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Der Höchste sey gelobt! sang Davids froher Mund:
Mein tapfrer Jonathan schliest mit mir einen Bund,
Der über alles Glück und Frauen=Liebe gehet,
Der, wenn mich alles flieht, zu meiner Seite stehet.
Dem Himmel sey gedankt! stimmt Pythias mit ein,
Wie könt ich glücklicher, als durch den Damon seyn?
Der mir sein redlich Herz, ja sich mir selbst ergiebet,
Und mich so treu, so schön, so zart und feste liebet.
Es stürme Luft und Meer, es rase Glut und Wind;
Wenn wir nur jederzeit verknüpft beysammen sind,
So können wir die Noth, Gefahr und Todes=Rachen,
Feind, Schwerd, und was uns droht, mit frischen Muth verlachen.
Mein Freund! mein Bruder=Herz! mein Leben! meine Brust!
Du meiner Augen=Trost! du meines Herzens Lust!
So redet Pythias, so läßt sich David hören.

Doch noch ein ander Paar will sich daran nicht kehren;
O! ho! wir leben auch spricht Joab. Ists nicht wahr?
Sind Ich und Judas nicht ein braves Brüder=Paar?
Wir leben euch zu trutz, und mehren unsre Staaten,
Wir herrschen überall, es blühen unsre Thaten.
Wo ein vertrautes Paar, wo zwey Bekannte seyn,
Da schleichen wir uns bald in die Gesellschaft ein,
Und wissen sie nach Wunsch auf ewig zu zertrennen,
Daß sie sich fernerhin dem Namen nach kaum kennen.

Was vor ein Trauer=Thon betäubt jezt Sinn und Ohr?
Man zieht, ich bin erstaunt, ein Leichen=Bret hervor:
Die Falschheit hat o Schmerz! die Redlichkeit erschlagen;
Man ist jezt im Begrif sie in die Gruft zu tragen.
Das vorgenannte Paar senkt diese Leiche ein,
Und schreibt mit frecher Faust dieß auf den Leichenstein:
Die alte Redlichkeit ist nun vom Thron vertrieben;
Der Falschheit ist allein der Scepter übrig blieben.
Schlaf liebe Redlichkeit biß einer neuen Welt,
Biß einer andern Zeit dein Bild aufs neu gefällt.

Da Deutschlands Pflug und Schaar noch vor die Enkel sorgte,
Die Complimenten nicht von fremden Völkern borgte,
Da man noch guten Tag, und guten Morgen sprach,
Da gieng die Redlichkeit auch allen Schritten nach.
Die Worte setzte man auf keine spitzge Schrauben,
Man dachte wie man sprach, dieß dürfte jeder glauben.
Kein schnöder Heuchel=Geist schlich sich im Umgang ein:
Und Ausschlag, Herz und Mund bestand in Ja und Nein,
Daß, wer sich einmahl Freund und lieber Bruder hiese,
Auch seine Redlichkeit biß in den Tod bewiese.
Die Falschheit war so fremd als hätte man gesagt:
Das Volk von Liliput hat sich nach Wien gewagt.

Jezt, da man fast den Fuß von vielen Ränken lähmet,
Und sich, wer weiß warum? des alten Grusses schämet,
Ist auch die Redlichkeit und Treu und Freundschaft aus.
Durchgeht ein niedriges, durchforscht in groses Haus,
Ich weiß, ein jeder spricht: Der Mensch von jungen Jahren
Hat manche Falschheit schon, der Greiß noch mehr erfahren.
Wird einem Redlichen, der nie die Treu verletzt,
Ein andrer Freund im Amt an seine Seit gesetzt,
So sät die Falschheit doch gar zeitig ihren Saamen.
Der Fremde sagt! Mein Freund! bey mir ist Ja und Amen,
Ich meine es herzlich gut, ohn allen Heuchelschein;
Ich will ein Pythias, ein andrer David seyn.
Er schmeichelt, küßt und klopft, streicht Achseln, Händ und
Wangen,
Und spricht: Dein Umgang ist mein einziges Verlangen.

Die Worte klingen schön, und sind wie Honigseim;
Doch diese dienen ihm zum Pech und Vogelleim,
Damit er seinen Freund und dessen Seele fänget,
Hernach ihn ängstiget und auf das höchste dränget.
Durch sein so zärtlich Thun, durch seinen süssen Mund
Erforscht er seinen Freund und dessen Herzens=Grund,
Sein Wesen und Geschäft, und was er weiß und denket;
Wohin er seinen Geist und seinen Willen lenket;

Dann schmeist er seinen Balk und seine Larve hin,
Und zeigt sein treuloß Herz und seinen falschen Sinn,
Verräth, verfolgt den Freund, und offenbahret alles
Was zum Verderben dient, und freut sich seines Falles.
In seiner Gegenwart schwatzt man ganz Ehrfurchts=voll
Und ruckwärts weiß man nicht, wie man gnug höhnen soll.
Des Jacobs glatter Mund und Esaus rauhe Hände
Die locken Anfangs schön und täuschen uns am Ende.
Die Falschheit nennet sich ein Diener, Sclav und Knecht,
Doch herrscht sie als Tyrann der Glück und Ehre schwächt.

Es ist kein Freundschafts=Band beständig und vollkommen,
Es gleicht dem vollen Licht, das stündlich abgenommen.
Wer merkt und lernet doch der falschen Welt Betrug?
Wer wird doch nur einmahl durch andrer Schaden klug?
Gewiß zu unsrer Zeit ist Schlangen=List sehr nütze,
Daß man sich vor dem Fall und vor dem Unglück schütze;
Man traue keinem nicht; man setz dem Mund ein Ziel,
Man offenbare nichts, und rede nicht zu viel.
Doch muß uns auch darbey der Tauben Tugend zieren,
Daß wir die Redlichkeit in unsern Herzen führen,
Und fern von Falschheit seyn, so machts recht deutsches Blut,
Man meyn es redlich treu und auch von Herzen gut.
Ein redlich; aber nicht ein zu verträulich Wesen,
Soll man sich jederzeit zum Augenmerk

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