Herr Meister: Ja. — Zum Beispiel: Unsere Freunde würden nie im Englischen sagen: "My brother Louis rides good"; das wäre nicht grammatikalisch; — sie würden sagen: "My brother Louis rides well;" denn "good" ist ein Adjektiv im Englischen, "well" aber wird als Adverb gebraucht. So kam es denn, daß Herr Otto auch im Deutschen sagte »Mein Bruder Louis reitet wohl«. Im Deutschen aber ist das nicht recht. — »Wohl« wird sehr oft gebraucht als Synonym von »nicht krank«. — Z.B. »Wie geht es Ihnen? — Danke, ich bin wohl«. Wir gebrauchen es auch oft in dieser Verbindung: »Bringen Sie mir gefälligst ein Glas Wasser!« »Sehr wohl, mein Herr«, — wie das Englische "all right", "very well" und so weiter. "My brother Louis rides well" würde im Deutschen sein: »Mein Bruder Louis reitet gut«; denn »gut« ist im Deutschen Adjektiv und Adverb. Also nicht: "He speaks well" »Er spricht wohl«, sondern: »Er spricht gut«.

Otto: Den Fehler habe ich sehr oft gemacht, nicht wahr, Herr Meister?

Herr Meister: O ja, recht oft. Aber bin ich jemals müde geworden, Sie zu verbessern?

Otto: Nein, wahrlich nicht. Sie hatten [Ausdauer] wie unser U.S. Grant.

Bella: [Beharrlichkeit] führt zum Ziele.

Herr Meister: Und hier z.B. ist unsere liebe Freundin Bella. — Sie würde im Englischen sagen: "I wish to write a letter"; — und so sprach sie dann auch im Deutschen: »Ich wünsche einen Brief zu schreiben«; — aber wir sprechen im Deutschen gewöhnlich nicht so: "I wish to buy essence of the white rose", »Ich wünsche, Essenz der weißen Rose zu kaufen«; das ist nicht recht, meine Freundin, nicht wahr? Heute aber wissen wir es besser.

Bella: Heute sage ich: »Ich will einen Brief schreiben«, »Ich will Essenz der weißen Rose kaufen«, oder noch besser: »Ich möchte Essenz der weißen Rose kaufen.«

Herr Meister: Ganz recht.

Louis: Du mußt nicht denken, mein lieber Doktor, daß ich ohne Fehler bin. O, ich kann auch Fehler machen, so gut wie Fräulein Bella.

Bella: Und das kann ich [bezeugen].