„So.“ Er lachte auch. „Ja, es war eine dumme Frage, Jenny. Es scheint ja fast, als hätte ich vergessen, wie es zuging, als man jung war und verliebt — nicht wahr?“
„Nicht wahr! Wissen Sie, das sagt Helge auch so oft. Auch etwas, das ich so gern an ihm mochte. Er war so jungenhaft. Ich sah sehr wohl, daß er verschlossen war, dann aber öffnete er mir nach und nach sein Herz —.“
„Das kann ich gut verstehen — daß man zu Ihnen Vertrauen bekommt, Jenny. Ja, aber erzählen Sie weiter — aber, Sie brauchen nicht so erschrocken auszusehen. Sie verstehen doch, ich meinte nicht, Sie sollten mir Ihre und Helges Liebesgeschichte auseinandersetzen oder dergleichen —. Nur ein wenig von sich selbst erzählen — und von Helge. Von Ihrer Arbeit, Kind. Und von Rom. Damit ich alter Mann wieder weiß, wie es ist, Künstler zu sein. Und frei. An Dingen zu arbeiten, die einem Freude machen. Jung zu sein. Verliebt und glücklich —.“
Gram blieb etwa zwei Stunden bei ihr. Dann, als er gehen wollte und im Ueberzieher, den Hut in der Hand, dastand, sagte er leise:
„Hören Sie zu, Jenny. Es hat ja keinen Zweck, Ihnen zu verbergen, wie die Verhältnisse in meiner Familie liegen. Es ist besser, daß, wenn wir uns zu Hause wiedersehen, wir uns noch nicht kennen. Daß Helges Mutter nicht erfährt, daß ich Ihre Bekanntschaft auf eigene Faust gemacht habe. Auch Ihretwegen — damit Sie nicht Spott und Unannehmlichkeiten ausgesetzt sind. Es liegt nun einmal so, daß die Tatsache, daß ich einen Menschen gern habe, besonders eine Dame, schon genügt, um meine Frau gegen den Betreffenden aufzubringen ... Sie finden das seltsam. Aber Sie begreifen —?“
„Ja,“ sagte Jenny schwach.
„Nun, leben Sie wohl, Jenny. Ich freue mich Helges wegen — glauben Sie mir?“
Sie hatte am Abend vorher an Helge geschrieben und ihm von ihrem Besuch bei seiner Mutter erzählt. Als sie den Brief noch einmal durchlas, quälte es sie, daß der Abschnitt von ihrer Begegnung mit der Mutter so armselig und trocken ausgefallen war.
An diesem Abend schrieb sie ihm wieder und berichtete von dem Besuch seines Vaters. Aber dann riß sie den Brief entzwei und begann von neuem. — Es war so peinlich zu erzählen, daß Frau Gram von dieser Sache nichts erfahren dürfe. Widerwärtig war es, Geheimnisse mit dem einen gegen den anderen zu haben. Helges wegen empfand sie es wie eine Demütigung, daß sie mit einem Male Mitwisser von dem Elend geworden war, das in seinem Vaterhause herrschte. Schließlich erwähnte sie die Angelegenheit gar nicht. Es war leichter, ihm alles zu erklären, wenn er kam.