Ich sah ihn selbst, den alten Kaiser mit schneeweißem Haare; ich sah das [Reich], das nun wirklich einig und mächtig ist durch einen Mann — durch Bismarck.

Herr Meister: Ja, ja, so ist's!

Dr. Albert: Ja, Herr Meister, das einige Deutschland ist sein Werk. — Welch' ein Genius ist dieser Bismarck! — Ich halte ihn für einen der größten Männer, die jemals lebten; — denn enorm ist es, was er [vollbracht] hat und [staunenswert] ist es, wie er's getan!

Mitten unter Feinden steht er, — gigantisch an Körper und groß an Geist. — Die Herren der Länder [ringsum] sind bereit zum [Vernichten], sie [lauern] nur auf den rechten Moment. — Und die, für welche er kämpft, stehen [mürrisch] zu Seite, geben keine hilfreiche Hand, nicht einen freundlichen Blick, rufen kein liebes Wort. — Finster schauen sie ihn an und zeigen Haß, da er Liebe bringt.

Bittend steht er unter ihnen, reicht ihnen einen Oliven-Zweig und sagt: Meine Herren, diesen Zweig habe ich im Auslande gebrochen, Ihnen denselben zu reichen als Zeichen des Friedens und der Freundschaft, auf daß wir [gemeinschaftlich] das große Werk beginnen und beenden.

Aber sie wollen nicht auf ihn hören und lassen ihn stehen. Unverstanden und [verkannt] muß er den [steilen] Weg aufwärts klimmen, ganz allein [planend] und [übermenschlich] [schaffend]. Wie groß, wie wahrhaft groß er da unter den Menschen erscheint. — Im Herzen aber hatte er Gott, der ihn kennt, und vor sich seinen König, der ihm traut; er selbst aber glaubte an den Sieg des Guten und in diesem Glauben fühlte er sich stark und groß. Fest und sicher und schnell geht er vorwärts und [unternahm] jene [gewaltige] Operation — nun, Sie kennen sie ja.

Herr Meister: Ja, ja, wir kennen sie! Aus jenem Deutschland, das einst [zerstückt] und bald den Nachbarn zugefallen wäre als willkommene Beute; aus dem Deutschland, das kraftlos und ein [Spott] der Welt geworden war, aus diesem unglücklichen Deutschland hat er ein einiges Reich geschaffen, das wieder stark ist, wie [ehemals]; den Deutschen gab er wieder ein großes [Vaterland] und pflanzte in sie einen höhern Sinn.

Dr. Albert: Und das konnte Bismarck nur tun, weil er groß ist. — Weil er selbst groß ist und gut, zieht er Tausende mit sich auf eine bessere Höhe.

Aber, mein Herr, ich sage noch mehr: Deutschland ist ein deutsches Land geworden zuerst durch Bismarck. — Er hat vollendet, was Arminius einst begonnen hatte: — Das Werk der Einheit und Freiheit. — Aber dieses Werk hatte geruht viele hundert Jahre, hatte geruht im ganzen [Mittelalter], denn was war das Deutschland des [Mittelalters], das sich so gern das heilige römische Reich nannte? — Es war kein deutsches Land mit deutschem [Geiste], — es war eine schwache [Nachahmung] des alten römischen Reiches, nichts mehr.

Aber solche wunderbare Macht besaß einst Rom, daß noch der große Kaiser Karl und alle Kaiser nach ihm nichts Höheres kannten, als den Titel »Kaiser von Rom.«