Alexander Benediktus erzählt, dass er eine Frau (in der Mitte des 15. Jahrhunderts) gesehen habe, die, ohne Arme geboren, mit den Füssen nähte und überhaupt im Schneiderhandwerk einiges leistete; auch hob sie einen Becher Wein und schlug die Trommel, als ob sie Hände gehabt hätte.
Später sah man einen armlosen Spanier, »welcher fürwahr alle Wunderwerk, so in der Natur sind, übertraf«. Er wusste so geschickt mit Kriegsrüstung umzugehen, dass ihm hierin kein Kriegsmann gleichkam. Wenn er mit der Armbrust schoss, so verfehlte er sein Ziel nie und vermochte ausserdem vermittelst einer Axt mit einem Hieb einen starken Holzpflock zu spalten.
Sycosthenis erzählt von einem zwanzigjährigen armlosen Menschen, er habe mit den Füssen alle »Handarbeit« verrichtet.
1556 sah man zu Frankfurt a. M. eine Frau ohne Hände, die nicht nur aufs »allerzierlichste« schrieb, sondern auch allerley sonstige subtile Arbeit mit den Füssen verrichtete.
Cardanus berichtet im siebenzehnten Buche von einem, der Arme völlig beraubten Manne, dass er mit dem rechten Fusse Speere schleuderte, Kleider nähte, ass und schrieb. Sein Name war Antonius, seine Vaterstadt Neapel. Er hat einen grossen Theil von Europa bereist und mit den erwähnten und ähnlichen Productionen reichen Beifall und Lohn geerntet. —
Der hervorragendste aller Fusskünstler älterer Zeit aber ist Thomas Schweicker, der unser Interesse nicht nur allein wegen seiner Künste, »die ihresgleichen suchten«, in Anspruch zu nehmen berechtigt ist, sondern, weil wir ihn auch zugleich als Mensch, als Dichter und als eine gesellschaftlich interessante Persönlichkeit kennen lernen, die auch zu Kaisern, Königen und Fürsten zu wiederholten Malen in Beziehungen trat. Die Litteratur des 16., 17. und 18. Jahrhunderts geht oft auf seine Leistungen ein und auch die bildende Kunst jener Zeit hat sich seiner angenommen, und am Abschluss des 19. Jahrhunderts soll auch in diesem Werke nochmals seiner gedacht und ihm ein litterarisches Denkmal gestiftet werden.
Thomas Schweicker wurde zu Schwäbisch-Hall im Jahre 1540 geboren. Sein Vater, Hans Schweicker, war ein angesehener Mann und bekleidete die Stelle eines Rathsfreundes (war wohl Beigeordneter?) und starb 1571 im Alter von vierundsiebzig Jahren. Seine Mutter war eine geborene Dorothea Seeckbin.
Er kam ohne Arme zur Welt, und nach Ueberwindung des ersten Kummers darüber gingen seine Eltern alsbald daran, die Mängel des Leibes durch Pflege des Geistes auszugleichen und ihn zu »allen guten Tugenden und Wissenschaften fleissigst anzuhalten«.
Mit dem siebenten Jahre kam Thomas in die deutsche und mit dem zwölften in die lateinische Schule, wo er frühzeitig eine hohe geistige Begabung an den Tag legte, sich aber besonders der Schreibkunst widmete, die zu jener Zeit bei weitem nicht Jedermann beherrschte und die daher in hohem Ansehen stand. (Noch durch Jahrzehnte zeigte man dort den Tisch, der ihm zur Aufbewahrung seiner Sachen dortselbst eingeräumt war.)