O! würde nicht das Gold als wie ein Gott verehrt,
Der Glaube würde wohl so leicht nicht umgekehrt,
Man würde nicht so viel von ungeheuren Schwören,
Noch von Vermessenheit, und falschen Eyden hören.
Wär nicht das Gold ein Gott, wer nähm ein solches Weib
Das keinen guten Zahn; das einen Knochen=Leib,
Und einen Mund=Geruch wie faules Wildpret hätte,
Zu seiner Augen=Lust, statt Fleiches=Lust ins Bette?
Wer geb den Trauungs=Ring wohl einer solchen Hand
Die schon (obwohl geheim) in mütterlichen Stand
Versetzet worden ist? Wer liebte vor die Ester,
Vor Sara und vor Ruth, der Jesabellen Schwester,
Die fast Xantippen noch an Boßheit übersteigt?
Wer wär der geilen Frau des Pothiphars geneigt?
Wer würde ein Gemahl des er sich müste schämen,
Blind, heßlich, bucklicht, lahm und sonst gebrechlich nehmen?
Würd eine Jungfer wohl geliebet und geküßt,
Die fragt; Ob ein Student auch wohl ein Mensche ist?
Ob Störche auf dem Dach mit ihren Schnäbeln lachen?
Ja was denn Weiber wohl mit ihren Männern machen?
Ja würde nicht das Gold zu einem Gott gemacht,
Es würde wohl kein Kranz dem alten Greiß gebracht,
Der von Gebrechlichkeit gebückt am Stabe wanket,
Der wie ein alter Bär im Hause brummt und zanket.
Hat man des Mammons Freund und dieses Götzen Knecht
Den Nächsten durch Betrug und Wucher gnug geschwächt;
Durch Falschheit und Proceß den Redlichen betrogen;
Des Tagelöhners Blut, der Witwen Schweiß gesogen,
Und sich davon ein Haus und Wucher=Sitz erbaut,
So, daß er Aecker, Feld und Vieh und Wiesen schaut,
Und seinen Götzen sieht im eisern Tempel liegen,
Vor dem sich seine Knie fast täglich eifrigst biegen;
So zeigt er, daß er ihn recht würdiglich verehrt;
Es wird des Jahrs einmahl Haus, Saal und Schloth gekehrt.
Er glaubt, der dicke Staub verwehre Frost und Kälte;
Es käm am Holze bey, zumahl wenns sehr viel gelte.
Die Zimmer werden nur im Jubel=Jahr geweißt,
Dieweil die weise Farb die Augen blendt und beist,
Man könte ja das Geld nicht ohne Sorgen zehlen,
Es möchte leicht ein Scherf an hundert Thalern fehlen,
Man würde nicht das Korn im Zinß=Gemäße sehn,
Wie leichte wärs darbey um einen Strich geschehn.
Er zehlt, wie viele Halm des Tags das Vieh verkäuet;
Wie viel man etwa Stroh auf eine Woche streuet,
Wie viele Körner wohl ein Huhn des Tages frißt,
Wornach er denn genau die Sachen wiegt und mißt.
Sind nun die Halme lang, die Körner groß und dicke
So rechnet er darnach, und zieht davon zurücke.
Er fühlet mit der Hand wie schwer das Eyter wiegt,
Damit ihn nicht die Magd um einen Strich betrügt.
Er fühlt die Hühner an, wie viel sie Eyer legen,
Damit die Seinigen ihm keins entwenden mögen.
Nicht selten jaget er die Hühner auf das Feld,
Allwo der ganze Schwarm frey offne Tafel hält.
Er spricht: Wer wolte nicht dem Vieh die Freude gönnen,
Ich selber werd hierdurch viel Frucht ersparen können.
Nicht selten, daß sein Fuß in kräftge Winkel kriecht,
Und forscht, ob auch der Koth nach seinem Weine riecht,
Er denkt, steht gleich bey mir der Keller niemahls offen,
Vielleicht schliest jemand nach, und hat daraus gesoffen.
Er sorgt, ob nicht sein Obst auch Näscher nach sich zieht,
Drum guckt er, ob er was von Kern und Schaalen sieht.
Sein Garten wird verpacht, damit kein Kind nichts schmecket,
Er spricht: Die rothe Ruhr wird durch das Obst erwecket.
Sind denn die Felder weiß, legt man die Sicheln an,
So schmerzt ihm, daß er dieß nicht selbst verrichten kan.
Wünscht Nero seinem Volk nur einen Halß im Leben,
So wünscht er aller Händ, um keinen Lohn zu geben,
Und wenn der Sonnen Glut die Schnitter lächzend macht,
So wird ein kalter Trank von Wasser dargebracht.
Es heist: Das starke Bier dient nicht in grosser Wärme,
Es bringt das Fieber mit, und schneidet die Gedärme.
Glaubt, Argus hat die Kuh so strenge nicht bewacht,
Als wie er Augen jezt auf seine Aehren macht,
Damit kein Armes sich an seinem Weitzen labe.
Bricht denn des Herbstes Reif des Weinstocks Blätter abe,
Daß man die süsse Frucht vom Reben schneiden kan,
So hebt sein froher Mund ganz laut zu singen an
Und weckt die Leser auf, damit sie unterdessen,
Kein Träubgen von dem Stock zum Labsal können essen.
Wenn sich der Abend nun mit seinem Schatten regt,
So nimt er einen Stab mit dem er forscht und schlägt,
Ob eine Reben=Frucht im Sacke anzutreffen,
Damit von seinem Grimm und Fluchen, Zank und Kleffen
Den Lesern bange wird, die vor dem Schelten fliehn,
So weiß er ihren Lohn mit List an sich zu ziehn.
So süß der Rebensaft, so angenehm er schmecket,
So weiß sein Kind doch nicht die Kraft die in ihm stecket.
So sparsam hält er hauß; kein Tröpfgen ist so klein
Er kostets dennoch nicht; er widmet es dem Wein.
In seinem Hause wird die Sparsamkeit betrachtet;
Da wird kein fettes Huhn, noch Ganß, noch Schwein geschlachtet.
Er meint, das viele Fett wär in der That ein Gift,
Weil es nur vielen Schleim und kurzen Athem stift.
Auch wär das magre Fleisch den Zähnen nur ein Schrecken,
Es blieb zu ihrer Last in denen Lücken stecken,
Und bohrte mans heraus, so mehrt es nur den Schmerz;
Es drückte überdieß den Magen und das Herz.
Der braune Gersten=Trank, des Weines edle Säfte
Benähmen den Verstand und schwächten Geist und Kräfte.
Bey einem Wasser=Trank und Kofend wär man schön,
Die Geister blieben auch in ihrem Cirkel stehn.
Ein einzig Kofend Glaß wird auf den Tisch getragen,
(Im Kruge möchte man ein stärker Schlückgen wagen.)
Damit er sieht, wie viel ein jeder zu sich nimmt,
Dieweil er nur dieß Glaß vor alle hat bestimmt.
Auf zweymahl wird ein Ey zur Suppe eingerieben.
Ein halb geschmelzter Kohl und ungeschehlte Rüben,
(So machts die Sparsamkeit) und ein, ich weiß nicht was,
Aus einem Käse=Korb und alten Butter=Faß
Genomnes Mittags=Mahl muß Frau und Kinder stärken,
Worbey denn allemahl viel Andacht zu bemerken.
Er singt und betet laut, und lehret stets darbey,
Daß nur die Mäsigkeit die schönste Tugend sey.
Daß man dadurch vor GOtt gerecht und löblich walle,
Und auch den Aerzten nicht in ihre Hände falle.
Aus einem Stückgen Vieh, das man aus Noth geschlacht,
Wird nur ein Freuden=Mahl, das schlecht genug, gemacht.
Die Abend=Mahlzeit ist zur Fastenzeit erkohren.
Ein Gastmahl hält er ein. Was Mäuse sonst verlohren,
Und in das Korn gelegt; was ihnen nicht beliebt,
Das ist, was er statt Mehl und Brod zu essen giebt.
Mit Butter, die er oft sehr falsch gewogen schicket,
Die an ihm auf dem Markt sehr oft zum Schimpf zerdrücket,
Worbey er Zetter schreyt, und seine Haare rauft,
Und fluchet, daß die Magd sie nicht nach Wunsch verkauft,
Mit dieser schmelzt er noch, o grosser Schmerz! das Essen.
Doch wird er nie darbey der Sparsamkeit vergessen.
Er kostet keinen Wein, als der am Fasse läuft,
Der aus dem Spunde schwitzt, und aus dem Zapfen träuft.
Vier Mandeln Erbsen zehlt die Hand auf einen Magen:
Denn mehr kan doch der Mensch ohn Drücken nicht vertragen.
Zur Suppe schneidet er die Weichlen selber ein,
Nur fünfzehn sind genug. Man muß fein mäsig seyn.
Damit ihn auch kein Freund von Fremden mög beschweren,
So heists: Es läßt sich was in meinem Hause hören
Das Furcht und Schrecken macht. Sein bestes Leib=Gewand
Ist grob, denn dieses thut der Wollust Widerstand.
Sein Oberhemd wird links, und rücklings weiß gewaschen,
So sparet er das Geld zu Seife, Holz und Aschen.
Und wird ein stückgen Geld zur Zahlung abgetheilt;
So wird von jeglichem vorher was abgefeilt.
Ruft ihn der Christen Brauch zu einem heilgen Mahl,
So macht des Priesters Sold ihm tausend Angst und Qual.
Dahero wendt er vor: Er könte kaum was geben,
Es wär ihm ärgerlich. Nach langem Widerstreben,
Greift er sich endlich an, und sendet ihm ein Kalb
Das vor dem Messerstich dem Tod schon würklich halb
In seinen Klauen war. Kommts endlich an das Scheiden,
Soll er nun seinen Gott im Kasten ewig meiden,
So hört er kein Gebet und frommes Singen an.
Er schreyt Verzweiflungs voll: Ach! weh! mir armen Mann!
Wie wird es künftig hin um meinen Haushalt stehen?
Wer sorgt vor meinen Gott? O könt er mit mir gehen!
Ja, wenn das Auge schon benebst der Zunge bricht;
So fährt er starrend auf, und rufet: Hört ihr nicht:
Wo ist das Silber=Pfand? Wer rasselt dort am Kasten?
Was ist das vor ein Schelm? Wer sucht ihn anzutasten?
Auf einmahl giebt er sich den grösten Herzens=Stoß,
Er reißt ein Spanisch Stück von seinen Götzen loß
Und wirfts dem Priester hin, daß er ihn hoch erhebe,
Und in dem Leich=Sermon ein herrlich Zeugniß gebe.
Drauf stirbt er: Und dann heists: Das war ein frommer Mann,
Der uns zum Musterbild der Tugend dienen kan!
Ein treuer Gottesdienst wird reichlich gnug belohnet,
Von dem der Vater heist und dort im Himmel wohnet.
Sein Diener wird von ihm mit einem Sinn begabt,
Der sich an wenigem sehr wohl vergnügt und labt.
Es gilt ihm alles gleich; er ist mit dem zufrieden,
Was ihm der Vorsicht=Hand an Zeitlichen beschieden.
Er schläft des Nachts getrost, und ohne Sorgen ein.
Er macht sich im Verlust nicht grosse Quaal und Pein.
Weil seine Seele weiß, GOtt hab es ihm geliehen.
Was er ihm erst geschenkt, das könn er ihm entziehen.
Er lebt wie ein Monarch, sein Geist ist Banden frey,
Und zeiget, daß er gar kein Sclav des Goldes sey.
Er herrschet über sich und seine Glückes=Gaben,
Er macht sie sich zu nutz, und sucht sich dran zu laben.
Sein Sterben fällt ihm auch nicht ängstlich oder schwer,
Ihm parentirt der Ruf, das ganze Tugend=Heer,
Und spricht: Ein GOttes Knecht ist leider! jezt gestorben,
Der sich ein Ehrenmaal und stetes Lob erworben.
Was hat denn aber wohl vor seinem Götzen=Dienst
Der arme Mammons=Knecht vor Nutzen und Gewinst?
Was kan ihm dann sein Gott das Gold vor Freude geben?
Nichts als ein Kummerreich und Hungervolles Leben.
Er schläft mit Sorgen ein. Die Nacht wird ihm zur Last,
Er fährt mit Schrecken auf, und ruft, und schreyt: wer faßt,
Wer greift die Schlösser an? Es ist ein Dieb vorhanden.
Ach! rettet meinen Gott, und helft mir von den Banden.
Kein Laban kan so sehr um seine Götzen schreyn,
Kein Nabal auf sein Brod so sehr erbittert seyn,
Als dieser sich geberdt. Wird ihm ein Lamm gestohlen,
So will er schon den Strick sich aufzuhengen hohlen.
Des Tages ist er nie mit seinem Schatz vergnügt,
Obschon des Vorraths gnug vor seinen Augen liegt;
Er darf das Regiment nicht über sich verwalten;
Er muß dem tauben Gott als Sclave stille halten;
Er darf auf keinem Bett von weichen Federn ruhn;
Er darf von seinem Vieh sich nichts zu gute thun;
Er darf kein reines Brod, noch Bier, noch Wein genießen;
Er muß bey Hungerkost fast Thränen lassen fließen,
Er ißt, und wird nicht satt, er sammlet, und ist arm,
Sein ganzer Lebenslauf ist Elend, Müh und Harm.
Und endlich ruft ein Mund von der gestirnten Zinne:
Du Götzen=Knecht! du Narr! halt mit dem Geitzen inne!
Es klopfet schon der Tod an deine Kammer=Thür;
Man fordert diese Nacht noch deine Seel von dir.
Du Narr! wem wird dein Gut das du bißher auf Erden
Mit Angst gesamlet hast, nunmehr zu Theile werden?
Ist dieß, ihr Thoren! nun benebst der Höllen Glut
Der Lohn vor euren Dienst? bedenkt doch, was ihr thut!
Glaubt, daß die Erben euch im Todte noch verlachen,
Und sich ein fettes Maul durch euren Hunger machen?
Daß euch, wie ihr verdient, die kluge Welt verspott:
Seht! dieser Mammons=Knecht verehrte einen Gott,
Allein er half ihm nichts, er blieb ihm nicht gewogen,
Am Ende hat er ihn um Leib und Seel betrogen.
* * *
Was schließt sich vor ein Grab und finstrer Bogen auf?
Ich seh ein Geister=Heer! ja! ja! es steigt herauf.
Ich kenne sie bereits, mein Schluß wird schwerlich fehlen,
Es sind, ich irre nicht, der tapfren Parther Seelen.
Hier schreyt ein Mann mich an, dort ruft ein andrer Geist:
Ihr Deutschen! die ihr klug, gelehrt und Christen heist,
Ihr, denen dieß Gesetz GOtt selber vorgeschrieben:
Daß ihr euch jederzeit im Fleiß und Arbeit üben,
Im Schweiß des Angesichts das Brod erwerben solt,
Wie man euch täglich lehrt, wenn ihrs nur hören wolt.
Ihr sprecht: Wir wären wild; ihr sucht uns zu vernichten.
O nein! wir thaten stets als Heyden unsre Pflichten;
Ihr habt Natur und Licht, Gesetze und Befehl,
Und gleichwohl thut ihrs nicht, und seht darzu noch scheel.
Wir merkten von Natur, daß dieß ein Schandfleck wäre,
Wenn man durch Müssiggang der Tugend Glanz verlöhre.
Es gab uns die Vernunft die gute Meinung ein:
Es müsse jederman zum Fleiß geschaffen seyn.
Es müsse einen Gott und Welt=Beherrscher geben,
Der stets geschäftig ist, indem wir sind und leben,
Der alles ordentlich mit Kunst und Fleiß bestellt,
Und alles uns zu Nutz noch immerdar erhält.
An Vögeln sahen wir, wie sie so munter wachten,
Wie sie vor Brut und Nest sich viele Sorgen machten.
Das kleine Immen=Volk hielt uns die Stöcke für,
Und rief uns gleichsam zu: verhaltet euch, wie wir.
Dort lag der Seidenwurm, der immer fleisig webte,
Und dennoch nicht vor sich, nur uns zu Dienste lebte.
Wir sahen unsern Leib nebst seinen Gliedern an,
Wie er mit Geist und Kraft und Stärke angethan,
Und ausgeschmücket war. Wer solte sich nicht schämen?
Wer wolte träge seyn, die Arbeit vorzunehmen?
Wir fühlten Stärk und Kraft in Lenden, Hand und Knie,
Die Biene saß nicht viel, und war doch nur ein Vieh.
Dieß trieb uns feurig an, wir wurden alle schlüssig,
Es gieng kein einziger von unsern Parthern müssig.
Kein Draco von Athen war uns zum Antrieb noth;
Wir hielten von uns selbst, was die Natur gebot.
Kein Sparta noch Athen hielt sein Gesetz so richtig,
Als jeder von uns that, der nur zur Arbeit tüchtig.
Aurorens Purpur=Roth lacht uns kaum schimmrend an,
So waren wir bereits mit Kleidern angethan.
Wer vor des Landes Glück, der Bürger Wohlstand wachte,
War emsig, daß er bald die Sachen richtig machte.
Er gieng sehr früh zu Rath und wieder spät davon,
Und trug von Stadt und Land des Fleisses Lob zum Lohn.
Der Bürger freute sich, wenn Zeit und Glück vergonnte
Daß er die rege Hand zur Arbeit widmen konte.
Die Jugend wuste schon von selbst auch dieß Gebot,
Kein Knabe unter uns bekam sein Morgenbrod
Er hatte den vorher mit Arm und Pfeil geschossen,
So, daß der Schweiß davon das Angesicht begossen.
Ein jedes Jungfer=Bild und angesehnes Weib
Ergrif Geschäft und Müh zum besten Zeitvertreib.
Sie liefen nicht herum und klatschten auf den Gassen.
Kurz, alles war bemüht dem Müsiggang zu hassen.
Wie aber treffen wir denn eure Sitten an?
Es dachte unser Volk ihr giengt uns weit voran,
Dieweil ihr weiß und klug und Christlich sucht zu heisen,
Als Leute von Verstand, die ihren Schöpfer preisen.
So aber finden wir daß alle groß und klein,
Kind, Vater, Frau und Mann der Trägheit Freunde seyn.
Wir thun was löblich ist; wo thut ihr wohl dergleichen.
Drum eckelt uns vor euch; ihr müst uns billig weichen.