Bella: Ja, das ist auch wahr; wo ist Louis? Ist er noch nicht zurück? — Sie lächeln, Herr Doktor! — Ah — da ist ein Komplott im Werke gegen uns. — Gretchen, merke, was ich Dir sage, und der Herr Doktor weiß auch darum. Was ist es, Herr Doktor? Sagen Sie es mir, ich bitte. Sie sind immer so gut.

Dr. Albert: Mein verehrtes Fräulein, ich danke Ihnen für Ihre gute Meinung, und ich versichere Sie, daß ich mich bemühen werde, mir dieselbe zu erhalten. Aber ich bitte Sie, mich für einige Momente zu entschuldigen, da ich Ihnen von Tannhäuser erzählen möchte; und wenn ich das jetzt nicht thue, dann werde ich es vergessen.

Gretchen: Ist das derselbe Tannhäuser, der in Richard Wagners Oper vorkommt?

Dr. Albert: Es ist derselbe. Wenn Sie auf der Wartburg stehen und hinaus sehen in die Landschaft, dann sehen Sie den Venus-Berg, als den schönsten unter allen anderen. In diesem Berge ist die Frau Venus, die schönste Frau auf Erden, und Tannhäuser, der tapfere Ritter, wohnte im schönen, weiten Palaste bei ihr. Was sein Herz [begehrte], wurde ihm erfüllt; und dennoch war er nicht glücklich, und sprach zu Frau Venus:

Hohe Frau, nun laßt mich gehen! Ich will nach Rom zum Papste und ihn bitten, daß er meine vielen Sünden mir vergebe.

Sie bat ihn: Bleibet hier, mein Ritter, bleibet bei mir. Hier ist es wahrlich schön, tausendmal schöner, als unter den Menschen da oben. Tannhäuser schüttelte traurig sein Haupt und sagte: Ich kann nicht, ich kann nicht, beste Frau. Und sie kniete nieder vor ihm und blickte ihn an mit ihren schönen Augen und flehte.

Nein, o nein, sagte er; ich kann nicht.

Sie hing sich an seinen Hals und weinte. Da riß er sich los und eilte hinaus; — und im Pilger-Kleide und mit dem Stabe in der Hand, wanderte er barfuß und barhaupt manchen Tag und kam nach Rom.

An demselben Tage aber war eine große Prozession; und Tannhäuser, der Ritter, fiel auf die Kniee vor dem Papste und rief:

Vergebet mir, o Vater, meine vielen Sünden!