„Ich wußte gar nicht, daß Herr Gram Klavier spielen kann.“
„Wie wunderschön Sie sticken!“ Sie ergriff Jennys Stickerei und betrachtete sie. „Ich dachte wirklich, Künstlerinnen hielten es für unter ihrer Würde, sich mit derartigen Handarbeiten zu beschäftigen. Welch bezauberndes Muster — wo haben Sie das her? Vom Auslande?“
„Das habe ich mir selber ausgedacht.“
„Nein wirklich? Dann ist es freilich leicht schöne Muster zu arbeiten — sieh her, Aagot, ist das nicht reizend? Sie sind sicher ein tüchtiges Mädchen, Fräulein Winge.“ Sie streichelte Jennys Hand.
Was für abscheuliche Hände sie doch hat, dachte Jenny. Kleine Finger, deren Nägel breiter waren als lang und plattgedrückt.
Helge und Jenny begleiteten erst Aagot bis zu ihrer Pension oben in der Sofienstraße. Dann gingen sie zusammen über die Pilengasse zurück, durch die blaßblaue Juninacht. Nach den Regenschauern strömten die weißen Blütenkerzen der Kastanien an der Hospitalsmauer einen faden Duft aus.
„Helge,“ sagte Jenny leise. „Du mußt es so einrichten, daß wir übermorgen nicht mit ihnen zusammen sind.“
„Das ist unmöglich, Jenny. Sie haben dich eingeladen und du hast Ja gesagt. Deinetwegen ist es ja nur.“
„Helge, du kannst dir doch denken, daß es nur zu Unzuträglichkeiten führt. Stell dir vor, wenn wir allein irgend wohin fahren könnten, Helge. Ganz für uns allein, nur wir beide, Helge. Wie in Rom.“
„Glaub mir, Jenny, nichts würde ich lieber wollen. Es gibt nur zu Hause so viele Unannehmlichkeiten, wenn wir diese Johannisfahrt nicht mitmachen.“