Bella: Ah, Reisen ist doch schön!
Dr. Albert: Das ist es, mein Fräulein.
Herr Meister: Und hat es Ihnen gut gefallen in meinem Deutschland, Herr Doktor?
Dr. Albert: Sehr gut, mein Herr. Glückliche Jahre habe ich dort verlebt. Deutschland ist mir teuer geworden.
Martha Meister: Wie lange ist es jetzt, Papa, daß Du nicht in Deutschland gewesen bist?
Herr Meister: Viele Jahre sind [verflossen], meine Tochter, seitdem ich mein [a]Vaterland] zum letzten Male gesehen habe.
Dr. Albert: Dann, mein Herr, sollten Sie einmal gehen und es wieder sehen. — Das alte Deutschland, das Sie einst [verließen], werden Sie nicht mehr finden; — ein neues ist [erstanden]. Schön war Deutschland ja immer und schön ist es noch heute. Aber zur Schönheit ist nun auch die Macht gekommen, die Macht, welche Barbarossa den deutschen Landen einst gewünscht.
Herr Meister: So lese ich, und so sagt man mir. Doch scheint es mir selbst wie ein Wunder!
Dr. Albert: Das glaube ich Ihnen gerne, mein Herr. Sie denken noch immer an die schöne [Sage], die Deutschland einst gedichtet hatte in seinem Unglück und in seiner Hoffnung: Tief unter der Kyffhäuser-Burg sitzt Kaiser Barbarossa. — Er sitzt sorgenvoll und [schlummernd] vor einem [Marmortische], den Kopf [gestützt] mit seiner Hand. — Sein Bart [wallt nieder] bis zur Erde und schlingt sich um den Tisch. — So sitzt er schlummernd hundert Jahre. — Dann erhebt er traurig das Haupt und spricht zum [Zwerg]: Fliegen die Raben noch um den Berg? — Und der Zwerg geht und kommt zurück und spricht: Die Raben fliegen noch um den Berg! — Dann [seufzt][II-1] der Kaiser und schlummert wieder ein und schlummert noch hundert Jahre. —
Aber heute, mein Herr, sitzet der Kaiser nicht mehr am Marmortische; — er ist erwacht und [emporgestiegen] aus dem [unterirdischen] Schlosse.