„Es ist merkwürdig,“ erwiderte Jenny, „— ich finde, es ist in allen Häusern dasselbe: das Herrenzimmer ist immer am gemütlichsten. Bei uns war es auch so, als mein Vater noch lebte,“ fügte sie schnell hinzu. „Es kommt wohl daher, daß es als Arbeitszimmer eingerichtet ist.“
„Dann müßte ja die Küche der allergemütlichste Raum im ganzen Hause sein,“ lachte die Hausfrau. „Aber wo meinst du, daß am meisten gearbeitet wird, Gert, hier in deinem Zimmer oder in meinem — nun ja, die kann ja als mein Arbeitszimmer gelten —.“
„Ich gebe zu, daß zweifellos die nützlichste Arbeit in deinem Arbeitszimmer verrichtet wird.“
„Ja,“ sagte Frau Gram. „Jetzt glaube ich aber beinahe, ich muß Ihr liebenswürdiges Anerbieten für eine Weile annehmen — würden Sie so lieb sein, und mir ein wenig helfen, Fräulein Winge? Sonst wird es so spät —.“
Als sie beim Essen saßen, läutete es. Es war Frau Grams Nichte, Aagot Sand. Frau Gram stellte Fräulein Winge vor.
„Ah, Sie sind die Malerin, mit der Helge in Rom so viel zusammen war. Ich konnte es mir beinahe denken.“ Sie lachte. „Ich sah Sie drüben in der Stenerstraße jetzt im Frühling, Sie gingen in Begleitung von Onkel Gert und trugen Malgerät in der Hand —.“
„Das ist sicher ein Irrtum, mein Kind,“ unterbrach sie Frau Gram. „Wann sollte das gewesen sein?“
„Einen Tag vor Bußtag. Ich kam von der Schule.“
„Ja, es ist schon richtig,“ sagte Gram. „Fräulein Winge stand und hatte ihren Malkasten auf der Straße fallen lassen, und da half ich ihr, beim Aufsammeln.“
„Das kleine Abenteuer hast du deiner Frau gar nicht gebeichtet.“ Frau Gram lachte laut. „Ich hatte keine Ahnung, daß Ihr Euch von früher her kanntet.“