Und da Elisabeth älter und größer wurde, vermißte sie nie die Kirche; und sie betete immer zu Gott, daß er sie gut machen möchte, und daß sie den Menschen gutes tun könnte.
Den Armen gab sie, so viel sie nur konnte, und die Kranken besuchte sie und tat ihnen viel Gutes und sie war gegen alle Menschen so freundlich, besonders aber mit den Traurigen.
Die [Landgräfin] aber, des Prinzen Mutter, war darüber oft hart mit ihr, denn sie sagte, sie wäre eine Prinzessin und würde einst die Gemahlin ihres Sohnes werden, und es wäre nicht recht, sich so gemein zu machen. — Und einst sagte die Landgräfin sogar: Wir wollen sie zurückschicken nach Ungarn!
Da aber zeigte der junge Prinz auf einen großen Berg und sprach: Siehst du den Berg vor uns? Wäre er auch vom feinsten Golde, so wollte ich doch eher ihn vermissen, als meine Elisabeth. Ich habe nichts lieber auf dieser Welt, als sie.
Da Elisabeth fünfzehn Jahre alt war, wurde eine große Hochzeit [gefeiert]. Es war ein schönes, glückliches Paar. — Sie war schön und liebreich und fromm; und er war reich an allen [Tugenden] eines Ritters.
Nach wenigen Jahren wurde er nun selbst [Landgraf] im Thüringer-Lande. Darüber aber war niemand glücklicher, als Elisabeth. Denn nun konnte sie [Gutes][III-8] [tun][III-9], soviel sie wollte, und niemand konnte sie mehr hindern.
[Häufiger], als früher, ging sie nun zu den Unglücklichen, und wenn sie die [Hütten] verlassen hatte, war es den Armen, als wäre ihnen ein Engel erschienen, so reich waren ihre Gaben, so beglückend ihre Worte und so freundlich war ihr Auge; und überall im Lande sprach man von der [Landgräfin] Elisabeth und überall hatte sie Freunde.
Aber da waren auch einige, die böses von ihr sprachen zu ihrem Gemahl, dem [Landgrafen]. — Es war Hungers-Not im Lande, und das Brot war wenig und teuer; und sie sagten, es wäre wahrlich nicht recht, daß die [Landgräfin] so oft zu den Armen gehe und so reichlich Brot [verschenke].
Der [Landgraf] aber wollte nicht hören auf ihre Worte und sagte nichts zu seiner Gemahlin.
Aber einmal war er aus der Wartburg geritten; und da er wieder auf dem Wege heimwärts war, sah er aus dem [Wald-Pfade] die Landgräfin kommen, welcher eine Dienerin folgte. — Und der [Landgraf] dachte: Unter dem weiten Mantel trägt sie wieder Brot für die Armen, und wir selbst haben doch so wenig in dieser teuern Zeit, — und er rief ihr zu: Laß doch sehen, was du unter dem Mantel [trägst]! — O, rief sie, stotternd vor Angst, — o — es sind — Rosen!