*******************************

Die Spinnrocken

Die große Kastenuhr aus Dalarna, die in der Stube neben der Küche, der sogenannten Küchenkammer, stand, schlug sechs Uhr mit einem Gerassel, als wollten die schweren Gewichte bis in die Unterwelt hinunterstürzen. Daran erwachte die Kleine, die da auf drei zusammengestellten Stühlen schlief, einem sehr unsicheren Bett, das nach der Ankunft in später Nacht eiligst für sie hergerichtet worden war.

Die Kleine sprang mit einem Schrei von ihrem Lager auf und hielt nicht an, bis sie mitten im Zimmer stand. Es hatte ihr geträumt, sie liege in einem Sarg und sollte begraben werden, und die Kirchenglocken läuteten ihr zu Grabe.

Aber als sie mit den Füßen auf dem kalten Boden stand, wurde sie sofort hell wach.

Hoffentlich hatte sie doch niemand schreien hören! Wenn nun jemand hier im Zimmer mit ihr schliefe! Das wäre schrecklich! Wie würden die Pfarrmägde sie auslachen, wenn sie erführen, daß sie sich vor der Wanduhr gefürchtet hatte! Sie begriff gar nicht, warum sie eigentlich so erschrocken war. Daheim in Koltorp hatten sie allerdings keine Uhr, aber auf dem Nyhof waren große

Schlaguhren im Saal und auch in der kleinen Wohnstube; die Kleine wußte also wohl, wie es war, wenn eine Uhr schlug.

Es war nicht ganz dunkel in der Küchenkammer. Auf der Feuerstelle in der Ecke brannten ein paar Holzscheite, bei deren Schein die Kleine sich umschauen konnte. Nein, außer ihr war niemand im Zimmer. Das schmale hölzerne Kanapee, wo die Pfarrerstochter, Mamsell Maja Lisa, gelegen hatte, als die Kleine in der Nacht angekommen war, stand leer und war überdies auch schon für den Tag zurechtgemacht.

Aber wenn Mamsell Maja Lisa aufgestanden war, dann war es auch wohl für die Kleine Zeit, sich anzuziehen.

Sie wollte noch ein Scheit Holz aufs Feuer legen. Wenn sie bei dessen Schein nur ihre Strümpfe und Schuhe und die andern Kleidungsstücke finden konnte, würde sie bald fertig sein.