Wie manches Zuchthaus ist vor liederliche Vetteln,
Die nur aus Müssiggang ihr Brod zusammen betteln,
Verordnet und gebaut. Allein ist keins zu sehn?
Das denen Hülfe schaft, die sich so thörigt blöhn.
Wer weiß, wenn Pallas selbst die Züchtgung auf sich nähme,
Ob der verlohrne Witz nicht etwa wieder käme?
Doch nein, Minerva bleibt auf ihrem Helicon,
Was soll sich ihre Hand mit Midas theuren Sohn,
Mit Pans Geschlecht und Brut erhitzen oder schlagen?
Wer nicht will weise seyn, der mag die Schellen tragen.
Es muß der Unterschied in jeden Sachen seyn,
Dieß trift auch ebenfals bey diesen Leuten ein;
Pan liebt der Stümper Schaar; Apollo ist gerechter,
Der straft sie, und wormit? mit ewigem Gelächter.

Wer ist wohl der sich nicht vor den Franzosen scheut?
Doch unser Jungfervolk setzt diese Furcht beyseit,
Und glaubt aus hohem Geist und voller Ehrbegierde
Die Sprache dieses Volks erhöhte ihre Zierde.
So löblich jedes Volk auf seine Sitten hält;
So wohl ihm seine Zucht und ganzes Thun gefällt,
Haßt doch das Jungfervolk der sonst berühmten Deutschen
Die Titel ihres Lands: Sie lassen sich ehr peitschen
Eh sie den neuen Brauch der Franzen Titel fliehn.
Wo sieht man Jungfern jezt von Müttern auferziehn?
Nur Mademoisellen sind zu unsrer Zeit zu kriegen.
Soll denn in diesem Wort mehr Glanz und Ehre liegen?
O falsche Ehr und Ruhm! klingt Jungfrau nicht so schön
Als Mademoisell? Wie soll ich das verstehn?
Daß man sich dieses Worts und schönen Titels schämet,
Und seines Nahmens Glanz mit fremden Gold verbrämet.
Wär der in Spanien sonst übliche Tribut
Bey uns jetzt im Gebrauch, das wär fürwahr nicht gut.
Man könte warlich nicht die Zahl der Jungfern stellen:
Warum? Wir haben nichts als lauter Mademoisellen.

* * *

Corintho ist verbrannt; Corintho ist verstöhrt;
Sie ist in Schutt und Stein in Asch und Staub verkehrt.
Der Reichthum, Stolz und Pracht, ihr herrliches Vergnügen,
Sieht unter diesem Schutt so mancher Pilgrim liegen.
Ihr Grabmaal stellet uns noch ihren Abschied vor:

Mein Wandrer! wer du bist, mein Ansehn und mein Flor,
Mein schön und herrliches, und höchst vergnügtes Leben,
Hat mir den Untergang und Aschen=Gruft gegeben.

Corintho wär verwüst! wendt Lucifer bald ein.
Nein! nein! ihr Ebenbild wird noch zu finden seyn.
Ein Phönix stirbt zwar wohl, jedoch sein Aschen=Hügel
Bringt einen andern vor, der stark und frische Flügel,
Und neue Kräfte hat. So giengs auch dieser Stadt;
Ihr Staub, der in der Welt sich ausgetheilt hat,
Und sich durch Nas und Haupt und Hirn hindurch gedrungen,
Hat nun der Deutschen Sinn nach meinem Wunsch bezwungen;
So, daß nun manche Stadt Corintho Trieb erlangt,
Daß sie im Todte noch durch ihre Laster prangt.
Büß ich Corintho ein, ist sie nicht mehr vorhanden,
Was schadts! aus ihrem Staub ist manche Stadt entstanden.
Ich, ich, als ein Monarch, spricht Lucifer noch mehr,
Ich finde nicht allein bey Mächtigen Gehör;
Nein auch bey denen selbst, die nur in Hütten leben,
Bey denen die aus Noth sich in den Dienst begeben,
Die sich von Stahl und Blut, die sich vom Fremden Raub;
Die sich von fauler Milch; die sich vom Pfeffer-Staub;
Die sich vom Herings=Schwanz von Oel, von Salz und Butter;
Die sich von Ehl und Zwirn und Hosen=Unterfutter;
Die sich von Korn und Vieh; die sich von Zeitungs=Wind,
Und was ihr freyes Maul erzehlet und erfind;
Die sich von alle dem und andern Sachen nehren;
Die zu dem Niedrigsten in Stadt und Land gehören;
Die sinds, die meine Stadt Corintho auferbaut,
Und die mein Angesicht, als Reiches Säulen schaut.

Wie Nero dort auf Pracht und Wollust viel gewendet,
Und wie Cleopatra den grösten Schatz verschwendet;
Wie sich die Jesabel gezieret und geschmückt;
Dieß wird bey Adlichen und Bürgers=Volk erblickt.
Die wollen jezt an Pracht und zärtlichen Geberden,
An stolz und fetten Tisch den Größten ähnlich werden.

Da Jacobs Saamen noch des Stiftes Hütte sah,
Da unter Knall und Glut der Allmacht Wort geschah,
Da war die Demuth noch das Augenmerk der Grosen,
Es suchte jederman um ihr Gewand zu losen.
So hoch, so königlich, so frey das Volk regiert,
So viel es Seegen auch an Zeitlichen verspührt,
So wurde doch ihr Leib nicht prächtig eingehüllet,
Die Lippen wurden nicht mit Leckerey erfüllet,
Scharlachen, Rosinroth, das war von ihnen fern,
Sie widmeten es nur zum Heiligthum des HErrn.
Das beste ihrer Kost, das niedlichste der Speise,
Verehrten sie dem HErrn, zu seinem Hohen Preise.
Ihr Freud, ihr Ehren=Mahl bestande nur indem,
Was die Natur gezeugt, was der Natur bequem
Gesund und dienlich war; ein Stückgen guter Semmel;
Ein Stück vom jungen Kalb; ein Stück von fetten Hemmel;
Ein Kuchen, den die Frau auf nette weise buck;
Ein Wildpret, das der Mann selbst in die Küche trug,
Das zierte Haus und Tisch; sie haßten Lecker=Sachen,
Die das Geblüte schwer die Sinne trunken machen,
Und was das Leben sonst betrübt verkürzen kan.
Sonst lebte manches Weib, sonst lebte mancher Mann
Ins höchste Alterthum. Jezt muß er früh bey Jahren,
Durch Mißbrauch seines Guts ins Reich der Todten fahren;

Wohin mein Genius? du führst mich durch die Luft
Nach Rom, wo dein August in seiner Marmor=Gruft
In Lorber=Reisern schläft. Er regt sich! seine Glieder
Beleben sich aufs neu; sein edler Geist kömmt wieder.
Er ruft uns freundlich zu: Ich sprach zu meinem Kind:
Weil stolzer Kleider=Pracht der Hoffart Fahnen sind,
Und von der Schwelgerey ein freyes Zeugnis geben,
O! so gewöhne dich dem stets zu widerstreben.
Ich gieng ihr und dem Volk mit meinem Beyspiel für,
Ich unterdrückte stets die lüsterne Begier.
Ein wohlgewachsen Kraut, das die Natur getrieben;
Ein Mahl von lieblichen und wohlgebratnen Rüben
War damahls meinem Mund und Magen süß und schön,
Und niemand suchte mich deswegen zu verschmähn,
Indem mein Ansehn, Ruhm und Ehrfurcht, Ehr und Liebe,
Doch allezeit darbey in vollem Glanze bliebe.
Wie glücklich war die Zeit, in welcher ich regiert;
Wie glücklich war ich nicht, da ich den Thron geziert;
Bestieg ich jezt den Thron; wie würd man mich verlachen,
Und manchen Hohn=Gesang aus meiner Tugend machen?
Der Ritter höhnte mich nebst jedem Bürger aus,
Man spräch mit gröstem Spott: Hält der so sparsam haus?
Will der kein zartes Kleid an seinem Leibe tragen?
Sich nicht in schönem Stoff, in Sammt und Purpur schlagen?
Drum wohl mir, daß ich jezt in meiner Kammer ruh.
Ich laß die Welt und schließ die Augen wieder zu.

So hoch als unsre Zeit an schön galanten Lügen,
An Wissenschaft und Kunst und Treflichkeit gestiegen,
So viel Geheimniß man ergründet und entdeckt,
So sehr wird der Verstand im Gegentheil versteckt,
Wenn man so Geist als Leib dem Stolz und Pracht ergiebet,
Der Eltern Schweiß verpraßt, und die Verschwendung liebet.
Heist das wohl mit Vernunft des Glückes Pfund genützt,
Wenn man ein güldnes Bild an Thür und Wagen schnitzt?
Der Diener Kleider=Stoltz durch reiche Dressen mehret?
Auf Fürsten Betten schläft, auf Prinzen Kutschen fähret?
Die Bilder geiler Zeit, die Götter alter Welt,
Gar oft zur Aergerniß, in Gäng und Gärten stellt?
Allwo die Wasserkunst das Geld so gar verspritzet,
Wo mancher Aff und Bär an statt des Wächters sitzet.
Heist das wohl mit Vernunft das Erbtheil angelegt,
Wenn man das, was man sieht in seine Gärten trägt,
Und sich ein Labyrinth zur Pracht mit Schulden gründet?
Da man den Eingang wohl; doch nicht den Ausgang findet?
Heist das wohl klug gethan, wenn man Saal, Zimmer, Haus
Mit aller Kostbarkeit, biß an das Dach heraus,
Die Welschland, Gallien und Indien uns schicket,
Aufs allerprächtigste bekleidet, ziert und schmücket?
Die Zimmer übrig füllt; die Beutel aber leert?
Und eine bunte Wand als einen Götzen ehrt?
Sucht wohl die Tugend uns zu diesem anzulocken,
Daß man den Glieder=Bau wie stolze Kinder=Docken
Auf lächerliche Art und Vielfach prächtig kleidt?