Daneben hing ein Porträt der Frau des Hauses. Das war das beste. Tatsächlich, es war gut. Die Gestalt plastisch modelliert. Ebenso die Hände. Dann das hellrote Kleid mit den Verzierungen, die durchbrochenen schwarzen Halbhandschuhe. Das olivenbleiche Gesicht mit den dunklen Augen unter den Stirnlocken und der hohe, spitze schwarze Hut mit roter Feder. Sie stand aber leider wie an den Hintergrund geklebt, der mit einem säuerlichen Graublau übermalt war.
Und dort noch ein Kinderbild „Bamse vier Jahre“, stand oben auf dem Rahmen. Nein, Herrgott — war das Helge, der kleine schmollende Kerl im weißen Hemdchen? O, wie lieb er aussah!
Frau Gram brachte ein Tablett mit Rhabarberwein und Kakes herein. Jenny murmelte etwas von Umstände machen:
„Ich habe mir die Bilder Ihres Gatten angesehen, Frau Gram.“
„Ja, ich verstehe mich ja nicht sonderlich darauf, aber ich finde sie großartig. Mein Mann behauptet freilich, es wäre nichts an ihnen dran, aber das ist wohl nur so hingesagt. Nein,“ sie lachte etwas bitter. „Mein Mann ist so sonderbar. Von der Malerei konnten wir nicht leben, als wir heirateten und Kinder bekamen, so daß er daneben etwas Nützliches betreiben mußte. Dann hatte er aber keine Lust, so nur nebenher zu malen, und darum behauptete er eines schönen Tages, er hätte kein Talent. Ich finde ja seine Bilder schöner als die modernen Sachen, aber Sie sind wohl anderer Meinung, Fräulein Winge?“
„Ja, die Bilder Ihres Gatten sind sehr schön,“ entgegnete Jenny. „Besonders das Bildnis von Ihnen, Frau Gram. Das ist wirklich reizvoll.“
„O ja. Aber es hat freilich nicht viel Aehnlichkeit — geschmeichelt hat Gram mich nicht.“ Sie lachte wieder ihr kleines, bitteres, böses Lachen. „Nein, das kann man nicht gerade behaupten. Ich finde ja, er malte viel netter, ehe er begann, all das nachzuäffen, was damals plötzlich modern wurde — Sie wissen, Thaulow und Krogh und Konsorten.“
Jenny trank ihren Rhabarberwein schweigend aus, während Frau Gram sprach.
„Ich würde Sie gern zu Mittag einladen, Fräulein Winge. Aber ich mache die Wirtschaft allein und dann ist man ja nicht auf Gäste vorbereitet, das können Sie sich wohl vorstellen. Ich kann also leider nicht. Aber das nächste Mal, hoffe ich.“
Jenny verstand, daß Frau Gram sie gern los sein wollte. Das war ja auch begreiflich, wenn sie kein Mädchen hatte. Sie war wohl gerade beim Mittagkochen. So verabschiedete sie sich denn.