Heine.
Siegfrieds Schwert.
Jung Siegfried war ein stolzer Knab',
Ging von des Vaters Burg herab.
Wollt' rasten nicht in Vaters Haus,
Wollt' wandern in die Welt hinaus.
Begegnet' ihm manch Ritter wert
Mit festem Schild und breitem Schwert.
Siegfried nur einen Stecken trug,
Das war ihm bitter und leid genug.
Und als er ging im finstern Wald,
Kam er zu einer Schmiede bald.
Da sah er Eisen und Stahl genug,
Ein lustig Feuer Flammen schlug.
»O Meister, liebster Meister mein,
Laß' du mich deinen Gesellen sein,
Und lehr' du mich mit Fleiß und Acht,
Wie man die guten Schwerter macht!«
Siegfried den Hammer wohl schwingen könnt',
Er schlug den Amboß in den Grund.
Er schlug, daß weit der Wald erklang,
Und alles Eisen in Stücke sprang.
Und von der letzten Eisenstang'
Macht er ein Schwert so breit und lang:
»Nun hab' ich geschmiedet ein gutes Schwert,
Nun bin ich wie andre Ritter wert.
Nun schlag' ich, wie ein andrer Held,
Die Riesen und Drachen in Wald und Feld.«
Uhland.
Barbarossa.
Der alte Barbarossa,
Der Kaiser Friederich,
Im unterird'schen Schlosse
Hält er verzaubert sich.
Er ist niemals gestorben,
Er lebt darin noch jetzt;
Er hat, im Schloß verborgen,
Zum Schlaf sich hingesetzt.
Er hat hinabgenommen
Des Reiches Herrlichkeit
Und wird einst wiederkommen
Mit ihr zu seiner Zeit.
Der Stuhl ist elfenbeinern,
Darauf der Kaiser sitzt;
Der Tisch ist marmorsteinern,
Worauf sein Haupt er stützt.
[Sein Bart ist nicht von Flachse,
Er ist von Feuersglut,
Ist durch den Tisch gewachsen,
Worauf sein Kinn ausruht.
Er nickt als wie im Traume,
Sein Aug' halb offen zwinkt;
Und je nach langem Raume
Er einem Knaben winkt.][G-2]
Er spricht im Schlaf zum Knaben:
Geh' hin vors Schloß, o Zwerg,
Und sieh, ob noch die Raben
Herfliegen um den Berg.
Und wenn die alten Raben
Noch fliegen immerdar,
So muß ich auch noch schlafen
Bezaubert hundert Jahr'.
Rückert.
Lied des Fischerknaben.
Es lächelt der See, er ladet zum Bade,
Der Knabe schlief ein am grünen Gestade.
Da hört er ein Klingen,
Wie Flöten so süß,
Wie Stimmen der Engel
Im Paradies.
Und wie er erwachet in seliger Lust,
Da spülen die Wasser ihm um die Brust,
Und es ruft aus den Tiefen:
Lieb Knabe, bist mein!
Ich locke den Schläfer,
Ich zieh' ihn herein.
Aus Schillers Wilhelm Tell.