„Du kannst ganz sicher sein, daß er es nicht tut. Und du mußt natürlich tun, als wüßtest du nichts. Das ist das Einzige, was du machen kannst. Es war einfach hirnverbrannt von euch.“

„Ich kann doch nichts dafür, Helge.“

„Ach, ich habe dir genug von den Verhältnissen zu Hause erzählt. Du hättest dafür sorgen müssen, daß es bei Vaters erstem Besuch blieb — all die späteren Visiten im Atelier und auch die Zusammenkünfte in der Stenerstraße hättet ihr unterlassen sollen.“

„Zusammenkünfte? Ich sah das Motiv und wußte, daß ich ein gutes Bild von dort aus malen konnte — das habe ich auch getan.“

„Nun ja. Es ist natürlich vor allem Vaters Schuld. — Ach!“ Er fuhr heftig auf. „Diese Art und Weise, wie er von ihr spricht — ja, du hast gehört, was er zu Aagot gesagt hat. Und heute Abend wieder zu dir. ‚Sie!‘“ äffte er nach, „‚Ihnen sagt sie nichts!‘ Es ist aber doch unsere Mutter.“

„Ich finde aber, Helge, dein Vater ist weit rücksichtsvoller und höflicher gegen sie als sie zu ihm.“

„Oh, diese Rücksichtnahme von Vater, ja! Nennst du das rücksichtsvoll, wie er vorgegangen ist, um dich auf seine Seite zu bekommen? Seine Höflichkeit! Du solltest wissen, was ich als Kind gelitten habe und jetzt als Erwachsener — unter dieser Höflichkeit. Wenn er kerzengerade dastand, ohne ein Wort zu sagen, und höflich aussah. Sprach er aber, dann klang es so eisig, so schneidend kalt, so höflich! Er bedankte sich fast noch für Mutters Schreien und Schelten und Toben. — Oh!“

„Liebster Junge!“

„O Gott, Jenny. Es ist auch nicht nur Mutters Schuld. Ich kann sie auch verstehen. Alle Menschen geben Vater den Vorzug. Du jetzt auch. Es ist verständlich. Im Grunde tue ichs ebenfalls. Aber gerade deshalb begreife ich, daß sie so geworden ist. Sie will ja doch überall die Erste sein, siehst du. Und sie ist es nirgends. Arme Mutter!“

„Ja, die Aermste!“ sagte Jenny. Doch ihr Herz blieb eiskalt gegen Frau Gram.