Ich widerspreche nicht, daß hier ein Graf und Fürst
Nach theurem Trauben=Blut, und raren Weine dürst;
Daß er mit fremder Kost die Tafel reich bedecket,
Und manche Kostbarkeit und niedlich Essen schmecket;
Wer nehrte sich wohl sonst; wo käme sonst das Geld
Durch Handel und Gewerb und Nahrung in die Welt?
Ich tadle nicht, daß auch ein Reicher das geniesset,
Was in dem feinen Meer und fremden Ströhmen fliesset;
Daß er Italiens und Ungerns süsse Frucht
Von Reben oder Baum zu seiner Lust versucht;
Daß seine Zunge sich an diesen auch erquicket,
Was uns durch Wind und Mast Ost, West und Süden schicket:
Damit er der Natur auch ihre Schätze sieht,
Wie kräftig dieses schmeckt, wie prächtig jenes blüht,
Und weiß, wie jedes pflegt geschickt gemacht zu werden.
Dieß aber widerspricht der Klugheit auf der Erden,
Wenn er sich dran gewöhnt, und seinen Mund nicht zwingt,
Dieß ers aus Leckerey und Übermuth verschlingt.
Dieß kan die Tugend nicht, noch die Vernunft vertragen,
Daß Männer, welche sich durch Trug ans Bret geschlagen,
Die Fürsten ungetreu und Landes=Plager sind;
Daß Männer, welche sich durch Advocaten=Wind
Und rechtlichen Betrug ein Haufen Geld erlogen;
Daß Männer, die das Blut der Waysen ausgesogen,
Die Urtheil nur nach Gunst und Thalern abgefaßt,
Und die Gerechtigkeit als einen Feind gehaßt;
Daß Männer, die durch Pfand und Jüdische Intressen
Des Tagelöhners Brod, der Wittwen Scherf gefressen;
Daß Männer, die das Maas und Ehle und Gewicht
Und Waaren zum Betrug und Diebstahl eingericht,
Und sich mit Weib und Kind von dem Betrug ernehren,
Das speisen, was wohl oft die Grosen nicht verzehren;
Daß man die Tafel stets mit solchen Sachen füllt,
Womit sich nur der Mund und Wollusts=Zunge stillt.
Daß sich ein Bürgermann gleich wie ein Groser speiset,
Dieß ist, was die Vernunft und Tugend Thorheit heiset.
Wie seufzt die Liebe doch! o! zög ein reiches Weib,
Auch wohl ein stolzer Mann ein einzig Kleid vom Leib,
Ja einen Aufsatz nur, und deckte arme Seelen,
Die sich vor Kält und Frost, und Blöse trostloß quälen;
Entzög ein Leckermaul und ein Verschwender nur
Die Woche eine Kost von mancher Creatur;
Von seinem Uberfluß ein Gläßgen aus dem Keller;
Von seiner Tafel Last den Uberrest vom Teller
Und gäbs dem Lazarus, der dort nach Brode schmacht,
Wie seelig hätt er nicht die Wohlthat angebracht.
Wie herzlich würden sich die armen Brüder freuen;
Was würde nicht vor Heyl auf seinen Boden schneyen.
Ihr Eltern, die ihr stets nach Lecker=Speisen strebt,
Und alle Tag in Freud= und Zungen=Lüsten lebt,
Ists möglich, daß ihr ganz den Liebes=Trieb verfluchet,
Und eurer Kinder Noth durch eure Wollust suchet?
Wär noch ein Fünkgen Feuer von Elterlicher Lieb'
In eurer Brust, ich weiß, daß dieses unterblieb.
Ihr würdet euer Gut nicht durch den Mund verzehren,
Daß euer Saame sich mit Ehren könte nehren,
Der sonst vor Glück und Lob, wenn ihr dereinsten sterbt,
Der Unterdrückten Fluch, Schuld, Noth und Armuth erbt.
Ihr Eltern gehet hin, und lernet von den Raben,
Was sie vor Lieb' und Sorg vor ihre Jungen haben.
* * *
Da Gottes Allmachts=Hand, die Sonne, Tag und Zeit
Und diese Welt erschuf, und sie mit Seltenheit,
Mit Zierde, Glanz und Pracht und aller Schönheit baute,
Und was er nur gemacht, mit viel Vergnügen schaute.
Beschloß er, daß der Mensch, sein ächtes Ebenbild
Mit viel und groser Macht und Herrlichkeit erfüllt,
Und mit besonderm Glanz gezieret solte werden.
Der Schöpffer machte ihn zum Herrn der ganzen Erden.
Er was sein herrlichstes und liebstes Augenmerk;
Drum hat er selbigen auch über alle Werk
Die er so schön gemacht, die er so hoch geschätzet,
Und aller Creatur zum Fürst und Herrn gesetzet.
So herrlich und so hoch sah GOtt den Menschen an;
Er sprach: Mach dir die Welt und Erde Unterthan;
Herrsch über alles das, was auf der Erde lebet,
Was sich in Wassern regt, und unterm Himmel schwebet.
Allein! wo schließt der Mensch des Geistes Augen auf?
Wenn hebt er wohl sein Licht zur Sternenburg hinauf,
Und denkt an seinen Glanz, Macht, Adel, Würd und Ehre?
Daß er warhaftig auch ein Herr der Erde wäre.
Wie schätzt er doch so schlecht die gröste Herrlichkeit?
Wie setzt er die Vernunft, den Adelstand beyseit,
Den ihm sein Schöpfer gab? der Mensch von grosen Gaben;
Der Mensch, den GOtt so hoch gesetzet und erhaben,
Der diese ganze Welt und Erd beherrschen soll,
Der ein Monarch will seyn, der ist so dum und toll,
Und stellt sich so herab, daß er vom Saft der Trauben,
Und Bier sich Geist und Witz, Verstand und Kraft läßt rauben.
Ey seht! der stolze Mensch legt Sclaven=Fesseln an,
Und wird dem Erd=Gewächs so schimpflich unterthan.
Der Mensch, die kleine Welt, O! solt er sich nicht schämen!
Läßt sich von einer Frucht der Welt gefangen nehmen.
Der Seelen Wandelung, die so viel Streitens macht,
Da Zeno ihren Grund und Lehre vorgebracht,
Beweiset sich an dem, der sich zum Bacho wendet,
Und dem gefüllten Glaß Vernunft und Witz verpfändet.
Wo in der Seele sonst Verstand und Tugend saß;
Und man die Handlung stets nach klugen Regeln maß;
Da wird der Seelen Thun durch Saufen umgekehret,
Das Gute abgeschaft, verworffen und verstöhret.
Die Klugheit bläßt ihr Licht und ihre Strahlen ein;
Die Weisheit kan beym Trunk nicht mehr Regentin seyn.
Der Tugend=Fackel wird verlöscht und ausgebrennet,
Und was sich sonsten schön und nach dem Wohlstand nennet,
Das findet durch den Trunk ein ganz gewisses Grab,
Die Thorheit giebt darbey den klugen Redner ab,
Und spricht: Der Tod wird sonst vor mächtig ausgeschriehen,
Es muß auch in der That die Seel vom Leibe fliehen.
Allein die Lust zum Trank besitzet noch mehr Macht,
Durch diese wird so gar die Seele umgebracht.
Sie tödten selbt den Geist, Verstand und alle Sinnen.
Darius wach jezt auf! und höre das Beginnen
Der Knaben, die zur Wach bey deinem Throne stehn;
Wie jeder seinen Witz durch einen Spruch läßt sehn.
Mich deucht ich seh im Geist dein gröstes Königs=Zimmer,
Mir ist als fänd ich dich in deinem Glanz und Schimmer,
Und deine Mächtigsten um deinen Purpur=Thron,
Wie da der Klugheit Kind, wie da der Weisheit Sohn,
Vom Wein und seiner Kraft so schöne Reden führet,
Daß man den klugen Geist aus seinen Worten spühret.
Er hebt verwundernd an: Wie mächtig ist der Wein!
Denn er verführet die, so ihm ergeben seyn.
Fürst, Freye, Weise, Knecht, die Armen und die Reichen
Macht er, daß sie durch ihn an Witz einander gleichen.
Er raubet den Verstand, bringt Widerwärtigkeit,
Macht fröhlich, aber so, daß man das Ziel beyseit
Und aus den Augen setzt, daß man sich nicht bezwinget,
Noch auf des Landes Wohl wie sichs gebühret, dringet!
Er macht durch Phantasie und Wahnwitz alle reich;
Es denkt der Unterthan, er sey dem Fürsten gleich;
Setzt dadurch Ehr und Furcht und Demuth auf die Seite,
Und spricht, wem lächerts nicht? von groser Ehr und Beute.
Hat denn der Trunk den Geist in völliger Gewalt,
So gilt kein Freundschafts=Band. Es heist: Du Hundsfott halt!
Und zucke das Gewehr! Ist denn der Rausch vergangen,
So weiß man nicht, was man im Trunke angefangen.