Aber sonderbar war es doch! Hier war sie in der Küchenkammer des Pfarrhauses und zog sich an, und zwar gerade in demselben Lövdaler Pfarrhaus, wo ihre Mutter einst Kindermädchen gewesen war, ehe sie sich mit Vater verheiratet hatte. Würde sie, die Tochter, wohl ebenso gerne hier sein wie einst die Mutter?
Auf der ganzen weiten Welt gab es nichts, Bubi ausgenommen natürlich, was die Mutter so liebgehabt hätte wie die Pfarrerstochter. Wenn sie von dieser sprach, war es immer, als redete sie von einer Prinzessin.
Was hatte Mutter alles erzählt! Die Pfarrerstochter
war wunderschön; wenn sie auf der Straße dahergefahren kam, liefen die Leute von ihrer Arbeit weg und stellten sich an die Zäune, nur um sie zu sehen.
Der Pfarrer hatte große Macht im Kirchspiel; aber er pflegte zu sagen, im Vergleich zu seiner Tochter fragten die Leute recht wenig nach ihm. Er sei nur ein Dahergelaufener, sie aber stamme aus dem alten Pfarrergeschlecht, das seit hundert Jahren im Kirchspiel ansässig sei, und sie werde ja auch Lövdala und das ganze Kirchspiel erben.
Die Kleine war manchmal fast ein wenig ärgerlich gewesen, weil sie immer und immer von der Pfarrerstochter hatte reden hören, gerade wie wenn andere Leute ganz und gar nicht mitzählten, wenn von ihr die Rede war; aber nun freute sie sich doch sehr darauf, diese Pfarrerstochter zu sehen.
Wenn sie nur begreifen könnte, dachte sie, was das für ein Getöse war, das, solange sie sich ankleidete, immerfort an ihr Ohr drang. Es konnte doch wahrhaftig nicht der Sturm von gestern sein, der ihr noch in den Ohren brauste! Oder vielleicht hatte es von neuem zu stürmen angefangen? Aber eigentlich klang das, was sie hörte, gar nicht so recht wie Sturm, viel eher wie das gleichmäßige Tosen einer Mühle.
Endlich war sie angezogen, und nun machte sie die Küchentür auf.
Ja, da war es ihr nicht mehr verwunderlich, woher der Lärm kam. Die ganze Küche war voller Spinnrocken und Spinnerinnen; ein Spinnrädchen hinter dem andern,
eine Spinnerin hinter der andern – die Kleine konnte das Ende der Reihe gar nicht absehen.