Ihr Thoren! die ihr euch nach Herren Gnade dringt,
Und sie durch mancherley Betrug und List erzwingt,
Wenn gleich der Bürger seufzt, und euch im Herzen hasset,
Was ist es daß ihr euch auf ihre Gunst verlasset?
Sie währet doch nicht lang; kömmt endlich euer Fall
So ist kein Freund nicht da, so ruft man überall:
Triumph! der Haman liegt, der Land und Bürgern fluchte,
Und ihren Schaden nur durch seine Ränke suchte.
Man diene seinem Herrn als ein getreuer Mann,
Das heist weit klüglicher gehandelt und gethan,
Drück aber nicht das Volk, und sey nicht stolz im Glücke,
So kriegt man doch beym Fall noch Mitleids=volle Blicke:
Da jener, welcher nur den Unterthan geplagt,
Und ausgesogen hat, warhaftig nicht beklagt,
Und nur verspottet wird; wer Herren Gnade trauet,
Der hat sein Haus und Glück auf leichten Sand gebauet;
Der schwebt wie auf dem Meer, da bald ein Sturm entsteht,
Wodurch Glück, Hofnung, Trost und Leben untergeht.

Ein andrer Weg ist noch (wenn sonst nichts mehr zu hoffen,
Und Treu und Tugend weg) zum Amt und Ehre offen.
Verläugne deinen GOtt und die Religion,
So trägest du ein Amt und manch Geschenk davon.

Ist das die schöne Bahn zur Ehren=Burg zu steigen?
Wie will ein solcher sich gerecht und Treu bezeigen?
Folgt nicht hieraus der Schluß: Wer GOtt nicht Glauben hält,
Und ihn verschwört und teuscht, der wird gewiß der Welt,
Dem Nächsten und dem Land wohl schwerlich treu verbleiben,
Und sein vertrautes Amt gewissenhaftig treiben.

* * *

Wie glücklich warst du doch berühmtes Griechenland!
In deinem größten Glanz; ich meine, da dein Stand
In Flor und Freyheit war; da man die Arbeit liebte;
Da deine Jugend sich in Ritterspielen übte;
Da man den Lorbeer=Zweig durch Kunst und Fleiß erwarb,
Und wie man erst gelebt, so auch mit Ehren starb.
Du warest ohne Geld und Stand berühmt und weise,
Die Tugend ward belohnt; nach klug vergoßnem Schweise
Ward jeden nach Verdienst der Ehren=Kranz gebracht,
Und also durch sich selbst die Bahn des Glücks gemacht.

Wo sind die Zeiten hin, da die Gymnosophisten
Die Jugend eher nicht mit Kost und Lob begrüsten,
Als biß ein jeder sprach: Dieß hab ich heut gethan;
Ich habe nach Befehl der edlen Tugend Bahn
Mit Ernste nachgefolgt; dieß hab ich aufgeschrieben,
Worzu die Weisheit mich mit Nachdruck angetrieben.
Dieß hat mein reger Fleiß und Witz hervor gesucht;
Dieß ist von meinem Geist und Einsicht eine Frucht?
Wo ist der Parther Brauch? der meistens dahin gienge,
Daß nie ein fauler Mensch den Unterhalt empfienge.
Wie ändert sich die Zucht? Wie ändert sich die Zeit?
Jetzt wird der dümste Kopf mit Ehr und Schmuck erfreut.
Vergebens ist es jetzt, daß man die Tugend liebet,
Vergebens, daß man sich in Wissenschaften übet,
Vergeblich, daß man Tag und Nacht bey Büchern schwitzt,
Umsonst, daß man den Kiel zu klugen Schriften schnitzt.
Geld macht jetzt tugendhaft, gelehrt, geschickt und weise:
Ein reiches Stutzergen kan mehr als alte Greise,
Verstand, Gelehrsamkeit, Witz, Ansehn und Vernunft,
Ring, Hut, ja gar ein Platz in der gelehrten Zunft,
Ist jetzt so gut als Obst um baares Geld zu haben.
Geld; nicht die Wissenschaft, sind jetzt die besten Gaben.
Geht ins gelehrte Haus, und ins Collegium,
Beseht den Candidat, ob solcher nicht so stumm
Wie der Catheder ist? Man wird ja sonder Grämen,
Sich als ein Stoicus zwey Stunden können schämen.
Wie viele giebt es nicht, die klug und weise sind,
Ob man bey ihnen gleich sehr wenig Suadam findt;
Muß nicht die Theorie der güldnen Praxi weichen?
So kan ein Doctorand der Weisheit Grund erreichen,
Und doch kein Redner seyn. Zudem, was ist es dann
Wenn schon der Candidat nicht wohl bestehen kan,
Und öfters stille schweigt? Hat man doch sonst vernommen,
Daß grose Redner nicht in Reden fortgekommen.
Auch selbst Demosthenem erschreckt der Gegenstand.
Ein Haupt das Kronen trägt, der Scepter in der Hand,
Der Strahl der Majestät macht kluge Redner blöde.
Allein vor dem erschrickt fast mitten in der Rede
Der neue Doctorand? ha! ha! jetzt fällt mirs ein,
Es wird ein tiefer Satz vom Opponenten seyn,
Den er sich nicht versehn. Der Vorwurf ist zu wichtig,
Die Schlüsse überhaupt sind bündig, gut und richtig;
Dieß giebt nun seiner Brust den härtsten Donnerstreich,
Dieß macht, daß auch sein Herz als wie ein Wachs so weich,
Die Zunge starrend wird. Die Angst wird immer stärker,
Das Herze klopft so stark als kaum in einem Kerker
Ein Inquisite bebt, wenn sich der Opponnent
Zu einem andern Satz und neuen Vortrag wendt;
Die Dissertation hat er nicht können machen,
Drum weis er nirgend hin; da giebt es gnug zu lachen.
Indeß bekommt er doch, was seine Brust vergnügt;
Was schadets, wenn man gleich mit fremden Kälbern pflügt.
Ja, ist die Noth auch gleich aufs äuserste vorhanden,
Und scheints, als würde jetzt der Doctorand zu schanden,
Weil er nichts reden kan, so legt ein Freund sich drein,
Und sucht in dieser Angst sein Advocat zu seyn.

O du Beredsamkeit! Was fliehst du von den meisten,
Und wilst zur Zeit der Noth gar keinen Beystand leisten.
Jedoch was klag ich doch den Götter=Bothen an?
Ist nicht der Unverstand und Trägheit Schuld daran?
Wer fordert denn von dir ein spät und langes Schwatzen,
Als wolte dir der Bauch vor groser Weisheit platzen.
Sprich kurz, doch aber gut, klug, geistreich, gründlich, rein,
Beredsam, angenehm, so magst du Doctor seyn.
Kan doch ein Ackerknecht, und dummer Schäfer=Junge,
Mit seiner unberedt und öfters rauhen Zunge,
Von Schaafen, Pflug und Trift, von Aeckern, Pflanzen, Saat,
Geschickte Antwort thun, so viel er Kundschaft hat.
So wird ein Candidat doch so viel Maul besitzen,
Als ihn zur Zeit der Noth zur Ehre könte nützen.
Die schlechte Wissenschaft und nicht der Mund ist Schuld;

Die Liebe hat indeß mit Stümpern auch Gedult.
O Deutschland! glaube nicht bey Schenckung deiner Ehren,
Als ob in Welschland nur Doctores fruchtbar wären;
Du kriegst jetzt gleichen Ruhm. Nicht wahr? du sagest ja,
Dein groser Inbegrif hält manches Padua.

* * *

Welch ein Trommeten=Thon erschallet biß an Himmel!
Wer macht ein solch Getöß und mächtiges Getümmel
Wie dorten Jacobs Fürst vor Jericho gethan?
Ey seht! ein altes Weib, und nicht ein Krieges=Mann
Erhebt ein solch Geschrey: Die Heucheley ruft heftig:
Folgt meinen Füssen nach! seyd munter und geschäftig
In meinen Dienst zu gehen! räumt mir die Herzen ein,
Und laßt von eurer Treu den Wandel Zeuge seyn.
Entschuldget euch nur nicht mit schwacher Geistes=Stärke;
Man lernet meine Kunst und meiner Hände=Werke
Mit schlecht und leichter Müh. Auf! folget meinem Schritt,
Ich geb euch Geist und Kraft, Verstand und Stärke mit.
Ihr spührt in meinem Dienst nichts von Gefährlichkeiten,
Die andre Leute sonst bey ihrem Thun begleiten.
Nehmt nur die Lehren an die euch mein Mund erklärt: