegen, daß von diesem Briefe weiter die Rede sein solle. Sie hätten ihn dem Pfarrer nur vorgelegt, um ihn zu überzeugen, daß seine Tochter Liljecrona gern habe. Sie selbst habe sich gestern nach Henriksberg begeben, weil sie ganz außer sich gewesen sei. Denn sie wolle nicht, daß Pastor Liljecrona ihretwegen zugrunde gehe. Sie habe auch den Verwalter nur fragen wollen, ob es denn keine Möglichkeit