diese Veranda mit der Freitreppe davor aufgefallen. Sie mußte erst ein Weilchen stehenbleiben, um sie zu betrachten. Ja, und auch noch anderes fiel ihr auf. Das Wohnhaus war alt, aber es war zu der Tante Zeiten renoviert und verändert worden, und da hatte sicher die Kinderheimat als Muster gedient. Es waren hier ebenso viele und ebenso große Glasscheiben in den Fenstern wie dort, und die halbrunden Bodenfensterchen hätte man ganz gut von dem einen Dach aufs andere hinübersetzen können, ohne daß jemand einen Unterschied gemerkt hätte.
Da war es Maja Lisa gleich ein wenig leichter ums Herz. Vielleicht war es schließlich doch keine so große Dummheit, daß sie hierhergekommen war! Vielleicht war die ursprüngliche Pfarrerstochter doch nicht so ganz verschwunden, wie sie sich selbst und anderen weismachen wollte!
Der Flur war hier kleiner als auf Lövdala. Wie dort fanden sich auch hier halbrunde Eckschränke, die Wände waren auch grau angestrichen und mit schwarzen und weißen Ölfarbenpunkten übersät. Das Treppenhaus hatte grobe Balkenwände gerade wie daheim, und die Bodentreppe führte gefährlich steil aufwärts mit kleinen schmalen Stufen. Hier konnte man sicher ebensogut wie auf Lövdala das Geländer hinabrutschen, ohne mit den Füßen nachhelfen zu müssen.
Dem Eingang gegenüber, in der Mitte des Flurs, war eine Tür, die in ein großes Zimmer führte, das stets für die Reisenden bereitstand. Dort traf man niemals jemand von der Familie; aber die Pfarrerstochter drehte
doch den Schlüssel um und warf einen Blick hinein. Ja, es war ganz so, wie sie erwartet hatte. Stühle aus gelbem Birkenholz und ein weißer Klapptisch, genau wie in dem Saal auf Lövdala, nicht einmal die große Kalla fehlte an dem einen Fenster.
Eines jedoch war verschieden. Wohl waren auch hier blaue Bodenläufer, aber die hatten nicht dasselbe Muster wie daheim. Als Maja Lisa jedoch darüber nachdachte, fiel ihr ein, daß das nicht der Fehler der Tante war; sie hatte nach den alten Bodenläufern gewoben, die in ihrer Jugend auf Lövdala gewesen waren; dort aber hatte man das karierte Muster verändert.
Die Pfarrerstochter schloß die Türe wieder zu und blieb dann noch einen Augenblick im Flur stehen. Die Tränen waren ihr in die Augen getreten; aber sie dachte, die Tante werde sicher keine Freude an irgendeiner Art von Empfindsamkeit haben, und so wollte sie mit einem ruhigen, fröhlichen Gesicht bei ihr eintreten.
Ach, auch hier verfolgte sie ihr gewöhnliches Glück! Als sie die Wohnstubentüre öffnete, sah sie, daß die Tante mitten in einer großen Wäsche war. Auf dem Feuer brodelte ein mächtiger Waschkessel, und der ganz mit Wäsche gefüllte Waschzuber, aus dem die Brühe langsam auf den Boden heraussickerte, stand mitten in der Stube. Ach, nun war die Tante gewiß noch übellauniger als sonst, wenn Gäste kamen! Es war viel Wasser auf dem Boden verschüttet, und auf einer langen Bank lagen frisch gewaschene, grobe Wäschestücke. Ja, Maja Lisa mußte zugeben, niemand würde erfreut sein, wenn er in
einem Zimmer, das in solcher Unordnung war, Gäste empfangen müßte.
In diesem Zimmer erinnerte nichts an Lövdala, es war eine ganz gewöhnliche Bauernstube. Maja Lisa hatte aber doch immer gedacht, es sei ein schönes, ehrwürdiges Gemach, mit seinen großen deckenhohen Schränken, dem gewaltigen Himmelbett und den langen, an den Wänden festgemachten Bänken. Aber jetzt hatte die Wäsche alles Behagliche verscheucht.