„Hör ich recht?“ rief Flügelschön. „Du bekommst den schönen Gänserich? Das ist doch ....“ Aber in diesem Augenblick stieß Goldauge sie heftig an, und so sprach sie nicht weiter.
Die beiden bösen Schwestern steckten während des Vormittags wiederholt eifrig die Köpfe zusammen. Sie waren ganz außer sich vor Zorn, weil Daunenfein einen Freier wie den weißen Gänserich hatte. Sie selbst hatten zwar auch Freier; aber die ihrigen waren ganz gewöhnliche Graugänse, und seit sie den Gänserich Martin gesehen hatten, kamen ihnen ihre Freier häßlich und ärmlich vor, sie mochten sie gar nicht mehr ansehen.
„Man könnte sich wirklich zu Tode darüber grämen,“ sagte Goldauge. „Hättest wenigstens du ihn bekommen, Schwester Flügelschön!“ rief sie.
„Ich wollte, der Kerl wäre tot, dann müßte ich mir jetzt nicht den ganzen Sommer hindurch unaufhörlich vorsagen: Deine Schwester Daunenfein hat sich mit einem weißen Gänserich verlobt,“ sagte Flügelschön.
Trotzdem waren die Schwestern fortgesetzt sehr freundlich gegen Daunenfein; und nachmittags nahm Goldauge Daunenfein mit sich, damit sie Goldauges Freier sehen sollte. „Er ist zwar nicht so schön wie dein Bräutigam,“ sagte Goldauge. „Dafür kann man aber auch ganz sicher sein, daß er das wirklich ist, wofür er sich ausgibt.“
„Was willst du damit sagen, Goldauge?“ fragte Daunenfein.
Goldauge wollte zuerst nicht mit der Sprache heraus, aber schließlich kam es doch an den Tag: Goldauge und Flügelschön hatten sich darüber besonnen, ob die Sache mit dem Weißen auch auf ganz natürliche Weise zugegangen sei. „Noch niemals ist ein weißer Gänserich mit Wildgänsen umhergezogen,“ sagten die Schwestern, „und wir möchten wohl wissen, ob er nicht am Ende verzaubert ist.“
„Seid ihr verrückt?“ sagte Daunenfein gekränkt. „Er ist ja ein zahmer Gänserich.“
„Er hat aber einen bei sich, der verzaubert ist,“ sagte Goldauge, „und da könnte er gut selbst auch verzaubert sein. An deiner Stelle hätte ich Angst, er sei möglicherweise ein schwarzer Kormoran.“