Die Tante stand mit dem Rücken gegen die Türe und rieb und knetete aus Leibeskräften. Maja Lisa war oft erzählt worden, ihre Mutter und deren Schwestern seien ebenso groß und schlank gewesen wie sie selbst, aber die Tante war jetzt breit und untersetzt und sah durchaus nicht zart aus. Sie trug einen schwarzen Friesrock und ein rotes Leibchen mit dem dazugehörigen weißen Hemd. Die kurze weiße Schafpelzjacke, die auch zu der Tracht gehörte, hatte sie während der Arbeit ausgezogen.

Die Tante wendete sich nicht der Türe zu, als Maja Lisa diese öffnete, und sie sagte auch kein Wort. Ach, soviel war sicher, Maja Lisa wünschte sich hundert Meilen weg!

Aber es half alles nichts, sie mußte zu der Tante hingehen und ihr die Hand geben, um sie zu begrüßen.

Die Tante hatte beide Hände im Wasser drinnen. Sie zog die eine heraus, und ohne sich erst die Mühe zu nehmen, sie abzutrocknen, legte sie den Rücken ihrer Hand in die der Nichte.

»Also diesmal hat man dich schließlich geschickt«, sagte

sie. »Die neue Pfarrfrau ist wohl zu vornehm, um uns Bauersleuten einen Besuch zu machen?«

Sie sagte wirklich nichts weiter als das und sprach auch nicht unfreundlicher als sonst, aber Maja Lisa konnte diesmal wohl nicht so geduldig sein, sondern brach in Tränen aus. Vielleicht nahm sie es sich auch nur deshalb sosehr zu Herzen, weil sie doch auf einem Bittgang war, und nun war es ihr, als könnte sie ihre Bitte niemals vorbringen.

Aber als sie die Tränen nicht mehr zurückhalten konnte, war sie erst recht unglücklich. Ach, ach, daß sie sich selbst auf diese Weise vor dieser Tante, die doch kein Herz für sie hatte, preisgab! Ach, und nicht ein paar Tränen drängten sich aus ihren Augen, die leicht weggewischt werden konnten! O nein, in richtigen kleinen Bächlein liefen sie ihr die Wangen herunter, und der Hals war ihr wie zugeschnürt, sie konnte kein Wort herausbringen.

Ach, sie hatte bitterlich Mitleid mit sich selbst!

Jetzt weinte sie darüber, daß sie überhaupt weinte; und das weiß man ja, wenn es erst so weit ist, dann kann man nicht mehr aufhören.