Der nächste Tag war ein Samstag. Es war [trübe], und der Regen fiel in Strömen herab. Ich saß am Fenster und sah die dicken Tropfen am Fenster-Glase herunterfließen. Ich sah auf die Straße und lachte, wenn dann und wann ein Mann schnell vorüber rannte. Sonst war alles öde, — auch in unserm Hause. — Martha sah ich den ganzen Tag nicht einmal; sie wäre ein wenig unwohl, ließ sie sagen, und hätte keinen Appetit.
Sonntag kam, die Sonne schien wieder ein wenig. Die Glocke läutete zur Kirche. Da sah ich Schwester Martha wieder zum ersten Male; sie war nicht mehr dieselbe.
Bist Du wieder wohl, liebe Martha, rief ich ängstlich?
Danke, Schwester, ich bin wohl, antwortete sie und lächelte ernst. Ihr Lächeln war so [eigentümlich], und in ihrer Stimme lag ein fremder Ton.
Wir gingen zur Kirche. So inniglich sang heute Martha, so inniglich betete sie heute! Thränen rollten aus ihren Augen, und sie hörte aufmerksam auf die Predigt des [Geistliche].
Ich erinnere mich der Predigt noch heute. Der Text war: Lucas 18, Vers 29 u. 30.
»Er aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage Euch, es ist niemand, der ein Haus verläßt oder Eltern oder Brüder oder Weib oder Kinder, um des Reiches Gottes willen, der es nicht vielfältig wieder empfange in dieser Zeit und in der zukünftigen Welt das ewige Leben.«
Von diesem Tage an wurde Martha stiller, als sie je zuvor gewesen war. — Sie blieb freundlich und liebevoll gegen alle. Sie selbst aber [glich] einem Engel, der still im Hause [waltete].
Doch der Vater schüttelte ernst den Kopf, und die Mutter war traurig, und die Freunde gingen nachdenkend vom Hause.
Und da war einer, der [litt] besonders.