Sie war jedoch nie so glücklich über die Mutter und ihr Heim gewesen wie jetzt. Es kam nicht allein daher, daß die Mutter sie jetzt ein wenig verstand. Sie merkte auch hin und wieder, daß es Jenny schwer hatte, und zeigte dann ehrlichen Willen, zu helfen und zu trösten — ohne zu fragen. Denn schon der Gedanke, einem ihrer Kinder eine aufdringliche Frage zu stellen, hätte ihr die Schamröte ins Gesicht getrieben. Aber dies hier, Helges Heim, mußte ja eine wahre Hölle für die Kinder gewesen sein. Und es war, als würfe die Mißstimmung ihre Schatten auf sie, auch wenn sie sonst zusammen waren. Aber sie wollte es überwinden. Ihr armer, armer Junge!
„Mein Helge!“ Und sie überfiel ihn plötzlich mit Liebkosungen. —
Jenny hatte Frau Gram angeboten, ihr mit dem Aufwaschen und dem Abendessen behilflich zu sein, aber jedesmal hatte die Hausfrau mit einem Lächeln erwidert:
„Nein, meine Liebe — dazu sind Sie doch nicht hergekommen, damit sollen Sie wahrhaftig nichts zu tun haben, Fräulein Winge.“
Vielleicht war es nicht so gemeint, aber Frau Gram lächelte immer so spöttisch, wenn sie mit ihr sprach. Die Arme, vielleicht besaß sie kein anderes Lächeln mehr.
Gram kehrte heim; er hatte einen Spaziergang gemacht. Jenny und Helge setzten sich zu ihm ins Rauchzimmer.
Die Hausfrau kam auch einen Augenblick herein:
„Du hattest deinen Regenschirm vergessen, mein Freund — wie gewöhnlich. Es war tatsächlich ein Glück, daß du einem Regenschauer entgingst. Ja diese Männer, wie man auf sie achtgeben muß —!“ Sie lächelte zu Jenny hinüber.
„Du bist ja außerordentlich um mich bemüht,“ sagte Gram. Stimme und Wesen waren immer peinlich höflich, wenn er mit seiner Frau sprach.
„Aber warum sitzt ihr denn hier drinnen?“ sagte sie zu Helge und Jenny.