Infolge angestrengtester Bemühungen gelang es ihm, nicht nur eine deutliche, sondern auch »recht saubere und schöne Schrift zu erwerben«, durch die er, wie es in einem andern Berichte heisst, »alle Guldenschreiber und berühmte Rechnenmeister übertroffen«, gleichviel, ob deutsche oder lateinische Buchstaben, kaum einer that es ihm in kunstvollem Schreiben zuvor.

In den folgenden Versen, die er mit einer Widmung versah, hat er den Gedanken ausgesprochen, der sein Leben erfüllte:

O junger Gsell lehre gute Kunst,
Das ist dir nutz und bringt dir Gunst,
Es ziert auch wohl ein jungen Man,
Wie fein ists, wenn er etwas kan.
Ich nem eins glehrten Mannes mut,
Liess eim eins Narren grosses Gut,
Dann so das Geld sich von dir kehrt,
So bleibt die Kunst doch unversehrt,
Und dich deines gantzes Leben nehrt.
Plus probe thesauro docti quam divitis auro.

(Etwa: »Was frag ich viel nach Geld und Gut,
Wenn ich zufrieden bin« —
oder: »Vergnügt sein ohne Geld,
Das ist der Stein der Weisen«).

Dem Ehrbarn und Wolgeachten Herrn Leonhart Stöberle, Burger und Apotheker in Nürnberg zu Ehrn und Wolgefallen, hab ich Thomas Schweicker zu Schwäbischen Hall, diss aus Mangel nothdürftiger Arm mit meinen Füssen geschrieben den 21. Juli Ao. 1592, meines Alters 51 Jar«.

Schweicker konnte aber nicht allein gut und künstlerisch-schön schreiben, er konnte auch »allerley kunstreiche Handarbeit verrichten«, er besass selbst Geschick in Tischlerarbeiten, wie Hobeln, Bohren, Sägen und dergl. und »verfertigte allerley subtile Leisten und Holtzgerämswerk«. Beim Essen sass er auf einem Stuhl in der Höhe der Tafel, nahm mit den Füssen das Messer, schnitt Brot und andere Speisen und führte sie ebenso, wie die Getränke, mit den Füssen zum Munde. Er selbst sagt über diese und ähnliche Fähigkeiten Folgendes:

»Dieweil ich, dass es GOtt erbarm,
Hab weder Finger, Händ noch Arm,
und mich also behelffen muss,
Schreib ich doch diss mit meinem Fuss,
Drumb frommer Christ dein Lebenlang
Sag GOtt für diese Wohlthat dank,
Dass Du hast einen graden Leib,
Wie meinest, dass ich mein Zeit vertreib,
Das zeigt Dir die Contrafraktur.
Weil mich nun GOtt und die Natur
Also erschuff, hats mir doch geben,
Alles zu thun mit Füssen eben,
Essen vnd trinken vber Tisch
Mit meinem Fuss ich bhend erwisch,
Schreib, mahl, schnitz, bindt Bücher ein,
Das Armbrust kan ich brauchen fein,
Zehl Gelt, vnd auff freundlichs begehren
Im Bretspiel meins Manns mich thu wehren.
Schenk ein, trink auss, die Kleider mein
Anleg selbst, schneid ein Feder fein.

Thomas Schweicker Halensis«.

Unter einem seiner zahlreichen Bildnisse finden sich folgende, seine Thätigkeit charakterisirende Verse:

»Der grosse Wunder-GOtt kan nichts als Wunder machen,
Diss zeuget Schweickers Bild, diss weisen Schweickers Sachen.
Der Mann ist ohne Hand geboren auf die Welt,
Und treibet mit dem Fuss, was aller Welt gefält;
Er trank, er ass, er schrieb, schnid Federn mit den Füssen,
Spannt Bogen, drückt sie ab, wusst seine Lust zu büssen
Mit Spielen in dem Brett. Der Maximilian,
Das Haupt der Christenheit, hielt hoch den Wundermann,
Auch Churfürst Friederich am Rhein hat ihn bey Leben
Als einem Wundermann Schild, Helm zum Wappen geben.
Der Du ihn siehst, gedenk: Was die Natur verletzt
An einem, hat Verstand am andern Theil ersetzt«.