Der Saal verliehrt sich mir; ich seh an dessen statt
Das Thier, das Bileam vordem geritten hat.
Es scheint, als kriegt es gar jezt seine Sprache wieder,
Und ruft den Menschen zu: Ihr singt mir tolle Lieder
Von meiner Einfalt vor. Doch kommt in meinen Stall,
Gebt nur ein wenig acht, ihr merket überall
Daß ich an Klugheit euch bey Weitem überstiegen,
Ich speise nicht mehr Heu, drum bleibt sehr vieles liegen,
Als nur mein Hunger braucht. Kein Wasser trink ich mehr,
Als biß mein Durst gelöscht. Ich wüst nicht wie mir wär?
Solt ich, das dümmste Thier, den Magen überladen,
Und mir an meiner Kraft und der Gesundheit schaden?
Ihr Menschen aber seyd viel ärger als das Vieh,
Weit dummer als wie ich. Ihr esst und trinket nie;
O! nein! ihr sauft und schwelgt, und hört nicht auf zu fressen,
Biß die Vernunft versenkt, und alle Schaam vergessen,
Und ausgerottet ist, biß daß die Tugend stirbt,
Und jeder unter euch der Höllen=Lohn erwirbt.

Ich habe ehedem in einem Buch gelesen,
Daß Circens Zauberstock, so kräftig sey gewesen,
Daß er Ulysses Volk in Thiers=Gestalt verkehrt.
Da mich nun jezt ein Schwein in meiner Rede stöhrt,
So glaub ich, dieß gehört mit unter solchen Orden,
Die durch den Zauberstock zu Thieren sind geworden.
Ihr Menschen! hört doch zu, wie es so artig spricht:

Willkommen Brüdergen! kennt ihr die Schwester nicht?
Willkommen Brüdergen! nun ist mein Leid verschwunden,
Weil ich euch allesamt so glücklich wieder funden.
Auf! füllt der Sittenkunst zu Trutz die Gurgeln an,
Schwelgt, fresset, sauft und schluckt, so lang als einer kan,
Besudelt euren Leib, die Erde, Kleid und Kragen,
Und laßt euch wenns geschehn, aufs Streu im Stalle tragen;
Alsdann wird euer Nest gleich wie das Meine seyn,
Da werft euch mit mir um, und schlaft so wie ich ein.

O Mensch! verlangst du denn wie diese Sau zu stinken?
Wer klug ist, pfleget sich mit nichten voll zu trinken!
Er trinket vor den Durst zur Labung und zur Stärk;
Die edle Nüchternheit ist stets sein Augenmerk.
Ein Kluger weiß wie sehr er seinen Schöpfer kränket,
Wenn er zum Überfluß die Zung und Lippen tränket;
Er weiß wie sehr die Kraft der Seelen Schaden leidt;
Wie sehr er Gottes=Hauß durch solche That entweyht;
Wie weit die Tugend flieht; wie weit der Wohlstand reiset;
Wie oft man nur zum Spott mit Fingern auf ihn weiset,
Und ihn verächtlich hält; daß sein Gesundheits=Kahn
Auf dem Schlaraffen=Meer bald Schifbruch nehmen kan:
Deshalben will er nicht mit unterm Narren Haufen
Nach Lethens todten Pfuhl zu seiner Schande laufen.

Wir haltens insgesamt vor eine Landes=Noth,
Wenn uns ein feindlich Heer mit Schwerdt und Pulver droht,
Und unsre Friedenstadt bemüht ist zu belagern,
Und durch die Kriegeskunst gedencket auszumagern,
Durch Kugeln, Blitz und Glut die Stadt verderben will.
Wie kläglich klingt nicht da das Sayt= und Singe=Spiel?
Man fürchtet Schwerd und Feind, und schmiedt doch selbst die
Waffen,
Wodurch wir unsern Fall, Noth, Todt und Elend schaffen.
Die Liebe zu dem Trunck ist gar ein starcker Feind,
Ob er gleich ohn Geschütz und Schwerd und Bley erscheint.
Ein oft gefülltes Glaß mit Gerst= und Reben=Tropfen,
Ist schon genug bey uns, zum Kriege anzuklopfen:
Der Sieg ist auch gewiß; Es nimt gar bald der Wein
Das Hauptwerck an dem Bau der Leibes=Festung ein.
Er hauset als ein Feind, und raubt und plündert alles,
Was die Natur zur Wehr und Hindrung unsers Halles
Durch die Vernunft gesetzt. Da springet Thor und Thür,
Geist, Kräfte, Ehre, Glück, das alles missen wir.
Die Thorheit kan darauf die Siegs=Trompete blasen,
Sie ruft: Die Tugend fiel alhier auf diesen Rasen.

Ich bin kein Prediger der vor die Seele schreibt,
Wo sie in solchem Fall, wenn sie verschwindet, bleibt.
Kan sie nach Salem wohl Elias Wagen tragen;
So wenig, als den Mann der im Duell erschlagen.
Ich rede nur wie tief, wie sehr ein trunckner Mann
In Schande, Hohn und Noth und Elend fallen kan.
Ward Loth nicht durch den Trunck ein Eydam seiner Töchter?
Ward Noah nicht dadurch den Söhnen ein Gelächter?
Ward Nabal nicht durch ihn des Lebens=Lichts beraubt?
Verlohr nicht Holofern dadurch sein Helden=Haupt?
So schändlich starb ein Held der Volck und Land bezwungen.
O! wie verderbet euch die kleine Lust der Zungen!
Ein Kluger wundert sich, wie solches möglich ist,
Daß sich ein Gläser=Freund so liederlich vergißt,
Vernunft, Verstand und Witz und Wohlstand nicht bedencket,
Und diß zum Opferdienst dem stummen Bacho schencket.

Die Menschheit äusert sich durch Sprache und Verstand,
Wo wird diß beydes wohl am Trunckenbolt erkannt?
Verstand und Geist ist hin, er weiß nicht was er sinnet,
Noch was er unternimmt und in der That beginnet.
Die Sprache wird gehemmt; es will kein reines Wort,
Noch Gruß, noch Redensart von Zung und Lippen fort.

Die Regel ist uns ja in Hirn und Brust geschrieben,
Wir sollen unser Wohl und uns vornemlich lieben.
Wir sollen allemahl der nächste Freund uns seyn.
Wo aber stimmet das mit Truncknen überein?
Ein Trunckner liebt sich nicht, er wird sich selbst zum Feinde,
Denn er verräth sein Herz dem Feinde und dem Freunde.
Er ist als wie ein Faß das voll, und übergeht,
Und von sich stößt und wirft, was vor dem Spunde steht.
Das Gute welches ihm zu Amt und Glücke dienet,
Wodurch sonst seine Lust und auch ein Wohlstand grünet,
Das stößt er durch den Trunck zu seinem Munde aus,
Und bringt sich um sein Glück, ja gar um Hof und Haus.
Ein andrer wendet das, was er im Trunk verrathen
Zu seinem Nutzen an, und fördert seine Thaten.
Ein Trunkner schweigt so gar von seinen Fehlern nicht,
Es wird ihm durch ihm selbst ein Schand=Maal aufgericht.
Er stürzt sich wohl darzu, durch trunknene Geschwätze
In Unglück und Gefahr; es straft ihn das Gesetze.
Ein Freund des Trunks kan nie ein Freund des Nächsten seyn.
Man lässet sich mit ihm in keine Freundschaft ein:
Denn er verräth den Freund, und schwazt von seinem Handel,
Von seiner Eigenschaft, Gespräch und Lebens=Wandel.
Ein Trunkner wird zum Spott, zum Kinder=Spott gemacht,
Wie höhnisch wird er nicht von allen ausgelacht?
Er lacht, wenn andere bey seinen Affen=Sachen
Und Kindervollem Spiel ein laut Gelächter machen.
Er merkt nicht, wenn man gleich sein laut Geschwätze höhnt,
Und jauchzet wenn man ihn mit Haasen=Pappeln krönt.
Zwey Stieber hält er oft vor zärtliche Caressen,
Die eine schöne Hand ihm gütig zugemessen.

Ein Trunkner glaubt === jedoch ich werff die Feder hin,
Weil ich nicht in Pariß noch Hollands Fluren bin,
Wo man die Laster darf bey ihren Namen nennen.
Ich putze nicht das Licht, ich möcht mich sonst verbrennen.

(a) Magnus.