gebe, ihren Mann von ihr zu befreien? Sie wolle ihm die Scheidung anbieten, wolle ihm nie mehr unter die Augen treten, wenn sie nur die Gewißheit erhielte, daß er dann die bekäme, die er liebte. Und nur um darüber zu sprechen, seien sie und der Verwalter hierhergekommen. Sie hätten Maja Lisa nichts Böses antun wollen, nein, sie wollten nur, sie solle ihnen helfen, den zu retten, der im Begriffe stehe, sich zu verderben.
Die Pfarrerstochter sah diese einfache Frau an. Und mit einem Male wurde ihr klar, was für ein prächtiger junger Mann Pfarrer Liljecrona gewesen war, und sie begriff, wie entsetzlich unglücklich sich seine Frau fühlen mußte. Da gewannen bei Maja Lisa die gewohnte Freundlichkeit und Teilnahme wieder die Oberhand, und sie erwiderte mit bebender Stimme:
»Ach, ich kann es nicht! Gewiß würde ich ihm helfen, wenn ich es vermöchte; aber heiraten kann ich ihn niemals, denn er ist nicht der, den ich liebe.«
Sie fühlte, wie ihr bei diesem Geständnis eine heiße Röte Hals und Gesicht überflutete. Fast hätte sie geradezu den Namen dessen genannt, den sie liebhatte.
Doch der Vater machte wieder eine ungeduldige Bewegung, als wolle er all dies beiseiteschieben. »Du hast noch nicht ...«
Aber jetzt wurde der Pfarrer unterbrochen, und zwar von Großmutter Beata, die von ihrem Lehnstuhl aus das Wort ergriff.
»Lieber Sohn!« sagte sie. »Mein lieber Sohn verfährt heute abend recht hart mit Maja Lisa. Er weiß
doch, daß eine Siebzehnjährige gewiß nie zugeben wird, jemand liebzuhaben, am allerwenigsten im Beisein von so vielen Leuten. Hätte mein lieber Sohn allein mit Maja Lisa gesprochen, so würde sie sich wohl kaum geweigert haben zu sagen, wie alles zusammenhängt!«
Maja Lisa richtete unwillkürlich ihren Blick auf Großmutter. Es klang eine bestimmte Absicht aus ihrer Stimme, und es war ihr auch, als blinzle ihr Großmutter ganz verstohlen zu.
»Mein lieber Sohn nimmt diese Sache so heftig,« fuhr Großmutter fort, »weil er glaubt, er könne mit in sie hineingezogen werden; aber er soll sich nicht einbilden, daß irgend jemand den Verdacht hege, er könne seine Hand mit im Spiele haben. Jedermann weiß, daß mein lieber Sohn nichts getan hat, um Pfarrer Liljecrona anzuschwärzen und ihn dadurch zum Rücktritt zu zwingen, damit er selbst die große Pfarrei bekommen könnte.«