„Nein,“ erwiderte seine Mutter, „das tust du eben nicht. Du gibst dir nur alle Mühe, deinem Vater zu gleichen. Der aber hat harte Zeiten hier durchgemacht, und deshalb graute ihm vor der Armut. Er meinte, er sei verpflichtet, in erster Linie nur immer an sich selbst zu denken. Du aber hast solche schwere Zeiten, die dich hätten hart machen können, nie gekannt. Du hast mehr, als du brauchst, und da wäre es unnatürlich, wenn du nicht auch an andre denken würdest.“

Hinter den beiden Kindern war der Junge ins Haus und in die Stube hineingeschlüpft und hatte sich da in einem dunkeln Winkel versteckt. Schon im ersten Augenblick hatte er den Scheunentürschlüssel, der aus der Rocktasche des Bauern herausguckte, entdeckt.

„Wenn der Bauer die Kinder fortschickt, nehme ich den Schlüssel und laufe mit ihm davon,“ dachte er.

Aber dann wurden die Kinder nicht fortgeschickt; der Junge mußte in seinem Winkel sitzen bleiben und wußte nicht, was er tun sollte. Die Mutter sprach lange mit ihrem Sohn, und während sie mit ihm sprach, hörte dieser auf zu weinen; schließlich nahm sein Gesicht einen geradezu schönen Ausdruck an, es war, als sei er ein ganz andrer Mensch geworden, und noch immer streichelte er die alte runzlige Hand seiner Mutter.

„Jetzt müssen wir aber doch zu Bett gehen,“ sagte die Mutter, als sie sah, daß er seine Fassung wieder erlangt hatte.

„Nein,“ sagte er und stand rasch auf, „ich kann noch nicht zu Bett gehen. Draußen ist noch ein Gast, dem ich ein Obdach für die Nacht geben muß.“

Mehr sagte er nicht, er warf nur rasch seinen Rock über, zündete eine Laterne an und ging hinaus. Draußen war es noch ebenso kalt und regnerisch, aber als er auf die Haustreppe trat, summte er eine Melodie vor sich hin. Er fragte sich, ob ihn das Pferd wohl erkennen, und ob es sich freuen werde, wenn es wieder in seinen alten Stall hineinkäme.

Als er über den Hofplatz ging, hörte er eine Tür im Winde auf- und zuschlagen. „Der Wind hat die Scheunentür wieder aufgerissen,“ dachte er und ging hin, sie abermals zu schließen.

Im nächsten Augenblick stand er vor der Scheune, und er wollte eben die Tür zumachen, da war es ihm, als ob sich drinnen etwas bewegte.

Das kam aber daher, daß der Junge die Gelegenheit benützt und mit dem Bauern zu gleicher Zeit das Haus verlassen hatte. Rasch war er an die Scheune gelaufen, vor der er die Tiere verlassen hatte. Aber diese standen nicht mehr im Regen draußen. Ein heftiger Windstoß hatte schon lange die Scheunentür abermals aufgerissen und so den armen Tieren ein Dach über dem Kopf verschafft. Und das Geräusch, das der Bauer gehört hatte, hatte von dem Jungen hergerührt, als er in die Scheune hineinlief.