Als Maja Lisa sich dann auch an den Bräutigam wendete und ihm dankte, daß er mit Britta gekommen sei, und ihm zugleich zu seiner Frau beglückwünschte, da ging auch ihm gleichsam ein Licht auf, und nun verstand er, daß er nicht allein den größten Hof in Loby, sondern auch die beste Bauerntochter geheiratet hatte.
Was sie zu Britta sagte, konnte niemand verstehen; aber man sah Britta nachher an, daß es gerade das gewesen war, was sie gebraucht hatte, um den ganzen Tag froh und glücklich zu sein.
Sie hatten »Hochzeitsversucher« mitgebracht, die jetzt aufgedeckt wurden, denn Maja Lisa mußte auch das Hochzeitsessen versuchen. Und man sah ihr wohl an, wie sehr ihr alles gefiel; aber sie durfte nicht essen, ehe die andern wieder fortgefahren waren. Lange könnten sie nicht wegbleiben, das werde sie verstehen, es sei merkwürdig, daß sie überhaupt fortgekommen wären.
Nun erzählte Ulla Moreus, wie sie sich gleich nach dem Essen davongeschlichen hätten. Die Alten hätten ein bißchen ermattet dagesessen und sich nach einem Mittagsschläfchen gesehnt. Sie hätten auch gar nichts von der ganzen Sache gemerkt, bis die Jugend auf und davon gegangen war; aber sie müßten natürlich gleich wieder zurückfahren, sobald die Braut mit Maja Lisa getanzt hätte.
Darauf gingen sie in den Saal hinaus, und die Leute stellten sich den Wänden entlang auf, um dem Tanz zuzusehen. Der Spielmann Jan Öster stimmte eine Polka
an, und die Braut tanzte mit der Pfarrerstochter im Saal herum. Aber während die beiden noch zum ersten Male im Saal herumtanzten, wurde die Pfarrerstochter ängstlich. Sie hatte vor lauter Freude noch gar nicht an das übliche Tanzgeld gedacht. Am Hochzeitstag mußten alle Menschen, große und kleine, mit der Braut tanzen, und wer immer mit ihr tanzte, war verpflichtet, ihr das »Tanzgeld« zu geben. Aber sie armes Mädchen besaß nicht einmal eine einzige Scheidemünze!
Die Braut dagegen hatte nichts vergessen. Drüben auf dem Tisch in der Ecke des Saals stand die Flasche mit Riechwasser und der Brautschrein mit Pastillen und Rosinen, die Brautgewürze, die die Braut nach dem Tanze anbieten mußte.
Ach, das war das schwerste, was Maja Lisa durchmachen mußte! Die alten Bräuche durften nicht gebrochen werden. Die Leute hätten geglaubt, das bringe Unglück.
Britta mußte indes ihre Angst geahnt haben, denn sie flüsterte ihr während des Tanzes zu, Mamsell Maja Lisa solle nur so tun, als lege sie ihr etwas in die Hand. Wenn man sie so unerwartet überfalle, könne sie selbstverständlich kein Tanzgeld bereit haben.
Die Pfarrerstochter besaß ein Paar goldene Ohrringe und eine goldene Brosche, die sie von ihrer Mutter geerbt hatte. Sie hätte Britta gern eines von diesen beiden Schmuckstücken gegeben, wußte aber nicht, ob sie durfte. Wie sollte es gehen, wenn es der Stiefmutter nachher zu Ohren kam!