Die Braut ist freylich wohl des Bräutgams Augen=Trost;
Doch wisse, da dein Freund zuerst um dich geloßt;
Da er dich kennen lernt, und dich oft angesehen,
Da er dich voller Fleiß im Hause sahe gehen,
Da er dich nett im Kleid, jedoch nicht prächtig fand.
Ward er nicht dazumahl in seiner Brust entbrand?
Hat damahls nicht sein Geist dich andern vorgezogen?
Und war dir brünstiglich und inniglich gewogen;
Hat nun dein stolzer Putz die Liebe nicht erregt,
So wird sie würklich nicht erst jezt auf dich gelegt,
Da man dich stolz im Kleid und in gar theuren Spitzen,
Und Perl= und Steinen=Schmuck sieht an der Seite sitzen.
Da sich dein Bräutgam nun an deinem netten Kleid,
An deinem klugen Fleiß, und nicht am Pracht erfreut,
Weswegen wilst du dann bald die, bald jene Gaben,
Zu deiner Pracht und Zier von deinem Manne haben?
Was fehlt auch deiner Pracht, wenn dich dein Gatte ehrt,
Und liebt, und deine Ruh durch keine Kränkung stöhrt?
Ist dieß nicht über Schmuck und Kleider=Stolz zu lieben?
Bleibt denn der Ehstand auch ohn Trübsaal und Betrüben?
Nein! darum wendet nicht so viel auf Pracht und Staat,
So giebt der Überfluß euch in dem Mangel Rath.
Ich weiß, man muß die Zeit bedächtig unterscheiden,
Weil man sich jezo nicht wie ehmals pflegt zu kleiden;
Kein aufgeschliztes Wamst und Pluderhosen trägt,
Kein reiches Weib sich mehr in eine Schaube schlägt.
Man richtet billig sich in Kleidung, Tracht und Moden
Nach den Lebendigen, nicht aber nach den Toden.
Deswegen glaub ich auch mit der gescheuten Welt,
Daß es nicht unrecht ist, wenn man sich trägt und hält,
Wie es die Zeit befiehlt, und Stand und Rang verlanget,
Daß ein berühmter Mann in Hollands=Tüchern pranget,
Mit netten seidnen Zeug und Leinwand sich bedeckt:
Sein Haupt in fremdes Haar nach feinster Mode steckt,
Worbey ein feiner Knopf die nette Kleidung zieret.
Ich tadle nicht, daß sich ein Weib geschicklich schnüret,
In netter Schläfe Zier und saubrer Kleidung geht,
Und trägt was rein und schön und wohlanständig steht.
O nein! ich tadle nicht, die klug und muntern Schönen,
Daß sie Tabeens Art und Fleiß sich angewöhnen,
Daß ihre kluge Hand die Kleider künstlich neht;
Die Blumen und das Laub geschickt und artig dreht;
Wodurch sie Mahlern gleich den Laub und Blumen leben,
Durch Schatten und durch Licht durch Fall und Hebung geben.
Ich lobe, daß man sich durch seinen klugen Fleiß
In Kleidung mancher Art schön auszuschmücken weiß:
So wird der Hände Kunst bewundrend wahrgenommen,
Und kan zum Musterstück auf Kindes=Kinder kommen.
Nur dieß ist mir verhaßt, nur dieß ist ärgerlich
Daß es bey dem nicht bleibt, daß mans so prächtiglich
An Seide, Silber, Gold stickt, neht und zubereitet,
Daß es mit Fürsten=Putz und Rang und Vorzug streitet.
Daß mans so kostbar macht, daß eine einzge Post,
Ein Kleid so vieles Geld, als zwey, ja viere kost.
Nur dieß ist mir verhaßt, kein Kluger wird es leiden,
Wenn schlechte Frauen sich in Fürsten=Trachten kleiden.
Wenn hier ein Adliches, dort ein Professors Weib,
Hier eine Kaufmanns=Frau den aufgeblaßnen Leib
In Sammt und Hermelin und kostbar Pelzwerk schläget,
Das Köngen nur gehört, das eine Fürstin träget.
Es haßt es die Vernunft, wenn sich ein Weibesbild
Vom Mittelstand und Gut in theuren Stof verhüllt,
Wenn sie mit Spitzenwerk aus Hollands Krähmen prahlet,
Und um sehr hohen Preiß ein ganzes Stück bezahlet;
Daß Hauptputz, Leib und Fuß und alles kostbar prangt;
Wenn eine Bürgers=Frau das Theureste verlangt;
Wenn Handwerks=Weiber sich in Stof, Damast und Seiden,
Und Spitzen aus Braband, in Gold und Zobel kleiden;
Wenn eine Zofe hier, dort eine Kammer=Magd,
Mit fremder Mod und Tracht sich auszuschmücken wagt,
Und nach den Grösten richt; wenn man, so man was siehet,
Sich auch um den Besitz und Eigenthum bemühet;
Wenn man den Überfluß in allen Sachen liebt,
Und nur fast täglich Geld vor Staat und Hoffart giebt.
Dieß ists, was die Natur, Vernunft und Tugend hasset,
Wovor ein Kluger stets den grösten Eckel fasset.
Ist jemand in der Welt an Glück und Ehre groß,
Der gebe sein Gemüth zur Thorheit nicht so bloß,
Und tracht an Kleid und Schmuck und prächtigen Geberden,
Und Moden und Gepräng nicht Fürsten gleich zu werden.
Es gaff ein Bürger=Weib, das sich von Frucht und Laub,
Von Holz und Leinewand, das sich vom Pfeffer=Staub
Und Schreiber=Sporteln nehrt, nicht nach den Adel=Frauen,
Und lasse sich nicht so in Staat und Moden schauen.
Ein jedes trage sich nicht über seinen Stand;
Es werde nicht zuviel auf Kleider=Pracht gewand,
Damit fein zierlich, schön, nett, sauber, artig, reine;
Nicht aber voller Pracht ein Frauenbild erscheine.
Wie sehr veränderlich ist nicht Fortunens Blick?
Zieht sie nicht oftermahls ihr freundlich Aug zurück,
Und zeigt der stolzen Brut, daß ihre schöne Gabe
Die Unbeständigkeit zur Mitgefährtin habe.
Was hilft mich denn der Stolz, wenn euch das Glück verläßt?
Was werden nicht alsdann vor Thränen ausgepreßt?
Was habt ihr dann vor Lob, wenn ihr an statt der Seiden,
Euch müst mit Leinewand und Wollen Zeug bekleiden?
Wie bald wird eure Pracht des Strohm= und Feuers=Raub?
So liegt der Abgott dann in Asche, Glut und Staub.
Der Pracht und Überfluß, der Stolz die Hoffarts=Fahne
Bricht allezeit dem Fall und Untergang die Bahne.
Ein weiser Paulus spricht in seinem heilgen Brief
Der an Timotheum den theuren Lehrer lief,
Die Weiber sollen sich geschickt und zierlich kleiden;
Gold, Perlen, stolz Gewand und Pracht und Hoffart meiden.
Dieweil der Weiber Schmuck in Schaam und Zucht besteht.
Ein Weib das auf der Bahn der wahren Tugend geht,
Erwehlt sich dieß zur Pracht, daß sie getreulich liebet,
Den Gatten nicht mit Fleiß durch irgend was betrübet;
Nicht trotzig widerspricht; zu rechter Stunde schweigt,
Den Irrthum und den Fehl ihm in der Stille zeigt;
Zu rechter Stunde redt, und hat sie was zu sagen,
Sich allezeit bestrebt, bescheiden vorzutragen;
Ihn im Beruf nicht stöhrt, hilft wo sie helfen kan;
Sieht ihn zur Zeit der Ruh mit holden Blicken an;
Und wenn sie auch mit ihm wie dort Rebecca scherzet,
So ist sie nur bedacht, daß sie ihn zärtlich herzet;
Sie liebt die Häußlichkeit, und haßt den Müssiggang;
Sie hält die Kinder nicht im tollen Sclaven=Zwang,
Doch führt sie ihnen auch in ihrer Lust den Ziegel.
Ihr Tugend=-Wandel ist des ganzen Hauses Spiegel.
Ihr Amt verrichtet sie bedächtlich, häußlich, klug,
Und schadet keinen nicht durch Plaudern und Betrug.
Ist gegen jederman bescheiden, mild und gütig,
Flieht Hoffart, Pracht und Stolz, bezeigt sich eherbietig,
Sie hört der Armen Noth, und dient nach Möglichkeit,
Das Haus regieret sie mit Liebe, nicht mit Streit.
Kurz, ein vernünftig Weib läßt dieses von sich lesen,
Sie ist des Mannes Lust und süsser Trost gewesen.
Den Kindern war sie stets ein wahres Mutter=Herz;
Und wem sie dienen kunt, ein Balsam vor den Schmerz,
Der Tugend Musterbild, der Haußgenossen Freude,
Der Laster steter Feind, der Menschen Augen=Weide.
Die Hoffart fällt mir jezt verwegen in das Wort,
Und spricht voll Unvernunft: ich sehe hier und dort
Ein Haus und Wohngemach von Hausrath und von Tüchern,
Von denen mich die Zahl und Zeichen vest versichern,
Es rühre alles noch von ihren Eltern her.
Das Kleid und weise Zeug das sie, die Frau, und er
Der Mann am Leibe hat, das ist schon abgetragen.
Wie lange soll man sich mit solchen Kleidern plagen?
Also verräth der Mund die lasterhafte Seel.