„Du sagtest: Meine Mutter ist nicht so.“

„Das ist nicht wahr. Meine Mutter, sagte ich.“

Meine Mutter, sagtest du. Daß du sie nicht leiden kannst, ist eine Sache für sich, obgleich du schließlich keinen Grund hast —. Aber du könntest doch daran denken, daß es meine Mutter ist, von der du sprichst. Und ich habe sie lieb, wie sie auch sein mag —.“

„Helge! Aber Helge —.“ Sie hielt inne, denn sie fühlte, wie ihr die Tränen in die Augen stiegen. Es war ihr so fremd, Tränen zu vergießen, daß sie schwieg, beschämt und erschrocken. Er hatte es aber schon bemerkt:

„Jenny! Habe ich dir wehgetan? Herrgott! Da siehst du es selbst. Kaum bin ich heimgekehrt, so fängt es auch schon an —.“ Er schrie plötzlich, indem er die geballte Faust drohend erhob: „Oh, ich hasse das, ich hasse das, es wird mein Heim zerreißen.“

„Mein Junge, lieber Junge — du darfst nicht —. Geliebter, nimm es doch nicht so schwer!“ Sie zog ihn fest, fest an sich. „Helge! Hör zu, geliebter Freund — was hat denn das mit uns zu schaffen. Sie können uns doch nichts tun —,“ und sie küßte ihn, bis er aufhörte zu schluchzen und zu beben.

V.

Helge und Jenny saßen in seinem Zimmer auf dem Sofa und hielten sich schweigend umschlungen.

Es war an einem Sonntag Ende Juni. Jenny hatte am Vormittag einen Spaziergang mit Helge gemacht und bei Grams Mittag gegessen. Nach dem Kaffee hatten sie alle vier im Wohnzimmer gesessen und sich durch den Nachmittag gequält, bis Helge Jenny mit in sein Zimmer zog unter dem Vorwande, sie sollte etwas durchlesen, was er geschrieben hatte.

„Puh,“ sagte Jenny, als sie draußen waren.