Jetzt hielt der Zug vor der Freitreppe; sie hörte es deutlich. Die Haustüre ging auf, und die ganze Gesellschaft drängte in den Flur herein. Sie aber blieb unbeweglich sitzen.
Nicht etwa, weil sie sich gefürchtet hätte! O nein, aber wie jammerwürdig wäre es, wenn sie nun hinausginge, die Gäste zu begrüßen, und dann niemand draußen vorfände!
Jetzt waren sie im Saal, und jetzt rissen sie die Küchenkammertüre weit auf.
Die Spielleute voran. Dann Küster Moreus mit seiner Ulla am Arm. Dann Braut und Bräutigam, von zwei Brautführern mit dreiarmigen Leuchtern hell beleuchtet, und hinter diesen eine ganze Schar Jugend, Burschen und Mädel.
Als alle hereingekommen waren, hörten Jan Öster und sein Kamerad auf zu geigen. Der Küster Moreus trat vor die Pfarrerstochter und hielt eine kleine Rede. Er sagte, Britta von Loby habe ausdrücklich verlangt, daß die Pfarrerstochter sehe, wie schön sie als Braut sei; sie
und ihr Mann hätten allein hierherfahren wollen, aber dann hätte er und die andern gedacht, die Freude sei nicht so groß für Mamsell Maja Lisa, wenn sie nur die Braut und nicht auch den übrigen Hochzeitszug zu sehen bekäme, deshalb hätten sich jetzt alle angeschlossen, die nach dem Hochzeitsschmaus nicht zu schläfrig dazu gewesen wären.
Die Pfarrerstochter war, seit sie eine Stiefmutter hatte, immer ärmlich angezogen. Aber daran zu denken, vergaßen sie und die Hochzeitsgäste vollständig, denn die Freude über dieses unerwartete Kommen hatte ihr Gesicht so verklärt, daß sie ganz unwiderstehlich liebreizend aussah.
Ja, es war ganz wahr, was man von den Pfarrerstöchtern von Lövdala sagte: sie seien imstande, alle Menschen zu bezaubern. Es war unbegreiflich, wie sie es machte; aber als sie die Braut umarmte und dann dem Bräutigam und den andern die Hand drückte, da war es allen, als sei jetzt erst die rechte Hochzeitsfreude angebrochen.
Ja, die Pfarrerstochter konnte ihre Sorgen ganz abwerfen und so froh werden, daß alle andern Menschen auch dachten: »Es gibt doch nichts Schöneres als zu leben! Es ist nicht wahr, wenn es heißt, das Leben sei schwer und traurig. Nur schön ist es.«
Die Pfarrerstochter brauchte die Braut nur anzusehen, ihre Brautkrone und ihr Hochzeitskleid zu loben, da wurden aller Augen aufgetan. Vorher hatten sie gar nicht gemerkt, wie schön sie in ihrem Staat war.