Die wahre Ehre strahlt in ihrem eignen Licht,
Da es der närrschen Welt an ächtem Glanz gebricht.
Wer kan wohl ganz gewiß, mit Überzeugung schwören,
Daß ihm der Adel=Brief und Wappen zugehören.
Die Leute sagens wohl, der Vater glaubt es zwar,
Doch lacht die Mutter oft, die ihn zur Welt gebahr.
Wer weiß, welch geiler Kerl ein Neben=Bett gehalten?
Es giebt ja Leute gnug die gern dieß Amt verwalten.
Wer weiß, wie mancher Knecht die edle Frau geküßt,
Von dessen Bauren=Blut das Kind entsprungen ist.
Doch lassen sie sich mehr als Bürger=Kinder dünken,
Die gleichsam als ein Koth vor ihren Nasen stinken.
Die Ehrlichsten des Volks, die Würdigsten der Stadt,
Und wer ein gutes Lob und Gunst und Liebe hat;
Die heist man Bürger=Pack; man kan sie fast nicht leiden,
Man sucht sie wie die Pest und sonst noch was zu meiden.
Man fragt mit stolzen Mund im Umgang ganz genau:
Ist das ein Cavalier? dieß eine gnädge Frau?
Fällt dann die Antwort nein! so fragt man mit Erröthen;
Wie kömt es? ist den Saul auch unter den Propheten?
Die Ehre heiset mich auf meinen Adel sehn,
Es schickt sich nicht vor mich mit Bürgern umzugehn.
Ein Junker, der nichts mehr als seine Stute kennet,
Worauf er in das Feld nach denen Haasen rennet,
Und bricht mit seinem Witz in diese Worte aus:
Poz Felten! o Charmant! Sie haben dort hinaus
Vortreflichen Respect; ein Weib von solchen Saamen,
Die nur von ihrem Vieh, von Wetter, Puz und Rahmen
In der Gesellschaft spricht; ein Weib das herzlich lacht,
Wenn ihr Bedienter ihr ein süsses Kurzweil macht;
Ein Fräulein welche fast in Evens Kleide gehet,
Und in der Ordens=Zunft der Minoritten stehet,
Die sag ich, schimpfen noch die Würdigsten im Land,
Und reden voller Hohn vom wackern Bürger=Stand.
Ist schon das Ritter=Gut durch ihre Pracht verschwunden,
So hat der dumme Stolz doch noch sein Schloß gefunden.
Wer nicht stets Gnädge Frau, und Ihro Gnaden spricht,
Der wird als grobes Pack aufs ärgste ausgericht.
Wenn sie das Sonnen=Licht mehr als die Eiche hitzet;
Und man vor heiser Angst die kalte Tropfen schwitzet,
Weil sie der Secten Schwarm der Manichäer plagt,
Wenn gleich der Junkern Mund ganz unaufhörlich klagt:
Herr Vater! ach mich dürst! ach gnädige Frau Mutter!
Ich bitte nicht um Fleisch, um Kuchen, oder Butter,
Ich bitt und flehe nur um schwarz und trocken Brod,
Nur wie ein Finger groß, nur von gar wenig Loth.
(Papa klingt viel zu schlecht: es heist, sprich: Ihro Gnaden!
Wo nicht, so soll es dir an Brod und Kofend schaden.)
So lassen sie doch nicht bey ihrem Pilgrims=Stab
Von solchen Narren=Stolz und Thoren Hochmuth ab.
Dieß reizt die Bürger an, die Ehre zu betrachten,
Da sie doch ihren werth, durch solchen Trieb verachten.
Ein Bürger, der das Mark aus Land und Bürgern sog,
Der seinen frommen Herrn mit List und Schein betrog.
Erkauft den Ritter=Stand, und läßt sich adlich nennen;
Da ihn die Tugenden des Adels doch nicht kennen.
(Das ist schon edel gnug, wenn ihn das Volk begehrt,
Und spricht: Der ist getreu; der ist des Glückes werth:)
Ein Bürger, welcher sich durch Korn und Haber messen,
Durch ausgedehnte Ehl und Jüdische Intressen,
Und durch den Pfeffer-Staub groß, reich und stolz gemacht,
Wenn er nach Adel=Brief und Ritter=Wappen tracht;
Ein Bürger, welcher sich nach Hunger=Titteln dringet,
Durch seinen neuen Staat das alte Gut verschlinget;
Und durch dieß Ehren=Thor in Noth und Schande fällt;
Heist dieß der Ehre wohl vernünftig nachgestellt?
Ein Mann der einen Grad der Ehre kaum erblicket
Verlangt, daß jeder sich aufs tieffste vor ihm bücket,
Vermeint daß seine Ehr durch einen holden Trit,
Durch Freund= und Höflichkeit nur Schimpf und Anstoß litt.
Verliehrt die Ehre sich durch Freundlichkeit und Güte?
O nein! man sieht vielmehr, daß ein beliebt Gemüthe,
Ein allzeit höflicher und Sittenvoller Geist,
Fast aller Menschen Gunst und Liebe zu sich reist,
Ein jedes rühmet ihn, und spricht zu seinen Ehren.
Dieß, und kein stolzer Muth kan wahre Ehre mehren.
Ich weiß, es lacht mit mir die ganze kluge Welt,
Wenn ein gebrüster Mann auf diesen Wahn verfällt
Sein Titel sey etwas, den er doch darum führet,
Weil er die Gassen=Vögt und Bettler gubernieret.
Ein Jubelier der sich von Feuersteinen nennt;
Ein Commissarius, der wenn es etwa brennt,
Die Spritzen ordnen darf; der Kiel und Feder führet,
Wenn man ein Huren=Kind als ehrlich tituliret;
Ein Kaufmann neuster Art, bey dem man alles findt,
Und was denn wohl vors Geld? den allerschönsten Wind.
Drey Büchsen voller nichts; vor acht und vierzig Kreuzer
Zwey Quintgen fettes Schmalz aus dem Gebürg der Schweizer.
Ein halb Pfund Mandelkern ein halber Zucker=Hut,
Vier Stück Muscaten=Nuß, die alt, und folglich gut;
Sechs Dachte, welche rein, und schön und auserlesen,
Ein ganzes Schwefel=Pack, ein Dutzend gute Besen;
Ein Mann der nur den Kiel vor Vormunds=Rechnung führt,
Der seine Hauptmannschaft mit samt dem Schmauß verliehrt,
Vor ein Philister=Rohr, vor Born und Wache sorget;
Ein Mann der Hülfreich lauft wenn jemand Gelder borget,
Die sag ich, fällt mir nicht ein jeder lachend bey?
Die machen oft von sich ein groses Luft=Geschrey.
So wohl beym Aufgeboth als Tod= und Leich=Gepränge,
Erschallen überall der Titel grosse Menge:
Davon ein jeder doch so schön und artig klingt,
Daß einem bald vor Scherz der Bauch in Stücken springt.
Sie können schon das Amt des Vomitivs verwalten,
Ich muß, mir eckelt selbst, den Mund schon veste halten.
Dieß Volk ruft frech und stolz: Ich seh auf Ruhm und Ehr;
Wo wüste sonst die Welt wie ich zu nennen wär;
Ich fordre meinen Rang; denn wer nicht auf sich siehet,
Und sich um Glanz und Ruhm und Ansehn nicht bemühet,
Und nicht was auf sich hält, der wird auch nicht geacht,
Ihm wird kein Compliment nach seinem Wunsch gemacht.
Wie sieht man nicht die Welt vor falscher Ehrsucht rasen?
Drum klagt man, daß das Feld und Wald so leer von Haasen
Zu unsern Zeiten ist, dieweil man in der Stadt
Dergleichen artig Vieh mit zweyen Füssen hat.
Die Ehre, vor der Welt bekannt und klug zu heisen;
Der Ruhm, ein Zeitungs=Blat den Knaben aufzuweisen,
Das ihren Nahmen meldt, lockt viele Thoren an,
Daß sie ihr Hirngespinst, was der verderbte Wahn
In ihre Feder flößt, so närrsch die Worte klingen,
So Wiegenhaft es riecht, der Welt zu Markte bringen,
Wie Lohrgen dort gefehlt; was Dorilis geschwazt;
Wie Phillis ihrem Mann Aug, Mund und Bart zerkratzt;
Was Strephon wiederfuhr, da er ein Kräutgen suchte;
Wie scharf Luppinens Mund den falschen Buhlern fluchte;
Was Thalon aufgesetzt, was jene Frau gewust
Die bey der Wiege saß; wie stark der Floh gehußt
Als Meister Stephans Sohn mit Fickgen Hochzeit machte;
Was dort ein Wasserstrom ans Land getrieben brachte;
Wie viel man Bücher hier in einem Jahr gedruckt;
Wie viel Melintes Kraut und Pillen eingeschluckt;
Wie viel es Mönche giebt, die weise Kutten tragen;
Wie viel Partheyen sich im Schöppenstuhl verklagen,
Obs recht, daß man das I an statt des Y setzt?
Ob man die Reinigkeit der Sprache nicht verletzt?
Wenn man, wie oft geschieht, das Wort Gemüthe schreibet,
So, daß das liebe H darbey zurücke bleibet.
Wenn dieß der Feder=Held, wenn dieß der Criticus
(Der Nahme macht schon Angst wenn ich ihn nennen muß.)
Hat aufs Papir geschmiert, und in die Welt gesendet,
(Daß jeder kluger sieht, wie sein Verstand verblendet)
Und manchen Drucker reich, sich aber arm gemacht,
Und seinen Nahmen nun auf manchem Blat betracht,
So lacht er über sich, daß er in Süd und Norden
(Durch seinen Unverstand,) bekannt genug geworden.
Es freuet sich sein Geist wenn Kind und Pöbel spricht:
Das ist ein kluger Mann! desgleichen ist wohl nicht!
Gelehrte sagen auch, wo ist wohl seines gleichen?
Wo wird ein kluger leicht des Narren Sinn erreichen?
Vor Freuden bildt er sich (der Wahnwitz giebts ihm) ein,
Er muß ein Journalist und Polyhistor seyn;
Und zwar der Wichtigste; er saget allen Leuten,
So muß man sich den Weg zu Ehr und Ruhm bereiten!
Nur diesen streb ich nach, und unterdrucke nicht
Die Regung die in mir durch Mark und Adern bricht.
Er jauchzet, wenn er sieht, daß seine schöne Sachen,
Die man zu Käsen braucht, die Leute lachend machen,
Und wenn ein trunkner Mund, der nach der Pfeife stinkt,
Bey einem Glaß voll Bier, sein Stückgen ließt und singt.