Jezt aber lebet man manierlich und galant,
Den Männern nicht zum Schimpf, nein, sondern mit Verstand.
Wer wird die Schlüssel stets an Arm und Händen führen?
Und seine zarte Hand mit allem selbst beschmieren?
Der Küchen=Rauch beißt nur die schönen Augen roth,
Worbey gar bald ein Fall dem Fuß im Laufen droth.
Davor ist Knecht und Magd, daß sie das Haus verwalten,
Wir aber lange Ruh und lange Tafel halten.
Davor sind Kramer da, wo man die Kleidung findt,
Davor giebts Mädgen gnug die uns zu Dienste sind.
Die Männer wollen Herr und Haupt und Väter heisen;
So müssen sie sich auch nothwendig so beweisen,
Wie dieses Wort verlangt, daß man uns Lebens=Saft,
Und was wir irgend noth, ohn unsre Arbeit, schaft.
Ein Weib muß sich doch auch ein Stündgen Ruhe schenken,
Und ihre Geister nicht durch Müh und Arbeit kränken.
Wer dankts uns Weibern denn, was wir mit Müh erspart,
Was wir mit Fleiß geschaft? ists doch der Männer Art,
Daß man uns immer schraubt: Wir könten nichts erwerben.
Wohlan! so laßt uns dann bey guten Stunden sterben.
Wird uns Lucretia zum Muster vorgestellt?
O lacht! dieß Muster zeigt die Thorheit alter Welt.
Denn hätt Lucretia in Compagnie gesessen,
Darbey den Rocken, Rad und Mägde Fleiß vergessen,
So hätt Tarquinius sie nicht so schön geacht,
Sich nicht in sie verliebt, und seine Lust vollbracht.
Sie wäre nicht durch Stahl und Eisen abgefahren.
Nein! nein! wir wollen uns vor der Gefahr bewahren.
Wir spielen lieber mit und folgen ihr nicht nach;
So überfällt uns nicht dergleichen Ungemach.
August der Römer Schmuck, August die Zier der Prinzen,
August der mächtigste an Staaten und Provinzen
Erkannte doch darbey, wie falsch das Schicksal wär;
Daß Scepter, Kron und Reich, Glück, Reichthum, Macht und Ehr
Die Unbeständigkeit als seine Schwester küsse,
Daß man vom Thron und Glük oft schnell herunter müsse.
Drum sprach sein kluger Mund zu seiner Julia:
Prinzeßin! ist euch schon das gröste Glücke nah;
Seyd ihr die Herrlichste von allen Fürsten=Kindern;
So denkt nur allezeit, das Glüke kan sich mindern.
Hat nicht schon ehedem so mancher Fürst regiert,
Den alle Herrlichkeit und alle Macht geziert,
Allein wo ist sie oft so plötzlich hingekommen?
Hat ihm das Schicksaal nicht dieß alles abgenommen?
Daß wer der gröste war, und oft der reichste hieß,
Sich endlich elend, arm und niedrig sehen ließ.
Dieß stell ich mir auch vor; dieß schwebt mir in Gedanken,
Wie leichtlich kan mein Glück und meine Krone wanken;
Wie leicht stößt mich das Glück vom Scepter, Reich und Thron,
Und jagt mich ebenfals wie andre arm davon?
Drum liebste Julia: ihr möget euch bey Zeiten
Auf Unglück, Noth und Fall vernünftiglich bereiten.
Flieht stets den Müssiggang, verschwendet keinen Tag,
Arbeitet was die Hand und ihre Kunst vermag,
Ihr wüst nicht, ob euch nicht noch eure Hände nehren.
So ließ ein Kayser sich bey seiner Tochter hören!
So sprach auch Kayser Carl (g) zu seinen Töchtern oft:
Flieht stets den Müssiggang, wie bald und unverhoft
Kan mich des Schicksaals Macht vom Thron ins Elend jagen.
Drum schickt euch auf den Fall bey annoch guten Tagen.
Wo ist zu dieser Zeit ein Bürger=Weib und Kind
Wie dieser Fürsten=Zweig geartet und gesinnt?
Wer denkt an seinen Fall, und an des Glückes Schläge,
Daß er sich vor der Zeit darzu bereiten möge?
Wer kömmt der Armuths=Last durch klugen Fleiß zuvor?
Wer haßt den Müssiggang, und hebt die Hand empor,
Daß sie sich in der Zeit zu jeder Arbeit lenke,
Damit es ihr nicht einst in schlimmen Tagen kränke?
O! hätte manches Weib, das sonst auf Küssen saß,
Und ihres Leibes=Läng auf Schwanen=Federn maß,
Sich vor der Zeit bequemt den Müssiggang zu meiden,
Vielleicht trüg sie noch jezt ein reinlich Kleid von Seiden;
Vielleicht rief nicht ihr Mund nach Wasser, Salz und Brod;
Vielleicht wär wohl ihr Aug nicht jezt von Thränen roth.
Man würde sie vielleicht anjetzo nicht verlachen,
Und sprechen: seht! sie lernt die Sachen anders machen.
Sonst grif sie nicht vor sich den kleinsten Finger an;
Jezt aber dienet sie mit Arbeit jederman.
Ich tadle nicht wenn sich ein Frauenbild bestrebet,
Daß sie nach ihrem Stand in ihrer Arbeit lebet,
Daß sie nicht öffentlich die Hand zur Arbeit reckt
Wodurch sie Vater, Mann an seinem Stand befleckt.
Daß sie die Hände nicht wie eine Magd gebrauchet;
Und wo's nicht nötig ist, die Hand in Lauge tauchet;
Daß sie zur Reinlichkeit ein Stündgen an sich wendt;
Nur dieß ist mir verhaßt, wenn man den Tag verschwendt.
(Sinnen
Wenn man den {Händen nicht zur Arbeit Flügel giebet,
{Füssen
Und nur der Schnecken-Brauch und ihre Mode liebet;
Wenn man die Arbeit so, als wie die Schlangen scheut.
Wenn man stets seufzend klagt: wie lang wird mir die Zeit!
Ich weiß vor Einsamkeit, ich weiß vor langer Weile,
Fast nicht, wohin ich jezt mich zu vergnügen eile.
Ein klug und fleisig Weib klagt vielmehr allemahl:
Wie ist mir doch die Zeit so schnell, so kurz, so schmahl;
Wenn ich vier Hände doch und so viel Füsse hätte!
Die Hände eifern fast und streiten um die Wette.
Ihr seltner Gassen=Trit hält ihr die Kleidung schön;
Und lehrt sie auf das Haus und ihre Kinder sehn,
Damit sie in der Zucht und Furcht erhalten werden.
Wie glücklich ist der Mensch der auf dem Kreiß der Erden
Der Klugheit Regel folgt, die ihm die Lehre giebt;
Der ist beglückt und reich, der Fleiß und Arbeit liebt.
Es freuet sich sein Geist wenn er bey sich erweget,
Zu diesem Glück hat mir mein Fleiß den Grund geleget.
Durch ihn erhielt ich bloß der Fürst= und Menschen Gunst.
Ich fand durch ihn den Weg zu mancher raren Kunst.
Es kennen mich durch ihn die klügst= und grösten Häuser.
Der Fleiß band mir den Kranz und diese Lorber=Reiser.
* * *
Die Ehre ist ein Trieb der angebohren ist;
Die Ehre ist ein Ziel wornach ein Weiser schießt;
Ein Kluger ist bemüht, mit Ernst darnach zu ringen,
Und sich durch Müh und Fleiß erwünscht empor zu schwingen.
Sein Geist bestrebet sich um des Monarchen Gunst,
Von welchem alles Glück, Macht, Ehre, Reichtum, Kunst
Und Tod und Leben kömmt. Er ringt nach solchen Sitten,
Wodurch der Fürst der Welt bekämpfet und bestritten
Und überwunden wird. Er ist in sich vergnügt,
Wenn er sich überwindt und seinen Muth besiegt.
Wo eine Tugend ist, und wo ein Lob regieret,
Dem jagt er ernstlich nach, damit ihn solches zieret.
Den Degen zücket er auf königlich Geheiß,
So tapfer als auch klug zu seines Fürsten Preiß,
Dem Vaterland zu Nutz, und nicht aus eignem Willen,
Wie mancher raßt und thut, nur seinen Zorn zu stillen.
Ein Weiser überhebt sich seines Adels nicht,
Daher er nicht so gleich von Bügern spöttisch spricht!
Er zeigt sich jederman mit Freundlichkeit und Güte
Und unterdrückt den Stolz in seiner ersten Blüthe.
In Demuth sucht er Ruhm in Niedrigkeit die Pracht,
Die ihn berühmt, beliebt und groß und glücklich macht.
Sein Geist bemühet sich den Fürsten treu zu heisen.
Sich allezeit gerecht und löblich zu beweisen.
Er will sich durch sich selbst und nicht durch Geld erhöhn;
Nicht um ein leeres Amt und Hunger=Titel flehn.
Er trachtet mit Vernunft die Feder so zu schnitzen,
Damit er würdig sey die Ehre zu besitzen.
Nach solchem Stolz und Ruhm, nach solcher Ehren=Bahn,
Strebt ein bescheidner Geist und klug und weiser Mann.
Die Welt aft allen nach, sie prahlt mit falschen Steinen,
Schleift Gläser; die gar oft als Diamanten scheinen.
Der falschen Perlen Glanz vertrit der wahren Ort,
Das rein und ächte Gold muß oftmals heimlich fort,
Und glänzendes Metall an dessen Stelle kommen.
Doch der Betrug wird bald von Kennern wahrgenommen.