Gram lachte.
„Nein. Ich sah Sie ja vorgestern auf der Treppe. Dann gestern, als ich in mein Geschäft ging, sah ich Sie wieder. Ich ging ein Stück hinter Ihnen her, da ich die Absicht hatte, Sie anzuhalten und mich Ihnen vorzustellen. Sie gingen hier hinein, und ich wußte, daß in diesem Hause ein Atelier war. Nun ja, so bekam ich die Idee, zu Ihnen hinaufzusteigen und Ihnen eine Visite zu machen.“
„Wissen Sie,“ Jenny lächelte vergnügt, „Helge lief auch auf der Straße hinter mir her, einer Freundin und mir. Er hatte sich allerdings verlaufen, unten in den alten Straßen am Flohmarkt. Dann kam er eben auf uns zu und sprach uns an — bändelte an, wie der feine Ausdruck dafür heißt. So wurden wir bekannt. Wir fanden zuerst, daß er ein wenig dreist war. Aber es scheint so, daß er von Ihnen seinen Mut geerbt hat.“
Gram runzelte die Stirn und schwieg einen Augenblick. In Jenny stieg ein unbehagliches Gefühl auf, als hätte sie etwas Dummes gesagt. Sie überlegte, wie sie fortfahren sollte.
„Dürfte ich Ihnen eine Tasse Tee anbieten, während Sie hier sind?“
Sie zündete ohne weiteres den Apparat an und setzte Wasser auf.
„Ja, ja, Fräulein Winge — Sie brauchen nicht zu fürchten, daß Helge mir sonst irgendwie ähnelt. Ich glaube, daß er glücklicherweise nicht das Geringste mit seinem Vater gemein hat.“ Er lachte.
Jenny wußte nicht recht, was sie darauf erwidern sollte. Sie beschäftigte sich damit, Teetassen herbeizuholen:
„Ja, hier ist es recht leer, wie Sie sehen. Aber ich wohne zu Haus bei meiner Mutter.“
„Ah so, Sie wohnen zu Hause? — Das Atelier ist sicher sehr gut — nicht wahr?“