An Gunthers Hand stieg Brunhilde aus dem Schiffe, und ihnen folgten viele Frauen und tapfere Ritter.
Krimhilde eilte auf Brunhilde zu und hieß sie willkommen mit Kuß und Umarmung.
Da sprach wohl mancher Ritter: Nie habe ich zwei Frauen von solcher Schönheit zusammen gesehen.
Doch die Kenner sagten: Krimhilde ist die schönere. — Bald darauf bewegte sich der Zug jubelnd zum Palaste des Königs.
Gunther hatte versprochen, dem tapfern Siegfried seine Schwester Krimhilde zum Weibe zu geben für seine Hülfe im Kampfe; und bevor sie sich niedersetzten zum Hochzeits-Mahle, erinnerte Siegfried König Gunther an sein Versprechen.
Was ich geschworen, will ich halten, sprach Gunther und ließ Krimhilde kommen.
Und als sie vor ihm stand in einem Ring von Helden, und als er mit ihr von einem Ritter sprach, den er für sie [gewählt], da errötete sie und ihr Herz klopfte gewaltig, denn sie ahnte, daß der Bruder von Siegfried sprach; und da sagte sie leise und verschämt:
Bruder, ich gehorche. Da küßte Siegfried vor allen Rittern seine schöne Braut.
Bald saßen sie bei Tische. Doch Brunhilde schien nicht glücklich zu sein! Warum [biß] sie die Lippen zusammen? Warum blickten die Augen bald [trübe], bald zornig?
Ihr [gegenüber] saß Siegfried und [neben] ihm Krimhilde, die liebliche Krimhilde! Und Thränen der Eifersucht, der bitteren, wilden Eifersucht [stürzten] aus Brunhildens Augen.