Da Adam und sein Weib die grose Herrlichkeit
Im Paradieß verlohr, da trugen sie, ach leyder!
Zum Zeugniß ihres Falls, ein Fell an statt der Kleider.
Kein Dieb prangt mit dem Strick, der seinen Hals umschlug,
Selbst Eva schämte sich da sie die Kleidung trug.
Wir aber lassen uns so sehr den Kopf verrücken;
Wir prangen höchst vergüngt mit unsern seidnen Stricken,
Die unsrer Eitelkeit und Thorheit Zeugen seyn.
Flößt dieses die Vernunft; giebt dieß die Tugend ein,
Daß man den Leib fast stets als zum Triumphe schmücket,
Die Kleider reich mit Gold und Silber übersticket,
Und kostbar ausstaffirt? daß man nach höchster Pracht
Die Kleider schön von Zeug und auf das feinste macht?
Daß man den Überfluß so gar auch nicht vermeidet,
Sich wo nicht wöchentlich, doch vierteljährig kleidet;
Sich selbst zum Räuber wird; sich diebisch selbst bestiehlt,
Biß daß man endlich Schimpf, Noth und Verachtung fühlt.
Wie thörig ist es nicht, wenn stolze Geister denken,
Als könnt ein kostbar Kleid mehr Furcht und Ehre schenken,
Wirst du ums Kleide wohl vor andern mehr geliebt?
Meinst du, daß dir das Glück darum was grössers giebt?
Verbessert sich dein Stand um deines güldnen Degen,
Um deines stolzen Kleids und güldner Zwickel wegen?
Geh! prange wie du wilst, in einem ofnem Saal;
Stolziere wie du wilst, by einem Freuden=Mahl,
Dein Stand, und nicht dein Kleid wird dir den Vorsitz geben.
Das Kleid kan nicht den Mann, wenn er nichts gilt, erheben;
Der Mann giebt nur allein dem Kleide Glanz und Zierd,
Wenn er die Tugenden in Wort und Wercken führt.
Trät Ahasvers Gemahl jezt unter unsre Frauen,
Was würde nicht ihr Aug vor Pracht und Hoffart schauen!
Ich weiß es spräch ihr Mund: Ich trug mein Königs-Kleid
Niemahls zur Lust und Pracht, und bloß zu solcher Zeit
Wenn ich als Königin im Schmuck erscheinen muste,
Weil man da nichts von Pracht und stolzem Aufputz wuste.
Jezt stellt das Frauenvolk sich auch den grösten gleich;
Macht Mann und Kinder arm, die Krämer aber reich;
Sammt, Pelzwerk, theurer Stoff, und breit und stolze Dressen,
Band, Spitzen, Leinewand, was Fürstliche Prinzessen
Nur auszuschmücken pflegt, was ihnen bloß gebührt,
Kauft jede Edel=Frau, die sich mit solchen ziert;
Dieß ist der Schmuck in den sich Bürger=Weiber schlagen;
Dieß ist der Schmuck den gar der Zünfte Weiber tragen.
Kein modenhaftes Stück kömmt von der Seine her;
Kein theures Zeug bringt man vom Po und Mittel=Meer
Und von der Themse=Strohm, das Weib gaft schon nach allen,
Und solte auch der Preiß aufs allerhöchste fallen.
Was sonst ein vornehm Weib im ganzen Kleid verthat,
Das ist anjezo kaum der Kopf= und Spitzen=Staat.
So prächtig war sonst nicht ein adlich Haupt geschmücket,
Als man anjezt den Fuß der Bürgerin erblicket.
Im Stand nimmt man nicht nur die Ordnung nicht in acht;
Er wird im Alter auch gewiß sehr schlecht betracht;
Ein Weib, das fast so alt, als wie die graue Sare;
Das kaum auf ihrem Haupt ein Dutzend weise Haare
Und einen hohlen Zahn in ihrem Munde trägt;
Da jede Runzel sich in tiefe Falten legt,
Das Kind und Kindes=Kind als Grose=Mutter ehren;
Das will doch noch die Zahl der Hoffarts=Narren mehren;
Dieß geht oft noch so bunt und prächtig ausgeschmückt,
Als man die Töchter kaum und Kindes=Kind erblickt.
Von Rückwärts könte wohl ein Jüngling leicht verfehlen,
Und eine sechzige vor sechzehnjährig wehlen.
Sie dörften warlich nicht beym Felsenburgern stehn,
Wo die Matronen nur modest und erbar gehn,
Hingegen aber das, was jung und munter heiset,
Sich eines hellen Zeugs und bunten Kleids befleiset.
Wär Davids Fürsten=Kind, die Thamar jetzt allhier
Und sie verlöhre sich: O mein! wo würden wir
Sie unter unserm Volk und Frauenzimmer finden?
Die meisten pflegen sich in Röcke einzuwinden
Die Thamars Fürsten=Rock gar gleich und ähnlich sind.
Wo sich ein bunter Stof von theurem Wehrte findt
Darein verhüllt man sich; man sticket goldne Stöcke,
Und Silber=Muschelwerk, und Blumen in die Röcke,
Daß mancher, der es sieht die närrsche Meinung hegt,
Es sey ein Fürsten=Kind das solchen Aufputz trägt.
Man kan jezt adliche und bürgerliche Frauen
Im Pracht und Kostbarkeit als Prinzeßinnen schauen.
O Schade! daß doch nicht die kluge Vorsichts=Hand
Euch gleichen herrlichen und hocherhabnen Stand,
Der Hoffart gnug zu thun, in dieser Welt bestimmet,
Weil doch ein solches Feuer in euren Herzen glimmet.
Was vor ein herber Schmerz und bittre Seelen=Pein,
Muß dieses eurem Stolz und blinder Hoffart seyn?
Jedoch nur unverzagt! wer weiß wie sichs verkehret,
Ob euch die Ehre nicht auch einmal wiederfähret,
Die jenem Bauersmann auf Tag und Nacht geschehn.
Man sagt es könte sich die Erde täglich drehn;
So oft auch dieß geschieht, so hat der Moden Sitten
Doch diesen Erden=Klump im Wechsel überschritten.
Wie oft verkehrt man nicht die Mod= und Kleider=Tracht?
O! würde sie nur nicht auch närrischer gemacht!
Die Haare werden nicht mehr zierlich aufgekräuset,
Man meint, es läßt galant, wenn man sie hangend weiset.
Ihr Schönen! seht euch vor, weil, wie die Rede geht,
Ein merklicher Proceß im Schöppenstuhl entsteht.
Es heist, das Schäfervolk wär klagend eingekommen,
Man hätt von ihrer Heerd die Hunde weggenommen,
Und mit dem Budel=Fell die Häupter ausgeziert.
Drum seht euch vor; vielleicht, daß ihr das Recht verliehrt;
Die Schäfer dringen drauf, sie wollen was gestohlen
Von euren Häuptern selbst mit Nachdruck wiederhohlen.
Drum so vertraget euch mit einem gütgen Sinn,
Und gebt das Budel=Fell den Schäfern wieder hin.
Was vor Veränderung ist doch mit Stirn und Wangen
Der Schönen biß daher so öfters vorgegangen?
Ja unser Frauenvolk gönnt nicht dem Firmament,
Daß Sonne, Mond und Stern an solchem feurig brennt;
Drum lassen sie sich auch in ihrem Kopfe deuchten,
Es müß die kleine Welt mit gleichen Fackeln leuchten.
Drum wird aufs Angesicht als auf ein freyes Feld,
Auch Sonne, Mond und Stern zum Zierath aufgestellt.
Wenn jener Lichter Schein auf blauen Grunde strahlet;
So wird der untern Glanz auf weisen Grund gemahlet.
Und weil die Obersten nur vor die Nacht bestimmt,
Indem ihr heller Glanz die Finsterniß benimmt.
(Dieweil dem lichten Tag kein solcher Glanz vonnöthen.)
So nimmt und schneidet man dergleichen Welt=Planeten
Von schwarzen Taffend aus, und fragt wohl: läßts nicht schön,
Wenn Sonne, Mond und Stern im Angesichte stehn?