„Sie hat schöne Gedanken über Gottes Liebe gedacht. Diese Gedanken heben uns aus unsern Gräbern empor.“

So wisperten und flüsterten sie, bevor sie sich in die Bänke setzten und ihre bleichen Stirnen zum Gebet in verwelkte Hände neigten.

Aber in Årsta kam jemand in Mamsell Friederikens Zimmer und legte freundlich die Hand auf den Arm der Schlafenden.

„Auf, meine Friederike, es ist Zeit, zur Frühmette zu fahren.“

Die alte Mamsell Friederike schlug die Augen auf und sah Agathe, ihre geliebte tote Schwester, mit einer Kerze in der Hand am Bette stehen. Sie erkannte sie wohl, denn sie war ganz unverändert, so wie sie hier auf Erden gewesen war. Mamsell Friederike erschrak nicht, sie freute sich nur, die Geliebte zu sehen, an deren Seite sie gerne den langen Schlummer schlafen wollte.

Sie stand auf und kleidete sich in aller Eile an. Es war keine Zeit zu Gesprächen; der Wagen stand vor dem Tor. Die andern mußten schon fort sein; denn niemand außer Mamsell Friederike und ihrer toten Schwester regte sich im Hause.

„Weißt du noch, Friederike,“ sagte die Schwester, als sie im Wagen saßen und rasch zur Kirche fuhren, „weißt du noch, wie du früher immer dasaßest und wartetest, daß irgendein Ritter dich auf dem Weg zur Kirche entführen sollte?“

„Darauf warte ich noch immer,“ sagte die alte Mamsell Friederike und lachte. „Ich fahre diesen Weg nie, ohne nach meinem Ritter auszulugen.“

Wie sehr sie sich auch beeilt hatten, so kamen sie doch zu spät. Der Priester stieg von der Kanzel herab, als sie in die Kirche eintraten, und der Schlußpsalm begann. Nie hatte Mamsell Friederike einen so herrlichen Gesang gehört. Es war, als ob Himmel und Erde eingestimmt hätten, als hätte jede Bank und jeder Stein und jede Planke mitgesungen.