In dieser Jahres-Zeit Rosen, Elisabeth? — Unmöglich! — Komm', laß doch sehen! — Und da sie zitternd ihren Mantel zurückschlug, war sie selbst erstaunt, denn wahrlich — es waren Rosen.
Und der [Landgraf] und Elisabeth lebten manche Jahre glücklich zusammen und hatten schöne und gute Kinder. Da kam er eines Tages ernst nach Hause und sprach: Elisabeth, ich habe einst gelobt nach dem Grabe des [Heilands] zu [wallfahren] mit meinen [Mannen], und nun ist die Zeit gekommen, daß ich mein Wort erfülle.
Mußt du, sprach sie mit [wehmütigem] Herzen, so gehe. Aber da sie allein war, mußte sie bitterlich weinen; und da der Tag des Abschiedes kam, konnte sie nicht von ihm lassen; und viele Meilen wanderte sie mit ihm, auf seinen Arm gestützt.
Da endlich sprach er zu ihr: Nun, mein teures, liebes Weib, gehe zurück zur Burg.
So schwer war es ihr noch niemals geworden, zu tun, was ihr Gemahl ihr gebot und ihr [Weh] war so tief, daß die härtesten Ritter mit ihr weinten.
Sie kam zur Burg zurück. Es war ein harter Tag für sie. — Aber ein Tag folgte, der noch härter war; das war der Tag, da man ihr die traurige Botschaft brachte, daß ihr Gemahl im Kampfe gefallen war.
Da war das Licht der Sonne ihr nicht mehr golden; und der zarten Blümchen Schönheit sah sie nicht mehr und hörte nicht mehr auf den lieblichen Sang der Vögel, und die Landschaft und die ganze Welt schien ihr schwarz. Da war keine Freude mehr für sie auf dieser Erde.
Und der Bruder ihres Gemahls kam auf die Burg und machte sich zum Herrn des Landes und [vertrieb] die Witwe seines Bruders.
Es war finstere Mitternacht, da er sie [hinausstieß] vor das Burg-Thor. Der Regen fiel in Strömen; aus schwarzen Wolken zuckte der Blitz; der Donner rollte fürchterlich durch die Berge und greulich heulte der Sturm.
Elisabeth ging den schmalen Pfad den Berg hinab. Auf schwachem Arme trug sie das jüngste Kind, an der linken Hand führte sie das zweite, und ihr ältestes Söhnlein mußte die [Fackel] tragen, um den schlüpfrigen Weg zu beleuchten.