Es war eine freudige Fahrt; mit Tanz und Gesang und Spiel [verkürzten] sie die Zeit. Neun Tage waren sie gefahren und sie näherten sich Burgund. Gunther bat Siegfried, nach Worms voraus zu reiten, sein Glück und seine Ankunft zu verkünden.
Wie glücklich war Siegfried, als er diesen [Auftrag] hörte. Seine Ungeduld, seine [Sehnsucht] wuchsen, je näher er Worms kam, wo Krimhilde ihn sehnsuchtsvoll erwartete.
Mit vierundzwanzig Rittern ritt er auf Worms zu. Aber bald hörte er aus dem Schlosse lautes Klagen und Weinen, denn die Frauen hatten ihn ohne Gunther kommen sehen.
Als aber Siegfried im Schlosse stand, inmitten der Frauen, als er ihnen erzählte, daß Gunther ihm folge mit seiner Braut Brunhilde, — da verwandelte sich das Weinen in Freude und in [Jubel], und Krimhilde rief:
O, edler Ritter, dürfte ich euch nur mein Gold geben, als Boten-Lohn! Aber wie könnte ich euch solches nur [anbieten]?
Und hätte ich dreißig Länder, erwiderte Siegfried, so wäre ich nicht zu stolz, aus eurer Hand das kleinste Geschenk anzunehmen.
Da ließ Krimhilde vier und zwanzig goldene [Spangen] mit Edel-Steinen bringen und gab sie Siegfried. Dieser aber verteilte sie wieder unter Krimhildens Mädchen.
Nun laßt uns an den Strom gehen, sprach Siegfried, die Freunde zu empfangen.
Und bald bewegte sich ein langer Zug zum Rhein. Und da die Sonne schien, glitzerte alles von Gold und Juwelen. Hoch [zu Rosse] aber saßen viele Burgunder-Frauen im feinsten Schmucke, und tapfere Ritter führten die Pferde der Edel-Frauen; Ortewein [begleitete] die Königin Ute, Siegfried aber führte Krimhildens Pferd am Zügel.
So kamen sie an den Rhein, und bald landeten die Schiffe.