Es war nicht Sitte, mehr als einmal mit der Braut im Saal herumzutanzen, aber die Pfarrerstochter machte, während sie so überlegte, zweimal, ja dreimal die Runde durch den Saal. Eigentlich ist es indes unrichtig, wenn man sagte, sie habe überlegt; sie war in zu großer Not, die Gedanken wirbelten ihr nur so durch den Kopf.
Sie tanzte so langsam, als sie konnte, und jetzt dachte sie an einen silbernen Löffel, den sie als Patengeschenk erhalten hatte. Aber wenn sie so etwas Kostbares verschenkte, war Raclitza am Ende imstande, am nächsten Tag ins Hochzeitshaus zu gehen und es zurückzufordern.
»Es bleibt mir nichts anderes übrig, als Britta zu sagen, sie werde ihr Tanzgeld ein anderes Mal bekommen«, dachte sie.
Aber plötzlich fuhr sie zusammen, und darauf tanzte sie das letzte Stück rasch und vergnügt. Irgend jemand hatte die Gelegenheit wahrgenommen, als sie an ihm vorübergetanzt war und ihr ein Geldstück in die Hand gedrückt.
Und siehe! Als sie zu tanzen aufhörte, konnte sie einen ganzen blanken Speziestaler in Brittas Hand legen.
Die Braut war darüber so verdutzt, daß sie ganz und gar vergaß, ihr die Brautgewürze anzubieten, und die Pfarrerstochter mußte sie erst fragen, ob sie nichts bekommen solle.
Während sie dann von dem Riechwasser nahm, ließ sie rasch ihren Blick im Saal umherschweifen, um herauszubringen, wer ihr den Speziestaler zugesteckt hatte.
Sie wußte, sie hatte ihn erhalten, als sie eben am Ofen vorbeigekommen war; dann war es wohl der große dunkle Mann, der dort drüben zwischen dem Ofen und dem Schrank stand, gewesen, der ihr geholfen hatte.
Jetzt beugte sie sich vor und nahm einige Pastillen aus der Lade. Zugleich flüsterte sie der Braut zu, sie habe geglaubt, sie kenne jeden Menschen im Dorfe, aber an den Mann, der dort drüben am Schranke stehe, könne sie sich absolut nicht erinnern.
Die Braut antwortete halblaut, das sei nicht merkwürdig, denn dieser Mann sei gar nicht aus dem Dorfe; es sei ein Schmied vom Henriksberger Hüttenwerk in Västmarken, der gerade heute nach Loby gekommen sei, um von ihrem Großvater Heu zu kaufen. Sie wisse nicht, warum er mit hierhergekommen sei, er gehöre nicht zur Hochzeitsgesellschaft und sei ja auch nicht im Hochzeitsstaat.