In einem nach Schweickers Tode verfertigten Epigramm sagt M. J. Gaeterus — um eine weitere poetische Betrachtung über dessen Fertigkeit anzuführen:
»Von Mutterleib ohn Arm und Händt
Geboren an sein Füssen bhendt
Alles gantz hurtig und ohn Zill
Verricht, wie mans nur haben will;
Er isst und trinkt, spilt, gibt und trinkt,
Alls mit seinen Füssen zwegen bringt«.
Man sieht, dass sich der Beifall, den seine Leistungen fanden, zu einem förmlichen Cultus erhoben hatte und welch' ein reicher Kranz poetischer Blüthen und Betrachtungen in Prosa, die, wollte man sie gesammelt veröffentlichen, einen stattlichen Band füllen würden, sich um Schweickers interessante Figur geflochten hat.
Aber nicht die Dichtkunst allein, auch die bildenden Künste glorificirten ihn, denn nicht nur auf Kupferstichen wurde er abgebildet, sondern auch Medaillen, die sein Bild zeigten, wurden ihm zu Ehren geprägt. Die eine hatte die Form und den Umfang eines Thalers und zeigte auf der einen Seite Schweicker, wie er die Umschrift: »Thomas Schweicker im 41. Lebensjahre 1581« mit den Füssen selbst schreibt. Auf der Reversseite befindet sich in sieben Zeilen ein Citat aus dem 138. Psalm: »Wunderbar sind Deine Werke, und das erkennet meine Seele wohl«. Eine andere, zwar etwas grössere, doch minder scharfe, wurde im Jahre 1595 geprägt.
Nach alledem kann es nicht wundernehmen, wenn Schweicker vom ganzen Lande und über dessen Grenzen hinaus gekannt und geschätzt war. Um ihn zu sehen, kamen die Leute von ferne herbei und aus Schlesien erschienen Boten in Hall, bloss zu dem Zweck, sich beglaubigte Zeugnisse über die Existenz und Fähigkeiten Schweickers von der Obrigkeit zu erbitten.
Aber, wie es oft gerade dem besten Künstler ergeht, sei es wegen seiner zu grossen Freigebigkeit und Unterstützung armer Freunde, sei es, weil minderwerthe Concurrenten auf der Bildfläche erscheinen und ihm die Einnahmen schmälern, auch Thomas Schweicker hatte mit pecuniärer Noth zu kämpfen, und richtete deshalb im December 1570 an den Kaiser Maximilian II. folgende, mit den Füssen geschriebene Bittschrift:
Psalm CXLIII
Prope est Dominus invocantibus cum omnibus invocantibus cum in veritate.
Allerdurchlauchtigster, Grossmächtigster, Christlichster Kayser, gnädiger Herr, nachdem der Allmächtige Ewige Gott und Vater unsers einigen Herrn und Heylandes Jesu Christi mich armen, elenden und verletzten Menschen also und dergestalt in diese Welt erschaffen hat, dass ich aus Mangel meiner Glieder meine Leibes-Nahrung und Unterhalt leider für mich selbst nicht gewinnen noch erlangen kan: Derowegen ist hierauf an Eure Kayserliche Majestät, als an meinen gnädigsten Herrn, meine gantz unterthänigste, demüthigste und fleissigste Bitte und Begehr, Eu. Kayserl. Majest. wollen aus angebohrner hoch- und weitberühmter Mildigkeit mich armen, elenden und verletzten Menschen lauter um GOtteswillen gnädiglich bedenken, auff dass ich die übrige Zeit meines armuthseeligen Lebens durch GOttes und Eu. Kayserl. Majestät Hülffe und Beförderung auch in dieser Welt möge zubringen. Solches um Eu. Kayserl. Majestät zu verdienen mit meinem armen, andächtigen Christlichen und emsigen Gebet, gegen GOtt dem Allmächtigen, für Eu. Kayserl. Majestät, will ich armer gehorsamer mit höchstem Fleiss zu aller Zeit, treulich thun, auff dass der Barmherzige Gütige GOtt Euere Kayserl. Majestät in langwieriger Gesundheit und glücklicher Regierung gnädiglich erhalten wolle. A. M. E. N.
Thomas Schweicker Hallensis
Quem Natura Brachiis Spoliavit
Hoc Scripsit cum pedibus suis
Anno Christi unici mediatoris
Salvatorisque nostri M. D. L. XX.
In mense Decembri.