Die falsche Spahrsamkeit empfand den Heyraths=Trieb;
Gewann daher den Geitz zu ihrem Bräutgam lieb.
Dieß Paar vermählte sich mit höchst vergnügten Minen;
Der Schau=Platz dieser Welt must ihr zum Schlosse dienen.
Und giengs gleich hier so zu, wie in der andern Welt
Wo man nicht ißt und trinkt und offne Tafel hält,
So war doch vieles Volk, das solchen Ruf vernommen,
Von groß und kleinen Stand zu dieser Hochzeit kommen,
Um aus des Braut=Paars Mund die nützlich klugen Lehren,
Zum kräftgen Unterricht mit Sorgfalt anzuhören.

Man rief nach Hochzeit=Brauch: lebt, wachst und mehret euch,
Und euer Same blüh in jedem Königreich!
Die Wünsche trafen ein. Geitz, Wucher und Betrügen,
Und Unbarmherzigkeit sah man als Kinder wiegen.
Sie bläuten ihnen ein: Folgt uns, und dem Gebot,
Seyd fromm und dient mit Ernst der Christen ihrem GOtt.

Gold ist der Christen Gott! Ich meynt, der wär dort oben;
Ich dacht, wir müsten den als unsern Schöpfer loben,
Der uns Brod, Wein und Vieh und Kleid und Nahrung giebt,
Der uns erhält und schützt, und uns so gnädig liebt.
Wie? soll der HErr der Welt, dem keine Engel gleichen,
Dem todten Klumpen Erz und Arons Kalbe weichen?

Es bleibet doch gewiß: Gold ist der Christen Gott!
Man weiß wie sich sein Volk mit Macht zusammen rott,
Und ihm in Süd und Nord und Osten Tempel bauet,
Ihn liebt, verehrt und fürcht und gänzlich ihm vertrauet.
O! würde Jacobs GOtt vor einen GOtt geacht,
Sein Sabbath würde wohl zum Feyertag gemacht;
Man würde nicht ums Geld sein Wochen=Amt verwalten,
Die Hände zum Verkauf und Kaufen offen halten.
Man baute nicht so stark auf Wolken, Meer und Wind,
Und schifte nicht dahin wo wilde Menschen sind.
Um mit Gefahr und Müh die Waaren zu erstehen,
Wodurch die Tugenden hernach in uns vergehen;
Wär GOtt, und nicht das Gold der Christen liebster Gott;
Man würde nicht ums Geld der armen Witwen Noth,
Der Waysen Klag=Geschrey durch Trug und List vermehren,
Man würde sie so wohl als ihre Feinde hören;
Man fiel nicht ums Geschenk dem bösen Gegner bey;
Man drückte keinen nicht, er sey auch wer er sey;
Wär nicht das Gold ihr Gott, man würde sich bestreben,
Dem Wort im Testament gehorsam nachzuleben,
Das stets dem schnöden Geitz und Geldsucht widerspricht,
Da heist es: täusche ja kein Mensch den andern nicht:
Im Handel und Gewerb soll kein Betrug geschehen,
Recht Maß, Gewicht und Ehl soll unter euch bestehen.
Wär nicht das Geld ihr Gott, man würde lieber fliehn,
Als seines Nächsten Schweiß und Armuth an sich ziehn.
Man würde nicht sein Blut gleich wie die Igel saugen;
Die Thränen dürften ihm nicht statt der Lauge taugen.
Er trüg was er verdient, sein heises Tagelohn,
Sein Stückgen Kummerbrod wohl unbezwackt davon.
Er dürfte nicht so oft und kläglich darum bitten,
Und solchen Zähren=Guß aus seinen Augen schütten.
Man machte nicht den Lohn von Tag zu Tage klein,
Und zög und zwackte ab, wo es nur könte seyn.
Ja würde nicht das Geld als wie ein Gott betrachtet,
Der Arme würde nicht in seiner Quaal verachtet,
Man schaute seine Noth mit wahrem Mitleid an,
Man hülf und diente ihm so gut es werden kan.
Ein klein und wenig Geld könnt ihn von Trübsaals=Ketten,
Von seiner Hungersnoth und Dürftigkeit erretten.
Es läg kein Lazarus vor eines Reichen Thür,
Die Blöse thät sich nicht an seiner Haut herfür,
Man spräch nicht: wilst du Geld, so must du meinen Händen
Haus, Hof, Geräth und Kleid, und was du hast, verpfänden.
Man stellte sich wohl nicht den schlauen Juden gleich,
Und machte sich wohl nicht durch grossen Wucher reich.
Man würde nicht durch Zins und teuflische Intressen
Dem Armen, der nichts hat, das Fleisch vom Leibe fressen.

So aber da das Herz den Diamante gleicht,
Das kein Gebeth noch Flehn, noch Klaggeschrey erweicht;
Da man so ärgerlich nach einem Goldstück ringet,
Biß man den todten Schatz in sein Behältniß bringet,
Ob man gleich Seel und Leib darbey zum Pfande setzt;
Da man sich nicht an GOtt, nur bloß am Gold ergötzt;
Da man mit diebscher Hand und mörderlichen Klauen
Des andern Güther raubt, um sich ein Haus zu bauen:
So sieht man offenbar, und findet in der That,
Daß man das todte Gold zum Gott gemachet hat.

Was red ich? hat das Geld die ganze Welt bezwungen?
Giebts denn nicht Christen noch, die mit beredten Zungen,
Von Eifer angeflammt, den Leuten insgemein,
Gerechten Vortrag thun, dem Geitze feind zu seyn?
Daß man sich nie in Trug und Wucher soll verlieben;
Daß man Barmherzigkeit am armen Nächsten üben,
Und ihnen dienen soll, so gut man immer kan.
Es hat wohl Cicero der klug=beredte Mann
Der Sache Vortrag nie mit Worten so geschmücket,
Als es der Redekunst in solchen Dingen glücket.
Die Worte klingen gut. Jedoch man klagt mit mir:
Die schöne Theorie stellt schlechte Praxin für.
Denn wer schön sprechen kan, hat oft in seinen Jahren
Das mindste selbst von dem, was er geredt, erfahren.
Man zeigt nur mehrentheils, daß man ein Moralist,
(Was fehlet diesem Ruhm?) und guter Redner ist.
Denkt nicht das Volk darbey, wenns solche Redner höret:
Was dort der klügste Mund bey dem Matthäo lehret.
O! dieses wird anjezt so gut als dort erfüllt,
Hierinnen zeiget sich der meisten Ebenbild.

Die Predigt ist vorbey, der Vortrag ist geschehen,
Man gehet stolz nach Haus und sieht zwey Arme stehen,
Die um ein wenig Brod und kleine Gabe flehn,
Wie fährt man sie nicht an? wie pflegt man sie zu schmähn?
Dort wurde Lazarus so schlecht kaum abgewiesen,
Als wir zu unsrer Zeit das arme Volk von diesen
Die Christi Diener sind; was man den Armen reicht,
Das ist oft schlecht genug, und doch geschichts nicht leicht.
Ein Tropfen=Eßig=Trank aus ihren vollen Keller:
Von ihrem Uberfluß ein abgenützter Heller;
Von ihrer Tafel last, das was der Hund nicht will,
Gehört vor Dürftige. Doch heists, man gebe viel,
Und sey doch selber arm, es wolte nirgends reichen.
Es reichte schon, wenn man dem Meister wolte gleichen,
Der von der Mäsigkeit und nichts von Bauchdienst hielt.

Man spricht: im Alterthum ward doch dahin gezielt,
Daß Levi und sein Volk den Opfer=Tisch genosse;
Worbey das Fett vom Oel in seine Hände flosse,
Und manch Geschenke fiel, manch Hebe=Opfer roch.
O! wär doch diese Zeit mit den Gebräuchen noch!
Da man zwar, immer nahm, und war doch frey von allem.
Jezt geht es anders zu; es muß uns wohlgefallen,
Seht! man befielt uns gar, wir sollen Gastfrey seyn.

Schweigt! wer thut einen Dienst? er sey auch noch so klein.
Ist einer noch so arm, wo wird ihm was geschenket?
Ja wenn der Dürftige an sein Gewissen denket,
Und hat den Groschen nicht, so bläht der Geitz sich schon,
Es heist: die Woche nur von eurem Tagelohn
Zwey Heller hingelegt, so kan nach neunzig Tagen
Die Hand den Groschen schon in meinen Beichtstuhl tragen.
Jedoch es mag jezt seyn, ich bin nicht so genau;
Geht, dient mir sonst einmahl, und scheuret meiner Frau;
Bringt mir, so bald ihr könt drey Körbe Mist in Garten,
Bringt Eyer, Rettige; doch von den grösten Arten.

O! würde nun das Geld nicht also hoch geacht,
Und nicht, wie vor gesagt; zu einem Gott gemacht,
Man würde dieß zu thun sich ohne Zweifel schämen,
Und wahrlich mit der Hand mehr geben, als sonst nehmen.