Ringsumher blieb es still; keines wußte, was es antworten sollte.

»Ich denke,« fuhr die Großmutter fort, »Maja Lisa kann es ruhig auf sich nehmen, den Brief geschrieben zu haben, und mein lieber Sohn kann ihr ruhig verzeihen. Jedermann wird verstehen, daß sie aus jugendlichem Unverstand so gehandelt hat. Daß es so schlimm ausfallen würde, konnte sie sich doch nicht denken.«

Maja Lisa sah, daß ihr die Großmutter zublinzelte, sie solle die Schuld auf sich nehmen; aber sie begriff nicht, warum Großmutter das wünschte. Da machte die

Alte endlich eine schwache Handbewegung und deutete auf die Stiefmutter.

Diese saß noch ebenso von Schrecken erfüllt da wie vorher, und nun verstand Maja Lisa Großmutters Gedanken. Großmutter glaubte, Mutter habe das Briefchen abgeschickt, und da hielt sie es in Anbetracht des Vaters für besser, wenn sich Maja Lisa, die es ja aus Liebe und Unvernunft getan haben konnte, schuldig bekannte, als daß er erführe, daß die Gattin, die doch nur die größte Bosheit dazu getrieben haben konnte, die Schuldige war.

Ach, Maja Lisa kam dieses Verlangen zu schwer vor! In ihrer Unentschlossenheit wendete sie sich um und warf einen verstohlenen Blick auf den, der auch jetzt noch ganz still an dem Bücherregal stand. Ihr war, als erwidere er ihren Blick liebevoll und teilnehmend; aber das war wohl ein Irrtum, er mußte sie ja hassen.

»Lieber Herr Vater!« sagte dann Maja Lisa. »Verzeiht mir, daß ich geleugnet habe. Aber der Herr Vater hat mir so große Angst ...«

Doch als sie fortfahren wollte, kam es ihr zum Bewußtsein, daß das, was sie auf sich zu nehmen im Begriff stand, so gemein und erniedrigend, ja ein zu großes Unrecht gegen sich selbst war. Sie brach in Tränen aus, warf sich in die Arme der Großmutter und schluchzte:

»Es ist zu schwer! Ich kann nicht!«

»Gewiß ist es schwer, ich begreife es gut«, sagte Großmutter. »Aber nun ist es ja gesagt. Jetzt kommst du hinüber zu mir, damit du dich ausweinen kannst.«