Vielleicht befürchten sich jeztunder unsre Schönen,
Das Mannsvolk möchte sich nach Perser=Art gewöhnen.
(Denn dieser schickt vorher zu der erkohrnen Braut
Die nächste Freundin hin, die sie mit Fleiß beschaut,
Ob sie vollkommen ist. (Denn bey den Amazonen
Wird wohl kein Mannesbild so leicht nicht wollen wohnen.)
Drum zeigt das Frauenvolk vollkommen aufgedeckt,
Daß keine Amazon' in ihrer Schnürbrust steckt:
Und folglich man auch nicht die schöne Weiber=Gabe
Nach Persischem Gebrauch erst zu erforschen habe.

Man thut in diesem Stück den Schönen auch zuviel,
Als ob denselbigen die Sorgfalt nicht gefiel.
Man hört und siehet ja wie sie vom frühen Morgen
Biß auf die Abend=Zeit vor das so mühsam sorgen:
Was auch so gar versteckt, und nicht ins Auge fällt.
Allwo der Unterrock den ersten Platz behält.
Das Knie-Band folget nach. Wer hats euch denn gepfiffen,
Es würd nach selbigen gesehn, wohl gar gegriffen?
Wer kan denn vor das Spiel! man thut, was dieß gebeut!
Wer kan denn vor den Scherz und vor Geschwindigkeit!
Um nun das schöne Lob der Reinlichkeit zu hören,
So sucht man alles dieß mit Schönheit zu vermehren.

Ich weiß warhaftig nicht woher es weyland kam,
Daß eine Frau das Band von Bachi Throne nahm,
Um einen neuen Thron, worauf sie könte sitzen,
Zu bauen, und zugleich die Arm zu unterstützen.
Das Schicksaal führte sie mit samt dem neuen Thron
Zu einem Musen=Sitz, woselbt sich Bachi Sohn
Vor andern sonderlich im Schreyen hören liese.
Doch als ein Schnorren=Schwarm auf Bachus Brüder stiese
(Und man sich vor dem Feind durch eine Freystadt schützt
Der zornig wieder uns mit Stahl und Eisen blitzt)
So rief dieß tapfre Weib: Nur unverzagt und munter!
Hier ist mein Reifrock! eilt! und kriechet alle unter!
Der soll vor Wach und Schnorr und sonst geheime Pein
Der allerbeste Schutz und sichre Freystadt seyn.
Die Pursche ruften hoch! und schrien mit grosen Schalle:
Wir bitten flehentlich: Ihr schönen! leget alle
Dergleichen Röcke an. Wir wollen wieder sehn,
Wie wir zur andern Zeit euch wo zu Dienste stehn.
Gesucht, gewünscht, geschehn. Wer nur galant wolt heisen,
Der muste sich alsbald auf diese Tracht befleisen.
Die Gassen kamen drauf darwieder klagend ein,
Sie würden fernerhin nicht breit und räumlich seyn,
Sie wandten klüglich für: Die Weite würde ihnen,
Den Jungfern nehmlich selbst, noch mehr zum Schaden dienen:
{Stuffen
Weil ein zu weiter Rock an alle {Ecken stößt,
So reißt die Seide auf daß sich der Faden lößt,
Und also desto ehr das Kleid zu Grunde gehet.
Die Männer fielen bey: Die Mode widerstehet
Der Weiber Sparsamkeit. Das Kleid, das man vordem
Zu Putz und Nothdurft trug, wird dadurch unbequem,
Dieweils den weiten Rock nicht decket noch bekleidet:
So nimt man denn zwey Stück, woraus man eines schneidet.
Da heist es: Männgen! thu zum neuen Kleider=Kauf
Nur ohne Widerspruch den Beutel willig auf.
Heist das nun nicht den Mann und Vater zu bestehlen?

Allein kein gutes Wort noch sonst ein ernsthaft Schmehlen
Galt bey dem Frauenvolk. Man sprach: es bleibt darbey,
Daß nur ein groser Rock in Zukunft Mode sey,
Und wo die Männer uns nicht neue Kleider schaffen,
So wollen wir so lang nicht bey denselben schlaffen,
Biß sich ihr Eigensinn nach unserm Willen bricht.

Wie artig fällt es nicht in aller Angesicht,
Wenn eine Knochen=Lust, wenn eine Härings=Seele,
Ein Weib aus Liliput solch ungeheure Höhle
Zu ihrem Sitze wehlt? Es sieht so zierlich aus,
Als ragt aus einem Faß ein Weiden=Hölzgen raus.

Und weil das Mannesvolk vom Staub die Schuh beschmutzet,
So werden sie dadurch beständig abgeputzet.
So zeigt das Frauenvolk durch diese Dienste an,
Wie sie zum voraus schon den Männern unterthan.
Es kan das Mannesvolk sich würklich glücklich achten,
(Weiber
Daß {Jungfern auf der Straß die Schu zu putzen trachten.

Wie öfters werden uns die Augen nicht berückt,
Wenn man bald hier und da ein Frauenbild erblickt,
Das Achsel, Leib und Haupt und Hals mit Bändern zieret,
Und wie ein Kutsch=Pferd prangt, das Hochzeit=Gäste führet.

Ihr Jungfern! die ihr euch nur wie es euch gelüst,
In eurer Kleider=Tracht nach Pfauen=Weise brüst,
Und euch aufs herrlichste und allerbeste kleidet,
Und auch den Überfluß in Hoffart nicht vermeidet.
Was reizet euch darzu daß ihr so prächtig geht?
Vielleicht ist das der Grund, warum ihr euch so blöht,
Daß ihr dem Mannesvolk wolt in die Augen fallen,
Ob etwa ihre Brust vor Liebe möchte wallen,
Daß man euch in das Buch der Bräute schreiben soll?

Die Reizung ist zu frech! die Lockung ist zu toll!
Das Mannsvolk ist zu klug, das läßt sich wohl durch Schmücken,
Durch Frechheit, Stolz und Pracht so leichte nicht berücken.
Je gröser eure Pracht; je kleiner ist ihr Trieb,
Und desto weniger gewinnen sie euch lieb.
Glaubt, desto stärker ist die Furcht vor euren Strahlen,
Sie denken, wer dich freyt, der muß nur immer zahlen;
Der muß, was er erwirbt, verdienet und gewinnt,
An deine Kleider=Pracht, du stolz und müssig Kind!
Mit heimlichem Verdruß und Schaden nur verwenden,
Und wohl noch gar darzu sein bestes Gut verpfänden.
Sie glauben, welche sich dem Putz und Staat ergiebt,
Daß die auch Müssiggang und Fenster-Rahmen liebt.

Dieß ist der Jungfern Schmuck, der sie gefällig machet,
Wenn sie nicht frech und stolz und spöttisch spricht und lachet,
Nicht tadelsüchtig ist, und allen Umgang flieht,
Der sie von Tugenden und von dem Wohlstand zieht.
Keusch, freundlich, sittsam, klug, manierlich und bescheiden
Zu seyn, den stolzen Ernst und frechen Scherz zu meiden,
Der Wirthschaft nachzugehn, dieß ziehrt die Jungfern mehr,
Als wenn des Cörpers Bau in Gold gekleidet wär;
Dieß macht euch angenehm, gefällig und beliebet,
Daß euch das Mannesvolk Herz, Ring und Vorzug giebet.
Du mein geliebt Geschlecht! Ihr Schönen! saget mir,
Wenn nun des Bräutgams Hand die grüne Myrthen=Zier
Und Kranz vom Haupte reißt, ob das die Klugheit leidet,
Daß man auf dieses Fest so vieles Geld verkleidet,
Verschwendet und verzehrt, gar keine Mase hält,
Und sich so prächtiglich der Welt vor Augen stellt?
Wodurch ihr euren Stand und euch in Schaden bringet,
So, daß ihr öfters drauf das Miserere singet.