Jedoch ich höre auch das Volk von Israel;
Wie es gar anders spricht: Was vor ein schöner Seegen
Erhielten wir vom HErrn auf unsern langen Wegen?
Es wurden unsre Schu nicht mürbe, schlaf noch alt;
Die Kleider wurden nicht verschabt noch ungestalt;
Der Höchste wolte sie vor Riß und Moder schützen.
Wie frölich kan ich doch in meiner Wohnung sitzen!
Wie ruhig lieg ich doch in meinem Schlaf=Gemach!
So spricht der Hoffart Feind dem Saamen Jacobs nach.
Prangt meine Wohnung nicht mit lauter neuen Sachen,
Laß ich mir wöchentlich nicht neuen Hoffart machen:
Bleibt Kleid und Hausgeräth noch immer schön und gut,
So freut sich des mein Geist, so bin ich wohlgemuth.
Ich schäme mich des nicht, ich halts vor einen Seegen,
Vor einen Hermons=Thau und fetten Gnaden=Regen,
Daß meiner Eltern Schweiß noch brauchbar vor mir liegt;
Das mein erworbner Fleiß nicht wie der Staub verfliegt;
Daß mir wie Israel die Kleider nicht veralten:
Es zeigt darneben an, daß ich gut hausgehalten,
Daß ich die Sparsamkeit und Reinlichkeit geliebt,
Und meine Eltern sich darinnen auch geübt,
Es überzeugt mich auch, daß noch kein Fluch gekommen
Der mir das Meinige geraubt und weggenommen:
Und daß kein böser Wunsch auf meinem Hause ruht,
Der mein ererbtes Theil verzehret und verthut.
Lacht, höhnet immerhin ihr stolzen Mode=Narren;
Ich wehle diesen Ruhm, und laß euch gern die Sparren.

* * *

Steh auf Herodotus! und gieb die Ursach an,
Warum in Persien des gröst= und reichsten Mann,
Sein Schädel und sein Haupt sich also mürbe zeiget,
Da der Egypter Haupt der stärkste Schlag nicht beuget?
Ich weiß warum. Mir fällt die Ursach jetzo bey:
Der Bürger an dem Niel veracht die Leckerey
Und Wollust im Getränk, in Speisen und in Essen,
Und hat die Zärtlichkeit bey seinem Thee vergessen.
Er flieht den leckerhaft und delicaten Schmauß,
Und härtet seinen Leib durch Wind und Hitze aus.

Die Welt dünkt sich so klug, und scheut die Kranckheits=Bürde,
Damit der Glieder=Bau nicht hart gedrücket würde;
Sie fürchtet Fieber, Brand, Geschwulst und Beul und Pest,
Worbey sie in der Noth sich auf den Artzt verläßt.
Und gleichwohl ist der Mensch an seinen Schmerz und Plagen
Die er an Haupt und Fuß und Leibe muß ertragen,
Nur selber Schuld daran; flöh er die Zärtlichkeit,
Und gäb dem Munde nicht so viel Gelegenheit,
Mit leckerhafter Kost und feurigen Getränken,
Die China, Africa und Spanien uns schenken
Den Magen, Leib und Sinn gleich einer vesten Stadt,
Die gar ein feindlich Heer vor ihren Mauren hat,
Zu stürmen, und die Burg des Leibes zu belagern;
So würden viele nicht verdorren und vermagern.
Sie Säfte würden nicht verzehret und verbrennt;
Stein, Gicht und Podagra, und was man schmerzhaft nennt,
Den Kopf=Weh, Mattigkeit und des Geblütes wallen
Wird keinen Mässigen so leichtlich überfallen.

Wie ruhig und vergnügt lebt ein vernünftger Mann,
Der seinen Lecker=Mund und Magen zwingen kan.
Betracht des Bauers=Mann und stolzer Herren Kinder,
Ist nicht die erste Art weit stärker und gesünder?
Genießt das zarte Kind nicht größre Stärk und Lust
Durch seiner Mutter Milch, als von der Huren Brust?
Ein Stückgen Brod, ein Trank von Gersten giebt mehr Kräfte,
Als alles Zuckerwerk und leckerhafte Säfte.
So wird das zarte Kind von Jugend angewöhnt,
Daß es sich nach der Kost der geilen Eltern sehnt;
Was Wunder wenn hernach die Laster sich vermehren,
Die das erworbne Gut durch Zungen=Lust verzehren.
Wie glücklich ward nicht da das Volk am Tieber=Strohm,
Da Bürgermeister noch die ganze Welt und Rom
Geschickt regiereten. Da man Gesetze gabe, (h)
Daß Rom die Mässigkeit zum Augenmerke habe.

Wie glücklich ward ihr doch ihr Alten jener Zeit!
Die ihr euch an der Zier der Mäßigkeit erfreut.
Wie ward ihr so beherzt, gesund und stark und wacker,
Da euer Mund das aß, was euer fetter Acker
Und Reb= und Garten=Bau, und Vieh und Schäfer=Stab,
Teich, Waldung, Hof und Stall euch zu verzehren gab?
Ein ausgepreßter Trank von selbst gepflanzten Reben,
Benebst dem braunen Saft, den Gersten=Körner geben;
Ein Fisch, den euer Netz und Angel selber fieng;
Ein Wildpret, welches euch zu nah in Garten gieng;
Ein Vogel, welcher sich in euren Garten setzte,
Und sich den zarten Fuß durch Schling und Leim verletzte;
Ein Stück von einem Schaaf, und eingesalzten Schwein,
Ein Stück von einem Kalb, und fetten Rinder=Bein;
Ein Stückgen von der Brust, nebst guten Rinder=Zungen,
Die Küchen=Rauch gefärbt, und beisend Salz durchdrungen,
Worüber man die Brüh von alledem gekocht,
Was selbst die Hand gepflanzt, und was das Beet vermocht;
Als Lorbern, Timian, Wachholdern, Roßmarien,
Lauch, Kimmel, Majoran, und Zwiebeln die nicht bliehen,
Und was der Garten sonst an Frucht und Beeren giebt.
Ein Kohl, den die Natur und nicht die Kunst geschiebt;
Ein Obst, das ebenfals nur die Natur getrieben,
Milch, Ey und Butterwerk, das rein und frisch geblieben;
Ein Kuchen, den das Weib weiß, fett und locker buck,
Dieß war was man zu Tisch und auf die Tafel trug:
Damit erquickten sich die Grosen und die Kleinen.
So blieben sie gesund und stark an Fleisch und Beinen
So lebten sie vergnügt, und gaben zu verstehn,
Wie gerne sie den Flor der Kindes=Kinder sehn,
Daher sie solchen auch die Gelder nicht verpraßten.

Jezt aber, da die Welt mit Segel, Wind und Masten,
Aus dem vor kurzem erst entdeckten Theil der Welt,
Das was auch Africa und Ceilon in sich hält,
Was uns Levante zeigt, was Welschlands Boden träget,
Was Ungarn, Spanien vor unsre Augen leget,
Mit stürmender Gefahr und Kosten hergebracht,
So wird der Alten Kost jezt spöttisch ausgelacht.
Der Deutsche Trauben=Saft, der Wein von unsern Reben,
Wird selten beym Besuch und Gastmahl hergegeben.
Der ist zu schlecht darzu. Es lüstert Mund und Seel
Nach neuer Leckerey gleich wie dort Israel.
Ein neuer Tag muß auch ein neu Gericht ersinnen!
Um der Verschwendung nur das sträfliche Beginnen
Aufs strengste, uns zum Spott und Schaden, zu vollziehn.
Eh noch die Speisen reif, wenn sie noch wäßrig grün,
und roh und sauer sind, so lüstert man nach diesen.
Da heists: Wenns andre schon auf ihrem Tisch geniessen,
So eckelt mir davor. Was theuer ist, schmeckt gut;
Was viele Thaler kost, das labet Zung und Blut.

Die alte Redlichkeit in Speisen und in Essen,
Bringt jetzt die Leckerey und Wollust ins vergessen.
Wie manche Härings=Milch (wer lacht jezt nicht mit mir)
Setzt man den Austern gleich in Auster=Schaalen für,
Daß man den Appetit der Lecker nur ergötze,
Und ihren lüstern Mund in süsse Ruhe setze.
Sonst nahm der Köchin Hand den Vogel=Mist heraus;
Jezt ist derselbige das beste auf den Schmauß
Wornach man sehnlich greift. Man darf den Hottentotten,
Der Darm und Mist verzehrt, hinführo nicht mehr spotten;
Ihr machts mit Vögeln so. Ja spricht die Weisheit jezt,
Der Vogel, welcher nur auf kräftgen Stauden sizt,
Ist ganz ein ander Ding; er frißt sonst nichts als Kräuter.
Gut! aber gehe doch nur wenig Schritte weiter
Da weidet eine Kuh, die gleichfals Kräuter frißt.
Warum gelüst dir dann nicht auch nach ihrem Mist?
(Doch dieses widmet man zum Schnupftoback der Schönen,
Die sich denselbigen so eifrigst angewöhnen,
Als wärs ihr Element.) Ein Hecht der Karpfen frißt,
Und dessen Aufenthalt ein klares Wasser ist,
Der scheint jezt nicht genug den Appetit zu stillen.
Die leckerhafte Welt, (sind das nicht närrsche Grillen?)
Ergötzet sich an dem, was in den Sümpfen kriecht,
Und was beym ersten Blick schon eckelhaftig riecht.
Die Kröten welche sich mit Schild und Harnisch decken,
Und dem der sie erblickt, nicht wenig Graus erwecken;
Die Frösche, die der Schlamm, Gestank, Pful und Morast
In seinem Inbegrief verschließt und in sich faßt,
Die groß gebildet sind, und recht gefährlich sehen;
Die Schnecken, welche sich kaum auf der Erde drehen;
Das, was so unrein ist und so abscheulich sieht,
Und öfters Magen=Schmerz und Drücken nach sich zieht,
Das soll, man höre doch, ich könnt es nicht errathen,
Viel delicater noch als guter Kälber=Braten,
Als Tauben, Hecht und Hahn, und Rinder=Zungen seyn.

Wie enge schrenkt sich doch jetzt Witz und Klugheit ein.
Was wird die Leckerey noch weiter unterfangen?
Habt acht, ich warne euch ihr schnell und krummen Schlangen,
Man stellt euch würklich nach, und macht euch endlich ein,
Als soltens köstliche und rare Bricken seyn.
Ihr Regen=Würmer weicht, kriecht ja nicht aus der Erden,
Ihr müst sonst würklich noch zu Wasser=Schmerlen werden.
Ihr Ratten seht euch vor, versteckt euch in die Höh,
Sonst macht man euren Leib zu einem Fricassee.
Ihr Fledermäuse fliegt, sonst steckt man euch ans Feuer.
Jezt hat man euch umsonst, man kauft euch doch wohl theuer,
Man sucht euch wohl alsdann mit vieler Müh zu Rom,
So wie den Regen=Schmerl im schnellen Tieber=Strohm.
Ja Maden, welche auch aus alten Käsen sprudeln,
Die werden endlich noch zu Moschcowitschen Nudeln.

Zur Nahrung und zur Noth pflegt man den Leib jezt nicht,
Zum Überfluß sind jezt die Zungen abgericht.
Der Tisch kan oft die Last der Schüsseln nicht ertragen;
Den Magen trachtet man mit Zungen=Lust zu plagen;
Nachdem man lang gespeißt und seinen Bauch gemäst,
Daß man kaum Ohdmen kan, und schwer und käuchend bläßt,
So wird Levantens Frucht durch Asch und Staub verzehret,
Wodurch die Wollust schon viel Beutel ausgeleeret.
Der Leib hat bey dem Tisch des Tags nur einmal Ruh;
Man bringt den ganzen Tag mit Trink und Essen zu.
Wodurch man die Vernunft und Tugenden begräbet,
Und mehr vor seinen Bauch als vor den Nächsten lebet.