Wie thörigt würde doch dein Rath o Jethro! klingen,
Wenn du wie ehemals den Vortrag woltest bringen:
Sezt diese, diese nur in Amt und Dienste ein
Die klug, gerecht und fromm, warhaft und redlich seyn,
Ja, die den schnöden Geiz von Grund der Seele hassen:
Man würde dir gewiß ein Liedgen singen lassen,
Das dir sehr schlecht gefiel. Es hieß: der Mann ist toll,
Er weiß noch nicht einmahl wie man recht leben soll.
Die Zeit ist nicht mehr hier, die ehedem gewesen,
Denn was wir hier und da in alten Büchern lesen,
Das geht bey uns nicht an. Die Zeiten sind jezt neu,
Da man nicht lange fragt, ob jemand würdig sey.
Wer in der Auction der Aemter wacker biethet;
Die Stimmen um das Mark der tiefen Klüfte miethet,
Der steiget schnell empor, und wird ein Licht der Stadt,
So wenig er auch sonst an Witz und Tugend hat.
So wenig er erlernt, wie man den Richt=Stuhl zieren,
Und was man wissen muß, ein Amt gerecht zu führen.
So geht es, leider! her. Allein was folgt darauf?
Dem Miethling ist nunmehr die Themis selbst zu kauf;
Sein drangewandtes Geld läßt ihn nicht ruhig schlafen,
Er trachtet Tag und Nacht, wie er es von den Schaafen
Mit Vortheil wieder zieht. Da sinnt er auf Betrug,
Setzt viele Sporteln an, und andre Kosten gnug.
Da wird der Neben=Christ, der Unterthan gedrücket,
So gut sichs nach der Zeit und seinem Anschlag schicket.
Wem aber nicht das Glück die Börse schwer gemacht,
Der wird durch Kupplerey zu Amt und Stand gebracht,
Er schleicht sich voller List und Schmeicheley nach Hofe,
Und nimmt die abgeküßt und sonst beliebte Zofe
Zum lieben Ehgemahl. Da wird er denn ein Mann
Der wacker und galant und herrlich leben kan.
Ey seht? Wer wolte nicht durch schöner Frauen Schürzen
Sein Glück und Ehre baun, und seine Noth verkürzen!
Ihr Männer! tretet auf! trotzt! raubt uns diesen Ruhm!
Ist nicht die Zwingungs=Kraft der Weiber Eigenthum?
Die Stärcke ihrer Hand, die Artigkeit der Minen,
Und der beredte Mund muß euch zur Würde dienen.
Man hat den alten Brauch nunmehro abgethan,
Da bloß der Mann durch sich zum Manne werden kan.
Durch Weiber müssen jetzt die Männer Männer werden:
Durch Weiber werden jetzt auch Hirten über Heerden.
Ich tadle dieses nicht, daß sich ein Mann bemüht,
Und bey dem Ehverband auf seine Wohlfahrt sieht,
Ein kluger muß ein Schmidt von seinem Glücke heisen.
Dieß kan er nirgends ehr als bey der Heyrath weisen,
Wenn er durch Fleiß und Witz, Treu, Tugend und Verstand,
Der Eltern Lieb und Gunst, der Gönner holde Hand
Und Herze zu sich zieht, und solch ein Weib erlanget,
Das nebst dem Reichthum auch mit schöner Tugend pranget.
Dieß ist der Vorsicht=Schluß, dieß ist der Wächter Rath,
Wenn Moses, den die Furcht und Angst vertrieben hat,
Durch seiner Tugend Glanz sein Glück by Jethro gründet,
Und Mahlon Glück und Wohl bey Moabs Töchtern findet,
Wenn Jacob, der den Grimm des Esaus fliehen muß,
Und in entfernter Luft durch GOttes weisen Schluß
Sein Glücke suchen soll, der Rahel Herz gewinnet,
Und Labans Gunst erhält, weil er auf Mittel sinnet,
Wodurch der Segen sich in seiner Arbeit mehrt,
So, daß ihn jedermann deswegen liebt und ehrt.
Wenn Saul des Davids Glück und Treu und Dienst betrachtet,
Und Michal ihm zur Braut zu geben würdig achtet,
Diß kommt vom Sternen=Pol und von der Allmacht her.
So fördert keusche Lieb Glück, Wohlstand, Ruhm und Ehr.
Wenn aber sich ein Mann nach Frauen=Lippen sehnet,
Die schon ein geiler Mund beflecket und verwehnet;
Wenn er die Delila so hoch als Sara schätzt,
Und sich recht wissentlich in Hanrey=Orden setzt,
Um nur der Fürsten Gunst und Liebe zu erlangen,
Und als ein Herr und Mann in Amt und Dienst zu prangen
Der muß schier fällt mir gleich das alte Sprichwort ein;
Ein rechter braver Kerl, ja wohl noch sonst was seyn.
Doch warum ärgert euch, die Heyrath frecher Dirnen?
Was, soll ich über euch ihr Venus=Nympfen zürnen?
Nahm doch Hosea dort, der ein Prophete war,
Zu seiner Frau ein Weib aus frecher Huren=Schaar.
Wer kan es wohl mit Recht den Dürftigen verdencken,
Wenn sie aus Geld=Begier ihr Herz der Dina schenken?
Wer hat bey Fürsten Glück? wer baut sein Ehren=Haus
Bey Göttern dieser Welt? vieleicht wer frey heraus
Und nach der Redlichkeit die rechte Art beschreibet,
Nach welcher Volk und Land am ersten glücklich bleibet;
Nach welcher sich ein Herr den Thron im Herzen baut;
Daß man ihn Freudenvoll und nicht mit Zittern schaut;
Daß dieß ein Titus sey der voller Huld regieret,
Sein Amt dem Argus gleich auch schlummrend wachsam führet.
Der für gemeine Ruh gleich als ein Pharus brennt;
Der keine Schmeicheley; nur bloß die Warheit kennt;
Der treue Diener nicht wie Sigismund (e) belohnet;
Der zwar die Boßheit straft, der Unschuld aber schonet;
Ja der wie Salomon der Weisheit sich ergiebt,
Und solche höher noch als Ehr und Reichthum liebt.
Was meint ihr: solte wohl ein Mann von solchen Wesen
Und solcher Redlichkeit sein Glück am Hofe lesen?
An manchen glaub ich wohl; doch möchten wenig seyn
Die dieß beherzigten. Der schnöde Heuchel=Schein
Hat meist die Oberhand, biß Artaxerxen träumet,
Er hab an Esters Freund die Dankbarkeit versäumet.
Indessen steigt doch fast nur Hamans Brut empor,
Wer sich in Fuchs=Pelz hüllt, und mit der Schmeichler Flor
Das Angesicht bedeckt, der darf nach Hofe kommen,
Und wird noch desto ehr zum Diener angenommen,
Wenn er Projecte macht, wodurch man Geld gewinnt;
Wie man auf Aecker, Haus, auf Nahrung, Pferd und Rind
Und Dienste Gaben legt, die vormahls nicht gewesen,
Von welchen sonst kein Wort im Freyheits=Brief zu lesen;
Wie man die Bürgerschaft mit Zoll, Accieß beschwert,
Und ihnen mit Manier den Beutel folgends leert.
Doch seht! ihr brüstet euch und gebt mir zu verstehen,
Es fordre grosen Witz mit Prinzen umzugehen,
Man müsse jederzeit aus Ehrfurcht, Lieb und Treu
Auf ihr Intresse sehn, daß dieß in Wachsthum sey.
Gar recht: Bedenkt auch nur fein allzeit das Gewissen;
Ihr dürft es leicht versehn, so trit man euch mit Füssen;
Vom Feuer und vom Licht bleibt schlaue Klugheit fern,
Denn wer zu nahe kömmt derselbe brennt sich gern.
Ihr Thoren! die ihr euch so gern in Fuchs=Peltz kleidet
Wie kömmt es, daß ihr nicht die glatten Worte meidet?
Ist wohl ein Fuchs so dumm, daß er sich dahin hält,
Wo man vor kurzer Zeit den Cammerad geprellt?
List, Schmeicheln, Eigennutz, Verrähterey und Lügen
Die dauren kurze Zeit, es kan sich leichte fügen,
Daß sich das Blätgen kehrt; sehr selten findet man,
Daß einer sich dadurch im Glück erhalten kan,
Weil grosser Herren Gunst gar bald wie Schnee zergehet,
Da nach dem heisen Strahl ein Regen=Guß entstehet.
Die Unbeständigkeit findt stets bey Höfen Raum;
Der Fürsten Gnad und Huld ist meist ein süsser Traum.
Die Frucht, die jählings reift, die Blume die bald blühet,
Fällt desto eher ab, wie man ja täglich siehet.
Je schnell, je höher man bey grosen Herren steigt,
Je näher ist das Glück zu seinem Fall geneigt.
Wie öfters sinken nicht die grösten Favoriten!
Erst herrschten sie im Schloß; jetzt darben sie in Hütten.