»Du hättest mich nicht bitten sollen, zu spielen, nie, nie! Die Saiten an meiner Geige hättest du zerschneiden sollen, sobald du mich spielen hörtest. Das Geigenspiel hat alles wieder ins Leben zurückgerufen.«
Er lachte unbeschreiblich wild und unheimlich auf.
»Ich bin hierhergeeilt, sobald ich deine Botschaft bekommen hatte, und ich nahm meine Geige mit, weil ich dachte, sie könne dich besser trösten als ich. Aber als die Saiten einmal gerührt waren, da wachte alles, alles wieder auf. Ich sah das große Zimmer vor mir, wo sich die stampfenden, erhitzten Paare hurtig im Kreise drehten, und zwischen ihnen sah ich eine, die so leicht und fein dahinschwebte, als gehörte sie gar nicht zu den andern. Und da spielte ich nur noch für sie, ganz allein für sie. Und da jagte ich sie in den Tod.«
Er rang die Hände, daß sie knackten.
»Und ich glaubte, ich könnte das vergessen! Könnte den Gewissensqualen entgehen und glücklich werden!
Könnte von dem Gelübde frei werden, das ich an ihrem Grabe abgelegt habe! Ich war wie verzaubert, hatte alles vergessen, bis mich die Geige wieder zu mir selbst brachte.«
Maja Lisa war es, als sei sie gar nicht mehr für ihn vorhanden; aber sie wollte trotzdem noch einen Versuch machen, sich und ihr Recht zu behaupten.
»Denkst du gar nicht mehr an mich?« fragte sie. »Auch mir hast du dein Wort gegeben.«
»Ja, ich hab’ es dir gegeben, weil ich glaubte, sie wolle es. Aber jetzt weiß ich es besser. Sie will mich ganz allein haben, verstehst du? Du mußt mich freigeben.«
»Ach, Liebster, wie könnte ich dich freigeben? Ich habe ja niemand als dich. Wenn es sich um eine Lebende handelte, die ein Recht auf dich hätte, dann müßte es wohl sein. Aber ich sehe nicht ein, warum ich dich einer Toten abtreten soll.«