Ein kluges Weibes=Bild das auf was hohes sinnet,
Buch, Kiel und Rohr ergreift,und Phöbum lieb gewinnet;
Der Warheit Grund erforscht; den Geist in Schriften übt,
Stellt bey dem ersten Kuß, den ihr Apollo giebt,
Sich gleich die Eifersucht, die Mißgunst und das Schmähen
Der dummen Männer für. Wer dieses nicht will sehen,
Wer dieß nicht leiden kan, der lege nur bey Zeit,
Die Lust zur Wissenschaft, Buch, Kiel und Rohr beyseit.
Der Haß wird gleich erweckt so bald die Flöthen klingen,
Und wir nach Musen Art mit unsern Lippen singen.
Wie oftmals hab ich nicht aus Unmuth und Verdruß,
Weil man so viel Geplärr und Narrheit hören muß,
Manch schönes Tage=Werck in tausend Stück zerrissen,
Und Phöbens Lauten=Spiel in Winkel hingeschmissen.
Nur neulich nahm mich noch der feste Vorsatz ein,
Ein Feind der Poesie biß in die Gruft zu seyn.
Allein der jähe Schluß ward bald zurück getrieben;
Wie könt ich das verschmähn, was kluge Leute lieben?
Man schweige gänzlich still; man tadle Midas Sohn,
Man lobe Mavors Kind, man findet gleichen Lohn.
Man mag die Tugend schön, die Laster heßlich schelten,
Der Danck ist einerley; wir müssens doch entgelten.
Wer Tugend und Vernunft an allen Menschen liebt;
Die Weißheit ehrt und schätzt, der Warheit Beyfall giebt,
Sich niemahls scheel dazu, wenn man Satyrisch dichtet,
Und auf die üble Zucht die schärfste Hechel richtet.
Ist jemand Nabals Art, an Geld und Boßheit reich,
Der bleibet doch verstockt es gilt ihm alles gleich.
Kan ich die Narren nicht durch sanfte Lieder rühren,
Ey! So versuch ichs jetzt durch beissende Satyren!
Der Vorsatz ist gefaßt, die Flöthe ist gestimmt;
Was frag ich nach dem Neid, der sich schon windt und krümt.
Ich singe von der Welt und von verderbten Sitten:
Mein Satyr hat sich schon ein neues Rohr geschnitten.
* * *
Da noch die Erde stund; die Sonn im Cirkel lief;
Da man den tapfersten zum Regiment berief;
Da Helden aus der Schlacht durch ihre Kunst im Siegen,
Den höchsten Fürsten=Stuhl, und Königs=Thron bestiegen;
Da man den Adel nicht nach sechzehn Ahnen maß,
Und den nur adlich hieß der Tugenden besaß,
Der sich nur durch sich selbst Glanz, Ehr und Ruhm erworben,
Dem Vaterland zu Nutz gelebt und auch gestorben.
Da man den Würdigsten zum Landes=Vater nahm,
Ob er schon nicht vom Blut gekrönter Prinzen kam;
Da man aus Liebe nur zu solcher Zeit die Bräute,
Nicht aber nach Geburt und Tonnen Goldes freyte;
Da mancher Fürst im Thor und im Gerichte saß,
Die Klagen selbst vernahm, und erst das Urteil laß
Eh er es unterschrieb; da Fürsten das genossen,
Was sie durch Fleiß gezeugt, und durch die Faust geschossen,
Da eine Gasterey aus Honig, Wein und Bier,
Aus einem guten Kalb, nebst einem fetten Stier
Und Kuchenwerck bestund; da man noch Fürsten Frauen
Bey ihrer Mägde Fleiß und Arbeit konte schauen;
Da man wie Jacob dort wohl ganzer vierzehn Jahr
Um eine Braut gedient, die schön und häußlich war.
Da man mit Eyden nicht als wie mit Blumen spielte;
Und was man zugesagt, bey Treu und Glauben hielte;
Da noch die Tapferkeit in Thiere Häute kroch,
Und man im Felde nicht nach Mehl und Biesam roch;
Da man ein schlechtes Kleid statt seidner Stofe führte,
Und ein gestickter Rock nur Königs=Kinder zierte,
Da war noch gute Zeit; da blühte Volk und Staat;
Da fand der Landmann Trost; da fand der Bürger Rath,
Und jeder Schutz und Recht; da dürfte man nicht klagen,
Daß die Gerechtigkeit zu Grabe sey getragen.
Kein Reicher ward geprest, kein Landmann arm gemacht,
Die Waysen wurden nicht um Geld und Guth gebracht.
Da gieng die Redlichkeit durchaus in vollem Schwange?
Weil Mein und Dein noch nicht die nächsten Freunde drange.
Da ward der Eltern Schweiß nicht freventlich verpraßt;
Verschwendung war so sehr als wie der Geitz verhaßt;
Da pflegte man sich noch in reine Keuschheits=Seiden,
Und nicht in Wollusts=Schmuck und Hoffart einzukleiden.
Ein jeder hatte sich nach seinem Stand geschmückt.
Da aber nach der Zeit der Thier=Kreiß sich verrückt,
Und ein Copernicus den Erd=Ball umgedrehet,
Daß nun derselbe lauft, die Sonne stille stehet;
So hält die Tugend auch im Lauf gar öfters ein,
Es scheint der Menschen Thun ganz umgekehrt zu seyn.
Jetzt zeigt die Demuth nicht die schönen alten Proben.
Die Sitten sind verderbt, wer will die Zeiten loben?
* * *
Der Seelen Wandelung wird niemand Glauben geben.
Warum? Wir wissen jetzt von einem andern Leben.
Inzwischen sieht man doch daß Ahabs schnöder Geist,
Mit samt der Jesabel sich noch auf Erden weist.
Ich dächt, es sässe ja dort am Regierungs=Ruder
So mancher ungerecht und böser Ahabs Bruder,
Der nach des Nächsten Haus, Gut, Feld und Garten tracht,
Und täglich sorgt und sinnt, wie er es klüglich macht,
Daß er durch armen Schweiß mit einem Schein der Rechte
Sein Haus noch grösser bau, sein Gut verstärken möchte.
Hier dürst er geitziglich nach einem Reben-Berg;
Dort nach dem schönen Stück von Feld und Gartenwerk.
Hier macht er auch so gar nach Hunden, Vieh und Pferden
Die eigennützigsten und gräulichsten Geberden.
Da fällt ihm wiederum der Vögel Stimm und Zier,
Hier Flinten und Gewehr zum Augenmerke für.
Kurz, was er hört und sieht, das will und muß er haben,
Und solt er sichtbarlich damit zur Hölle traben.
Sein Geitz und Eigennutz, sein Neid, Stolz und Betrug
Macht den verruchten Geist durch krumme Ränke klug;
Doch weil ein böser Geist die Einsamkeit verfluchet,
Und sieben Stärkre noch zur treuen Freundschaft suchet.
So wehlt er sich zum Trost, zum Rath und Hülf=Gesell
Der Tugend Mörderin, die freche Jesabel.
Da muß die Themis fort; das Recht wird unterdrücket;
Und auf des Nächsten Halß der Boßheit Schwerd gezücket;
Da wird des Bürgers Gut um Spott=Geld feil gemacht;
Da heists: verkaufs doch dem, der Strafe, Recht und Macht
In seinen Händen hat; er kan euch wieder schaden,
O! setzt euch doch vielmehr bey ihm in Gunst und Gnaden.
Spricht denn der arme Mann: Der Reiche hat sein Brod,
Dieß aber dienet mir zu meiner Leibes=Noth;
Dieß ist das einzige, woran ich mich erfreue;
Sein Haus ist groß genug zur Wohnung, Stall und Streue.
Mein Häusgen ist zwar schlecht, doch liegt es mir bequem,
Weil ich von diesem Ort die meiste Nahrung nehm,
Drum ist es mir nicht feil. Da lodert denn das Feuer
Aus seiner Asch herfür; da tobt das Ungeheuer,
Da raßt die Höllen=Brut, und saget ohne Scheu:
Daß dieß ein troziger und böser Bürger sey.
Da kränkt, da drückt man ihn, daß er sich soll vergehen,
Da sucht man Sylb und Wort mit Vorsatz zu verdrehen.
Da bürdet man ihm auf, er hab der Obrigkeit
Geflucht, und ihr mit GOtt und seinem Zorn gedräut.
Da heists, man straf ihn nur an Leib und Gut und Ehre,
Und wenns auch wider GOtt und alle Rechte wäre.
Die Warheit wird verlacht, die Unschuld ausgehöhnt,
Und die Gerechtigkeit mit Schimpf und Spott gekrönt.
Das Evangelium mag hin und her gebiethen,
So sucht doch Jesabel und Ahab fort zu wüthen.
Da wird der arme Mann mit List, Gewalt und Macht
Um Haus und Feld und Vieh, und was er hat, gebracht.
Heist dieß das Richter=Amt an GOttes statt verwalten?
Heist diß den Unterthan bey Freyheit zu erhalten?
Es sollen Väter seyn, durch die sich jeder nehrt;
Ja Räuber, deren Wuth der Armen Schweiß verzehrt.
Wenn edle Geister sich durch Pulver oder Schriften,
Durch Großmuth, Fleiß und Witz ein ewig Denkmaal stiften:
So wünscht ihr auch ein Maal damit man von euch spricht.
Doch weil euch Geist, Vernunft und Trieb darzu gebricht,
Weil euch der Weg zu schwer; so tragen Ahabs Hände
Des Nahmens schnöden Ruf biß an der Erden Ende.
O Ruf! O Nahmens=Maal! das zwar nicht untersinkt;
Das aber nur nach Schand und nach der Hölle stinkt.
O Ruf! der euch ein Maal, ein Brandmaal ins Gewissen
Und Schandfleck ins Gesicht geritzet und gebissen.
So tobt, so raßt die Welt, so stirbet die Vernunft;
So lebt die Laster=Brut; so blüht der Thoren Zunft.
* * *